Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 26

Was sein muss muss sein. Oder auch:
Ein tapferer Hund muss eben tun, was ein tapferer Hund eben tun muss.

Also habe ich schnell entschlossen gerade wieder meine Hundehütte verlassen und mich auf den Weg gemacht in die weite Welt da draußen, um dem endlosen Geplapper des schreibenden Huhns etwas wirklich hündisch Gutes entgegenzusetzen.

Nun, lassen Sie uns doch jetzt einmal kurz überlegen, was das sein könnte.
Irgendetwas Sinnvolles vielleicht, das Sie für einige Zeit von verschwommenen Zeitbegriffen und fliegenden Hühneruntertassen ablenken kann.
Etwas Hand- oder Maulfestes also.

Wie wäre es beispielsweise mit einer Anleitung bezüglich der Kunst, einen Knochen nahezu unwiederbringlich in Ihrem Garten zu vergraben?
Oder ein Pamphlet über jene Meisterschaft im Fährtensuchen, welche sich nur mit dicht an den Boden gedrückter Schnauze zur Vollendung führen lässt?

Nein, ich glaube, diese Beispiele sind zu artspezifisch, ich meine, sie taugen wahrscheinlich nur für die paar Hunde unter meiner Leserschaft.
Die meisten Hunde können ja gar nicht lesen oder tun dies zumindest aus offensichtlichen Gründen nur selten.
Ein hier anzuführender Grund wäre der, dass der Besitzer eines lesenden Hundes nur mit Mühe erraten kann, wozu sein Hund eine kleine Bibliothek in seiner Hundehütte oder unter seinem Hundebettchen versteckt.
Zumeist werden einem solchen Hundetier dann sogleich böse Absichten unterstellt, welche im Zerreißen oder Zerstückeln von Büchern münden.
Der völlig unschuldige aber belesene Hund tut sich seinerseits recht schwer, sein Herrchen davon zu überzeugen, dass es sich bei ihm, dem Hund, einfach um ein lesebesessenes Haustier handelt.
Um solchen oft ziemlich unerfreulichen Auseinandersetzungen mit unserem liebsten Futterzubereitungspersonal und unseren zweitliebsten Spielgefährten zu vermeiden, verzichten die meisten Hunde, die ich kenne, entweder ganz auf den Genuss von anspruchsvoller Lektüre oder beherrschen zumindest die Kunst, sich nach außen hin als tierische Analphabeten zu gebärden.

Darum zahlt es sich nicht aus, einzelne Abhandlungen nur aus Hundesicht und extra für Artgenossen zu verfassen.
Der Weg zu wahrer hündischer Berühmtheit ist nämlich ohnehin auch so schon schwer und lang genug.
Gerade ein paar wenige unserer Art konnten ihn beschreiten.
Lassie, Rintintin und Kommisar Rex beispielsweise, aber außer diesen fällt mir auf Anhieb fast niemand mehr ein, und selbst diese hier genannten Beispiele wirklich berühmter Hunde entbehren einer gewissen wirklichkeitsnahen Wahrhaftigkeit, oder, wenn Ihnen das lieber ist, einer gewissen wahrhaftigen Wirklichkeitsnähe.

Denken Sie jetzt bitte über diese beiden Begriffe nicht weiter nach und zerbrechen Sie sich darüber nicht Ihre Schnauze.

Jedenfalls finde ich für Sie schon genau das richtige Thema.
Eines, das artübergreifend und gleichzeitig tief berührend in seiner Menschlichkeit und Hündlichkeit ans Herz greift.

Da, da, sehen Sie es?
Es schwebt gerade vor meinem geistigen Auge vorbei und zeigt natürlich, weil es ja gerade in dieser Kolumne erscheinen will, auch Ihnen den Weg zu wahrer erleuchteter Wahrnehmung auf.

Halt, Ruhe da, Sie verscheuchen ja jeden Gedanken mit Ihrem eigenen lauten Denken und Fühlen.
Müssen Sie eigentlich wirklich die ganze Zeit über Irgendetwas denken?
Können Sie nicht einmal für ein paar Minuten den Raum unendlicher Stille genießen, sie tief in sich aufnehmen und keinerlei Gedankenkreisel um oder in Ihrem eigenen Schädel drehen, sondern dieser unglaublichen Einfachheit des ruhenden Daseins durch ein respektvolles Zusehen und Erschnüffeln den ihr gebührenden Raum geben, ganz genau so wie wir Hunde dies seit Jahrtausenden fast die ganze Zeit über zelebrieren?

