Der Schamane zur Lage der Nation Nummer 23 und 24

Ach, schon wieder kommt er viel zu spät. Daran können Sie leicht erkennen, dass sich der Schamane Ihres Vertrauens mit wesentlichen Ritualen wie Trance zu Samhain oder Feuerlauf beschäftigen muss bis er zu guter Letzt noch Zeit findet, seinen virtuellen Weggefährten ein deutliches Lebenszeichen zu senden….

Doch dafür ist der Text auf einmal gleich doppelt so lange wie gewöhnlich. Wir haben ihn deshalb gleich auch als Doppelnummer gestaltet.

Nehmen Sie dies also bitte als Zeichen meiner Hochachtung und betrachten Sie es vor allem auch als Versuch, mich gleich für die nächste Verspätung meiner Artikel im Vorhinein bei Ihnen zu entschuldigen…

Was sich als unseliger neuer Zeitgeist in unsere Kultur einzuschleichen scheint, ist eine zunehmende Missachtung grundlegender Menschenrechte auch in der westlichen Welt.

Wir sind es ja irgendwie auf traurige Weise gewohnt, dass Gräueltaten gegen Einzelne oder ganze Bevölkerungsgruppen in Diktaturen als alltägliche politische Praxis vorkommen.

In Saudi-Arabien werden Menschen aufgrund ihrer politischen Meinung zu Tode gepeitscht oder beim Besuch einer Botschaft heimtückisch ermordet, von extra dazu angereisten, aber offenbar von keinem politisch Verantwortlichen beauftragten Killerkommandos.

In Syrien warf der Diktator Giftgas und Splitterbomben auf die eigene Bevölkerung.

In solchen Ländern und Situationen ist ein Menschenleben nichts mehr wert.

Doch auch hierzulande entfernt sich die unsäglich populistische Regierung vom Standpunkt der Menschlichkeit. Unter dem Vorwand, der Migrationspakt begünstige Zuwanderer auf Kosten der alteingesessenen Bevölkerung, werden Menschen in solche mit Menschenrechten und solche, denen hier keine derartigen Rechte zugestanden werden, unterteilt. Diese Regierung, welche mehr oder weniger offen mit dem illiberalen Demokratieverständnis eines Herrn V. Orban liebäugelt, kann eine solche von der UNO initiierten und von über 190 Ländern akzeptierte Übereinkunft offenbar nicht unterzeichnen.

Lassen Sie mich hierzu aus dem Standard zitieren:

….Der UN-Migrationspakt bekräftigt in weiten Teilen Menschenrechte, die heute schon gelten – selbstverständlich auch für Migranten. Wer also nun meint, diese Rechte seien eine Zumutung, der sägt letztlich an der Idee universeller Menschenrechte insgesamt. Aber gerade weil es heute nicht mehr selbstverständlich ist, dass die universellen Menschenrechte für alle Menschen gelten, ist der Pakt sinnvoll. Die Krise um den Flüchtlingsschutz hat in vielen Staaten der Welt eine Politik hervorgebracht, die es bei der effektiven Abwehr von Migration allzu oft nicht mehr so genau nimmt mit dem Schutz der Menschenrechte. Wenn wir nun über die Frage diskutieren, ob die Rechte, die seit nunmehr 60 Jahren das gemeinsame Fundament internationaler Politik darstellen, für Migranten überhaupt gelten sollen, dann geht es ums Ganze. Es geht dann nicht mehr darum, ob und wie wir Migration steuern, sondern darum, ob wir noch zu einem humanistischen Weltbild und Selbstverständnis stehen…..von Anuscheh Farahat, 8.11.2018.  Anuscheh Farahat ist Völkerrechtlerin und Gastprofessorin an der WU Wien, aus:  derstandard.at/2000090909879/Es-geht-ums-Ganze-die-Menschenrechte.

Genau da setzt die Kritik des Schamanen noch einmal ganz fundamental an:

Jeder einzelne Mensch trägt dieses Naturrecht auf Leben, Selbstbestimmung und Streben nach Glück in sich, so wie es sich in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung spiegelt.

Es ist keine Gnade der Regierenden, welche ihrerseits ja ebenfalls nur Menschen wie Du und ich sind, anderen Menschen ihr Naturrecht zu gewähren. Es steht ihnen zu, weil sie, jene Anderen, Menschen wie wir sind, weil sie Teil unserer Spezies und Teil der Erde sind. Regierungen und Staaten sind künstliche und vergängliche Gebilde, sind nur unsere bisweilen recht hilflosen Versuche, unser Gemeinschaftsleben zu ordnen. Wenn wir als Grundlage dieser Ordnung nicht die grundsätzliche Gleichheit aller Menschen annehmen, wie sie zumindest grundsätzlich in den Menschenrechten angesprochen wird, dann fällt unsere soziale Ordnung im Grunde wieder in das Faustrecht des frühen Mittelalters zurück, in dem der jeweils Stärkere dem Schwächeren mit Gewalt seine Realität aufzwang.

