Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 19 und 20, erster Teil, also 19

Ein beherzter Leserbrief:

„Die Doppelsendung mit dem Huhn hat mir als Format wirklich ausgesprochen gut gefallen. Nur dass das arme Huhn zum Schluss der zweiten Sendung mit Hilfe halluzinogener Pilze einfach kurzer Hand aus dem Verkehr gezogen wurde fand ich doch recht bedauerlich. Wie geht es dem gequälten Tier denn jetzt? Was gibt es schließlich Neues im Hühner-Hunde-Streit?“

Kaum hatte ich diesen wirklich das Herz anrührenden Leserbrief eines mir leider ansonsten völlig unbekannten Hühnerverehrers erhalten, beschloss ich, das Huhn sofort wieder zu reanimieren und es in den aktiven Dienst an der Menschheit zurückkehren zu lassen. Ja, natürlich, es stimmt schon irgendwie: Das hätte ich wohl so oder so ohnehin gemacht. Aber auf diese Art und Weise macht es eben sofort viel mehr Spaß.

Der Schamane verwandelt sich auf diesem Bild zwar nicht in ein Huhn, hat aber augenfällig Spaß an seiner Arbeit.

Das kühne und entschlossen ins Leben zurückeilende Huhn findet zwar, dass Spaß völlig überschätzt wird und ich es statt dessen einfach einmal mit Edelmut, Klarheit oder wahrer Hingabe versuchen sollte. Aber mir genügt das was ich habe. Alles andere wäre ja wohl doch zu viel verlangt. Hören wir aber lieber gleich wieder dem von uns allen so liebgewonnenen Huhn im Originaltext zu:

Nie wieder werde ich Pilze essen. Soviel steht fest. Ich habe mir inzwischen einen halbautomatischen und magisch verstärkten Pilzdetektor zugelegt, welcher die Anwesenheit allfälliger Pilze in meiner direkten Umgebung mit lauten und aufdringlichen Summtönen anzeigt, bevor diese etwaige unliebsame Auswirkungen auf meine zarte Hühnervogelgesundheit haben können.

Stellen Sie sich nur einmal vor, was geschehen hätte können. Dann erblassen Sie sicherlich sofort vor Angst und Schrecken. Um ein Haar, ja was sage ich, um die Distanz eines Reiskorns oder die geringe Entfernung von einem Wurmauge zum nächsten, also praktisch um ein reines nahezu gar nicht wirklich mehr als einen Atemhauch auseinander liegendes Nichts zweier ineinander übergehender Punkte eines räumlichen und zeitlichen Koordinatensystems, wäre ich den Weg der Pilze hinunter in einen ganz fürchterlichen Abgrund gekollert. Es wäre wohl ein Sturz ohne Wiederkehr geworden, ein gar schreckliches und ganz unangemessenes Ende für ein schamanisch und philosophisch so versiertes und erfahrenes Meisterhuhn wie mich. Nein, ich mag gar nicht daran denken, wie es mit hätte hier ergehen können. Sicherlich wären Ihnen auch die Auswirkungen auf niedrigere Lebensformen wie Sie nicht allzu angenehm erschienen. Smeralda hätte in ihrer Trauer über mein geistiges und körperliches Dahinscheiden sofort einen neuen Namen gewählt, allein schon um mich, ihre liebste Hühnerfreundin, damit zu ehren. Wahrscheinlich wäre es ein sehr sehr trauriger, melancholischer oder fast schon zur Trübsinnigkeit anregender Name geworden. Augenblicklich hätte sich diese Stimmung der ganzen Welt mitgeteilt und sich wie ein unsichtbarer Schleier über Sie alle gesenkt. Zudem spielten dann die Naturgesetze wohl verrückt, die Wissenschaft wäre entweder zusammengebrochen oder zumindest wieder ganz am Anfang gestanden, die menschliche Sprache hätte sich auf das Niveau von Grunz- und Klicklauten mit weitgehend eingeschränkter Bedeutung zurückentwickelt, und Lesen und Schreiben wären nur noch ein paar wenigen in mönchischer Zurückgezogenheit lebenden Einsiedlern vertraut. Die Meeresgötter hätte sich zudem wohl zumindest die Hälfte der jetzt noch vorhandenen Kontinente geholt, indem sie diese vollständig mit ozeanischem Dasein überzogen hätten.

Der Rest wäre Schweigen und Trauern um ein edles aber unrettbar verlorenes Glück gewesen, das Sie und alle anderen Lebewesen dieses Planeten für Jahrzehnte wenn nicht sogar für Jahrhunderte in seinem eisernen Griff gehalten hätte, ohne dass irgend Jemand jemals hätte sagen können, woher diese unermessliche und alles überschattende Traurigkeit denn eigentlich zurückgegangen wäre.

All das hätte es um ein Haar nicht mehr gegeben….

Wir könnten uns dann selbstverständlich nicht mehr über die dringend notwendige Verfeinerung und Erweiterung Ihrer Wahrnehmungsfähigkeiten unterhalten, zum einen natürlich deshalb, weil ich in den reinste Glückseligkeit verheißenden Hühnerhimmel aufgenommen worden wäre, und zum anderen deshalb, weil Sie nur noch dumpfes vormenschliches Gestammel von sich zu geben wüssten, sobald Sie Smeraldas Namenwechsel aller geistigen und intellektuellen Schätze und Fähigkeiten beraubt haben würde, welche Sie jetzt zumindest auf rudimentäre Weise noch Ihr Eigen nennen.

Lassen Sie es mich einfach kurz und klar auf Hühnerart ausdrücken: Sie wären total am wahrscheinlichen vorläufigen Ende Ihrer evolutionären Möglichkeiten angekommen, bevor Sie noch heldenhaft und leidenschaftlich bewegt aufbrechen hätten können, um sich endlich zu anständigen Hühnern zu entwickeln.

Gut dass wir jetzt wieder eine Doppelfolge dieser Sendung vor uns haben. Nur so ist nämlich sichergestellt, dass Sie über diese klaren und eindeutigen Feststellungen Ihres um eine Winzigkeit beinahe eingetretenen Endes hinaus noch ein wenig Raum und Zeit finden können, um uns Ihrer wirklich dringend notwendigen Weiterbildung zu widmen.

Allerdings müssen wir das jetzt auf den zweiten Teil dieses Blogs verschieben, um Sie nicht mit all den Gedanken, welche dieser erste Blog in Ihnen jetzt wohl ausgelöst haben dürfte, restlos und  ganz unwiderruflich zu überfordern.

Oje, gerade erkenne ich, dass der zweite Teil dieser Sendung erst in zwölf Tagen erscheinend wird.

Nun gut, da kann man wohl nichts machen, da müssen Sie jetzt eben durch.

Einen ausgesprochen guten Rat will ich Ihnen aber für die lange Zeit bis zu unserem Wiedersehen großzügig mit auf den Weg geben:

Vermeiden Sie wenn irgendwie möglich jeglichen intensiven Kontakt mit heimtückischen Pilzen! Die können Ihnen nämlich ganz schön den Kopf verdrehen.