Stormy Monday, der Montagskater 30

Haben Sie es gemerkt?

Oder ist es Ihnen vielleicht in der Hektik Ihres sicherlich sehr betriebsamen Alltags gar völlig entgangen??

Der letzte Montag war vor zwei Wochen.

Mein Zauberspruch hat funktioniert.

Statt des Montags fanden letzte Woche deshalb zwei Dienstage statt.

Für Sie war das ja vielleicht ganz belanglos. Für mich aber macht es einen ganz gewaltigen Unterschied. Denn am Dienstag kommt der Kater normalerweise nicht.

Natürlich kann ich diesen Zauber jetzt aber nicht für unbegrenzte Zeit aufrechterhalten.

Montage haben doch sicherlich auch einen gewissen Sinn. Mir fällt dieser jetzt zwar nicht sofort auf Anhieb ein, aber ich bin mir sicher, es gibt eine tiefe und durchaus sogar spirituelle Bedeutung des Montags als Wochenbeginn.

Für meine eigene Arbeitswoche ist der Montag ja nur insofern von Bedeutung, als er zumeist gerade nach dem vorangegangenen Workshop stattfindet. Er ist zwar Freizeit, dient aber vor allem der Erholung von meiner doch zeitweise recht intensiven Arbeit und kann deshalb für fast gar nichts anderes genützt werden. Und tut man es doch, ich meine damit, wenn ich mich dazu hinreißen lasse, den Montag nach dem Workshop mit anderen Aktivitäten zu füllen als mit reinem Augen auf und zu klappen und dem Versuch, einen entspannten aber nicht allzu anstrengenden Atemrhythmus zu finden, der mich den ganzen Montag über sanft begleiten soll, dann rächt sich diese Unachtsamkeit sofort. Der Montag wird dann schnell zum Tag des Chaos, weil ich in meinem Zustand umfassender Regenerationsbedürftigkeit einfach die einfachsten Dinge auf komplizierteste Weise durcheinander zu bringen imstande bin.

Wenn ich mich dem Montag aber hingebe und mich in das süße oder saure Nichtstun füge, entsteht ein gewisses Vakuum. In diesem Vakuum nun erscheint dann der Kater. Nicht dass das Vakuum für das Erscheinen des Katzenungetüms irgendwie ursächlich wäre. Ich meine, das Vakuum ist eben nicht die Ursache des Katerauftritts. Er kommt auch, wenn ich gar kein Vakuum herstelle und mich emsig mit den verschiedensten Angelegenheiten meines Lebens befasse. Nur bin ich dann entweder gerade nicht von den Nachwehen meiner intensiven und bedeutenden Arbeit erfasst oder aber bei mir herrscht noch zusätzlich das uranfängliche Chaos der Schöpfung, zumindest in meinem Kopf. Der Kater aber nützt das meiner Ansicht nach weidlich aus.

Trotzdem kann ich den Montag wie oben angedeutet jetzt nicht ganz und gar aus meiner Woche verbannen. Ich brauche ihn. Wofür ich ihn brauche ist vielleicht ungewiss, doch die Tatsache des Brauchens steht fest. Eine Woche mit zwei Dienstagen würde darüber hinaus auf Dauer auch nicht halten. Der erste Dienstag könnte sich nämlich eines Tages seiner Platzhalterfunktion bewusst werden und sich im Handumdrehen in einen sogenannten Montag verwandeln. Und schon wäre mein ganzer wundersamer Zauberbann gebrochen. Wahrscheinlich sogar für immer, weil sich ein solches magisches Ereignis, ein schamanischer Fehlschlag auf magischer Ebene also, in Windeseile bei allen in Frage kommenden Wochentagen herumspricht. Die wissen dann schon genau, wie sie sich aus einem zweiten Dienstag in einen ersten Montag zurückverwandeln können.

Fürs erste aber ist es mir bisher gelungen, den Montag auf raffinierte Weise abzuschaffen und somit der Pranke des Katers zu entrinnen.

Ich weiß natürlich nicht, wie weit mein Zauber wirkte. Sicherlich dürfte er mehrere hundert Kilometer in meinem Umkreis noch deutlich wahrzunehmen gewesen sein. Innerhalb der ersten dreihundert Kilometer um unser schamanisches Zentrum in Haag herum fand sicherlich kein Montag statt. Weitere vier- bis fünfhundert Kilometer war die Antimontagswelle wohl ebenfalls noch spürbar und führte vielleicht zu einem Ausfall des Montags oder zumindest einer weitgehenden Abschwächung desselben. Falls Sie aber mehr als 1500 Kilometer von unserem Zentrum entfernt wohnen sollten, war nach einer kurzen, vielleicht ungefähr zehnminütigen, Montagspause vom Verblassen oder Verschwinden des Montags wahrscheinlich gar nicht mehr allzu viel wahrzunehmen. Es sei denn, Sie wären eine für solche magische Momente besonders empfindsame Person, dann könnte es tatsächlich geschehen sein, dass ausgerechnet für Sie, aber nicht für Ihre magisch betrachtet wohl relativ unempfänglichen Nachbarn, der Montag gänzlich ausgefallen sein könnte. Wie Sie das aber auf friedliche Weise mit Ihren Nachbarn besprechen oder sich gar mit ihnen auf einen weiteren gemeinsamen Kalenderkompromiss einigen könnten, kann ich Ihnen jetzt leider auch nicht sagen.

Manchmal wird die eigene feine Achtsamkeit dem Einzelnen auf gewisse Weise ja auch zum Verhängnis, oder schränkt zumindest seine Fähigkeit, mit den Nachbarn zu einer friedlichen grundlegenden Übereinstimmung in Bezug auf die Sicht der Wirklichkeit zu gelangen, ein wenig ein.

Ach, jetzt habe ich wieder ganz darauf vergessen, mich an mein Gespräch mit dem Kater zu erinnern. Sobald es mir aber wieder einfallen wird, werde ich es veröffentlichen, um ihn endlich zu einer verräterischen Reaktion zu veranlassen, welche ich dann im Laufe einiger Tage oder Wochen wiederum dazu nützen könnte, …..nun, das bleibt inzwischen ja besser noch mein Geheimnis. Falls Sie, so wie ich, Schamane sind, Blogs über Ihr Alltagsleben schreiben und zudem noch von einem mächtigen Montagskater geplagt werden, vergessen Sie nur niemals das Eine: Der Kater liest mit!