Die Menschheit ist meiner Ansicht nach momentan mit der Gefahr konfrontiert, in Verhaltensweisen und Denkweisen zu verfallen, welche uns Alle zum Schluss als Rechtlose und Schutzlose brandmarken können. Eine neue Klasse selbstherrlicher Machtpolitiker und eine neue Kaste vom Rest der Menschheit abgeschirmter Superreicher bestimmten dann die Weiterentwicklung unserer Spezies auf politischer und kultureller Ebene. Es sind aber nebenbei gesagt auch genau diese Leute, welche keinerlei Hemmungen in Bezug auf Naturzerstörung aufweisen. Mitgefühl mit anderen Menschen und Mitgefühl mit Fauna und Flora des Planeten scheinen irgendwie wohl doch zusammenzuhängen.

Bevor ich Ihnen hier vielleicht zu ernst und zu radikal erscheine, wende ich mich schnell zwei anderen politischen Themen zu, welche mir ebenfalls wie immer unter der Haut brennen:

Zum Ersten muss ich wieder einmal dem obersten Rechtspopulisten des Planeten einen wichtigen Rat erteilen:

Auf jeden Fall sollte sich nämlich der amerikanische Präsident den politischen und wirtschaftlichen Umgang mit China noch einmal gründlich überlegen. Denn genau dort, tief im Reich der Mitte, sitzen nicht nur skrupellose Machtpolitiker, welche jegliche Form von Demokratie unterdrücken und Millionen Uiguren in Gefangenenlagern halten, nein, dort im fernen China befinden sich naturgemäß auch die eigentlichen und genialen Problemlöser für das bisher doch praktisch undurchführbare Vorhaben einer Mauer, die den guten weißen und fundamental christlichen amerikanischen Kontinent von seinem bösen dunkelhäutigen und fundamental unchristlichen Gegenstück abtrennen soll.


Wie wir wissen, beginnt der dunkle Kontinent in Mexiko. Die chinesische Mauer ist, wie ebenfalls allgemein bekannt, sogar vom Weltraum aus zu sehen. Genau darauf müsste ein Mann der uneingeschränkten, unreflektierten und absolut ungenierten Selbstbeweihräucherung wie Mr. D. Trump doch wohl abzielen: Auf die Errichtung einer wahrhaft amerikanischen Mauer, welche der chinesischen Mauer mindestens gleichkäme. Bei einer einigermaßen versöhnlichen Außenpolitik mit seinem ja ohnehin zu allen möglichen Kompromissen bereiten chinesischen Gegenüber könnte nun in kürzester Zeit eine wirklich prachtvolle Mauer gebaut werden, welche zusätzlich auch jedem möglichen Ansturm mongolischer Horden ins Herz Amerikas standhielte.

Die einzige Schwierigkeit ergäbe sich vermutlich aus der aus politischen und ganz persönlichen Gründen erforderlichen sehr speziellen Gestalt der Mauer, welche aber nur wie hier von oben, also aus der Luft, klar zu erkennen ist. Teile der Mauer müssten wohl künstlich geschwärzt werden, um die unbedingt notwendige gute Lesbarkeit der Grenzbefestigung zu gewährleisten. Doch das zahlt sich natürlich aus, und mit etwas chinesisch-amerikanischem Ingenieursgeschick ließe sich diese Vorgabe wohl auch mit beispielloser Eleganz gleich in die Realität umsetzen.

Mehr dazu sehen Sie gleich auf den geheimen Entwürfen, die ich dem Pentagon aufgrund meiner ausgeklügelten Spionagesoftwär nahezu mühelos entreißen konnte.

Zum Zweiten möchte ich an dieser Stelle nur meine dringliche Anfrage an die kriegslüsterne Regierung Österreichs wiederholen: Wann, bitte, greifen wir denn jetzt genau Afrika an?

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle natürlich die Quelle für meine Behauptung über die gewaltsame Diskriminierung der Uiguren in China auch nicht vorenthalten.

„In China werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als eine Million Uiguren festgehalten. Die Provinz Xinjiang hat sich laut UN in ein „massives Internierungslager“ verwandelt….

Die Angehörigen der ethnischen Gruppe seien in sogenannten Anti-Extremismus-Lagern untergebracht, berichtete das UN-Komitee zur Bekämpfung von Rassen-Diskriminierung in Genf. Es gebe Berichte, wonach weitere zwei Millionen Uiguren und andere muslimische Minderheiten in politische Umerziehungszentren gebracht wurden, sagte die Komitee-Vorsitzende Gay McDougall. Die meisten von ihnen seien nie konkret angeklagt oder verurteilt worden.

Mit der Verfolgung der Uiguren und anderer muslimischer Minderheiten sei die Autonome Region der Uiguren in „eine Art massives Internierungslager“ umgewandelt worden. Die Uiguren sind ein den Türken eng verwandtes muslimisches Volk, das mit den Chinesen weder ethnische noch kulturelle Verbindungen hat. Die chinesische Kommunistische Partei geht seit jeher mit massiven Repressalien gegen die uigurische Unabhängigkeitsbewegung vor. Seit 2016 sollen sich Unterdrückung und Überwachung gravierend verschärft haben. So sollen mehrere hundert Arbeitslager gebaut worden sein.

Folter, Misshandlungen, Indoktrination

Menschenrechtsorganisationen gehen von routinemäßigen Menschenrechtsverletzungen aus. Beklagt werden Folter, Misshandlungen und Indoktrination. Chinas Staatsmedien bestätigten schon vor Wochen, dass in Xinjiang fast eine halbe Million Menschen allein im ersten Quartal des Jahres umgesiedelt worden seien, „um die soziale Stabilität zu verbessern“. Quelle: dw.com