Stormy Monday, Montagskater 11

Dieser Kater hat mich letztens wieder einmal zum Spielball seiner Launen gemacht. Das erklärt aber nun in keiner Weise sein Entstehen oder seine Bedeutung.

Nein, der Kater hat die ganze Geschichte damit eigentlich nur verwirrt.

Diese Geschichte muss demnach also jetzt wirklich umgehend von mir wieder in den Bereich der Klarheit zurückgeholt werden.
Wie Sie gleich sehen werden, ist das mehr oder weniger ganz einfach.

Ich muss mich nur zunächst wohl von Neuem auf die Suche machen, um das Rätsel des wiederkehrenden Montagskaters zu entschlüsseln.

Eigentlich wollte ich dazu ja ganz tief in mich selbst hinein blicken.

Diese Idee hatte sich fast von selbst entwickelt, nachdem ich ja feststellen durfte, dass unser schamanisches Zentrum, der Ort unserer magischen und heilsamen Tätigkeiten also, auf gar keinen Fall die Ursache für das Auftreten des wilden Katers sein könnte.

Diese Erkenntnis warf mich sozusagen wieder ganz auf mich zurück.

Und da stehe ich jetzt immer noch. Etwas zögerlich, weil es ja nicht ganz ohne Risiko und Aufregung zugeht, wenn der Mensch in seine eigene Tiefe hinabsteigt und damit ausgerechnet an jenem Ort nach der Wahrheit zu suchen beginnen möchte, den er, der Mensch im Allgemeinen also, ja nach Möglichkeit bei seiner Wahrheitssuche immerzu strikt zu vermeiden versucht.
Wenn sich diese Suche dann aber sogar noch im Innenleben eines Schamanen abspielen soll, kommt ihr auf alle Fälle wirklich schon etwas Besonderes zu. Genau genommen wirkt sie sofort ein wenig eigenartig.

Eigenartig deshalb, weil die Eigenart des Schamanen sich ein klein wenig von den Eigenarten seiner menschlichen Umgebung zu unterscheiden pflegt.

Nicht dass einem Schamanen die normalen Gepflogenheiten und üblichen Gegebenheiten des Lebens etwa irgendwie allzu fremd wären.
Wir sind menschlich durch und durch, und das teilen wir, zumeist stolz, manchmal gleichgültig und selten ein wenig über uns selbst befremdet, mit Ihnen Allen da draußen.
Trotzdem zeigt sich bisweilen eine Art kleiner aber durchaus bedeutsamer Abweichung im Inneren eines Schamanen.

Ich meine damit, das Innere des Schamanen weicht vielleicht an einigen Stellen zwar nur ganz wenig aber dennoch auf durchaus bedeutsame Art von dem Innenleben anderer Menschen ab.

Der Kater in seinem Element.

Das glauben Sie mir nicht?

Ich gebe Ihnen gern ein Beispiel dafür.

Das einfachste Beispiel wäre nun das der Ekstase, genauer gesagt, des Ekstasezustandes.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, befindet sich der Schamane eben immer mit einem Bein in der Ekstase und dies lässt ihn die Welt nun auch anders wahrnehmen als auf die ganz normale sprich alltägliche Weise.
Allerdings können wir darüber ruhig ein andermal sprechen. Diese Beschäftigung mit der inneren Ekstase des Schamanen führt uns hier vielleicht zu weit weg von unserem Thema.
Schließlich wird sich der Montagskater doch nicht etwa aufgrund schamanischer Ekstasefähigkeiten eingestellt haben, oder?
Geben wir deshalb hier lieber ein anderes Beispiel für die Eigenart des schamanischen Mitmenschen.

Aber welches Beispiel könnten wir jetzt nehmen?
Okay, ich weiß es.
Wir nehmen einfach den schamanischen Zugang zur Magie.

Die Magie umgibt den Schamanen nämlich ebenso wie die Ekstase.

Der Kater, der ja wohl oder übel in seinem eigentlichen Wesen eine Art geistigen Befindens sein muss, hat wahrscheinlich Anteil am Wesen des Schamanen und somit auch an seinem besonderen Verhältnis zur Magie.

Magie entsteht entweder an der Grenze verschiedener Dimensionen unseres vieldimensionalen Universums, oder durch die Aufhebung der Subjekt-Objekt-Trennung im Betrachter.
In jedem Fall führt die Magie zu einer Art Doppelbewusstsein dessen, der mit ihr zu tun hat.
Denn die Welt öffnet sich für den Magier gleichzeitig auf verschiedene Weise.

Das Alltagsbewusstsein, das sich vom Tonal, dem Fassbaren, leiten lässt, steht beispielsweise dem Bewusstsein des Unfassbaren, also des Nagual, gegenüber.

Auf diesem Bild erscheint das Nagual. Für den Eingeweihten ist klar, wo es sich hier zeigt. Tatsächlich gibt es mehrere Stellen im Bild, an denen Sie es finden können.

In der Mitte zwischen beiden findet der Schamane zu seiner magischen Balance.
Ein Schamane ist also jemand, der sich permanent dieser magischen Doppelbewusstheit aussetzt um damit Heilkraft, Erkenntnis und Stärke zu gewinnen.
Die Stärke des Schamanen wurzelt im Spirit, im Großen Allumfassenden, dem universellen Geist, der uns trägt und umgibt.
Der Geist trägt Sie natürlich auch, genauso wie er den Schamanen trägt.
Der Schamane ist sich dieses Getragen-Seins und der beständig möglichen Kommunikation mit dem Geist auf andere Weise bewusst.

Dieser Zustand der Bewusstheit begleitet ihn ständig und führt unter anderem zu einer tiefen Verbindung mit dem Grenzenlosen, mit der Unendlichkeit des Kosmos.

Gleichzeitig aber führt derselbe Zustand zu einer klaren Bewusstheit der Vergänglichkeit, die schamanisch als Teil eines wiederkehrenden Kreislaufs des Lebens wahrgenommen werden kann.

An meinen bisherigen Ausführungen können Sie zumindest schon in vagen Umrissen erkennen, dass sich auch das Innenleben eines Schamanen vielleicht ein bisschen von dem anderer Weltenbürger unterscheiden könnte.

Mehr dazu erfahren Sie wohl erst im nächsten Montagskaterblog, dann nämlich, wenn sich dieses unheimliche Tier wieder zu seiner ganzen Größe aufrichtet, um sich auf den Schamanen seiner Wahl zu stürzen, der allerdings seinerseits über die wahre Bedeutung des sich auf ihn werfenden Katers nach wie vor noch ganz im Dunkeln tappt. Genau das soll sich aber in naher Zukunft doch ändern. Deshalb werde ich die aufgenommene Spur jetzt auch wie eine Blutkatze weiter verfolgen.

Eigentlich sollte hier korrekter Weise Bluthund stehen, aber vielleicht mag der Kater montags ja Hunde nicht so besonders, und ich will ihn nicht unnötiger Weise verärgern, jetzt, wo ich noch gar nicht genau ahnen kann, was dieses seltsame aber doch gewaltig große Tier immer wieder einmal mit unfehlbarem Instinkt geradewegs genau zu mir zieht.

Dies ist nicht der Montagskater, sondern der Leoparden- und Jaguarfetisch aus der kleinen Jurte. Aber irgendwie passt das Bild doch zum Thema.