Nein, ich spüre es in meinen Hundeknochen und kann die Wahrheit leicht aus den Gerüchen erschnüffeln, welche mir der Wind alltäglich zuträgt: Sie können es nicht.
Sie sind Getriebene und Denkende, Fühlende und Ehrgeizige, Hektische und mit den Armen unruhig um sich Schlagende.

Der wahre Sinn des Hundes für Ruhe, Einfachheit, Stille und Sein, unser ganzes prächtiges Sensorium für ungetrübtes und völlig unvoreingenommenes Dasein fehlt Ihnen.

Sie sind also wirklich ernsthaft zu bedauern.
Genau deshalb erhebe ich hier meine Stimme, um Ihnen wenigstens ein gewisses Gespür für das Wesentliche zu vermitteln.
Das Wesentliche des hündischen Lebens wird Ihnen aber wohl wie ein tiefes und unergründliches Geheimnis erscheinen.
Ich gebe Ihnen jedoch, nur weil ich Hund und deshalb mit Menschen nun mal schon von Natur aus zutiefst solidarisch bin, hier einen Hinweis zur Lösung dieses ewigen Rätsels:

Das Wesentliche kommt zumeist ganz ohne Worte aus. Es liegt vor allem in der Luft.

Zum Thema Rintintin oder, wie er fälschlicher Weise auch geschrieben wurde, Rin Tin Tin, habe ich mich jetzt bei Wikipedia ein wenig umgehört. Da steht es nämlich schwarz auf weiß. Hier dürfen Sie es in Blau nachlesen:

Nach 26 gedrehten Filmen und seiner eigenen Radioshow, „Der Wunderhund“ (The Wonderdog, 1930, die zwar live vor Publikum produziert wurde, in der er aber von den Radiohörern nur beim Bellen gehört wurde), verstarb Rin Tin Tin 13-jährig 1932 in Los Angeles…

Frühe Rin-Tin-Tin-Kinofilme:

Man from Hell’s River (1922)

Where the North Begins (1923)

Shadows of the North (1923)

Rin-Tin-Tin rettet seinen Herrn (Find Your Man, 1924)

Rin-Tin-Tins Heldentat (The Lighthouse by the Sea, 1924)

Rin-Tin-Tin bei den Goldsuchern (Tracked in the Snow Country, 1925)

Clash of the Wolves (1925)

The Night Cry (1926)

Rin-Tin-Tin unter Verbrechern (While London Sleeps, 1926)

Rin-Tin-Tin als Lebensretter (Hills of Kentucky, 1927)

Tracked by the Police (1927)

Rin-Tin-Tin und die Goldgräber (Jaws of Steel, 1927)

Rin-Tin-Tins schwerster Sieg (A Race for Life, 1928)

The Million Dollar Collar (1929)

A Dog of the Regiment (1929)

Tiger Rose (1929)

The Wonderdog (1930) (Radioshow)

The Lightning Warrior (1931)

Rin-Tin-Tins Rache (Law of the Wild, 1934)

Rin Tin Tins Leben wurde unter der Regie von Danny Lerner als Rin Tin Tin (???) – Ein Held auf Pfoten (Finding Rin Tin Tin, 2007) verfilmt.

Danny Lerner hätte meiner Ansicht nach niemals wirklich überzeugend Rintintin spielen können…..

Die Fernsehserie The Adventures of Rin Tin Tin wurde mit einem neuen Schäferhund namens Golden Boy junior, genannt JR, zwischen 1954 und 1959 in den USA gedreht. JR, der nicht mehr aus der Duncan-Zucht stammte, sondern dem Trainer Frank Barnes gehörte, erhielt 1958 und 1959 den Patsy Award. In gefährlichen Szenen wurde er allerdings von Stuntdogs gedoubelt.

Das Beitragsbild ganz oben zeigt mich direkt neben Rintintin. Nun ja, zumindest vermute ich das. Ganz genau kann ich mich an diesen Schnappschuss jetzt wirklich nicht mehr erinnern.