Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Diesmal: Warum sprechen wir beim Nagual-Schamanismus eigentlich dauernd von authentischem europäischen Schamanismus? War da denn nicht gerade noch ein Jaguar dabei? Teil 1

 

Was macht uns eigentlich zu europäischen Schamanen?

Das ist offenbar für einige Menschen gar nicht so leicht verständlich.

Für uns natürlich schon.

Wir kennen uns ja selbst inzwischen zur Genüge und wissen, was wir so im allgemeinen tun und lassen und auch warum wir was genau zu tun oder eben nicht zu tun pflegen.

Das ist nun alles andere als selbstverständlich. Tun Sie doch nicht in einem fort so, als wüssten Sie beständig was Sie tun. Ich bin überzeugt, dass Sie oft davon gar keine genaue Ahnung besitzen. Sie tun es einfach, also das, was Sie eben so den ganzen lieben Tag über tun, aber Sie wissen teilweise gar nicht warum Sie genau das tun und noch viel weniger wissen Sie darüber Bescheid, was Sie jetzt eigentlich normalerweise machen.

Aber wir wissen es eben. Das ist für Schamanen wirklich ganz normal, glauben Sie mir ruhig.

Und genau deshalb wissen wir eben auch, dass wir wirklich europäische Schamanen sind, trotz unserer Vorliebe für südamerikanische Großkatzen wie den Jaguar oder für ursprünglich sicherlich eher dem süd- und mittelamerikanischen Bereich zuzuordnenden magischen Konzepten wie dem des Nagual und Tonal.

Das Nagual, hier nur zur Einführung für Diejenigen unter Ihnen, die meinen, dass wirklich jeder meiner Blogs in sich abgeschlossen und selbsterklärend sein muss, das Nagual also ist das Unfassbare, das weder Materie noch Energie noch Konzept ist, und das Tonal ist so ziemlich alles Andere, also mehr oder weniger unsere gewohnte Ansicht oder Erfahrung der Welt.

Trotzdem klärt das für Sie jetzt wohl noch nicht die Frage nach dem ursprünglich Europäischen in unserem Schamanismus.

Zum Verständnis dieser Frage müssen wir vielleicht etwas ausholen. Der Schamanismus in seiner ursprünglichen traditionellen Form war in Europa spätestens im 17. Jahrhundert offenbar ausgestorben. In einigen europäischen Randgebieten wie dem der Samen im hohen Norden mag er sich zwar noch fast bis in die heutige Zeit gehalten haben, doch im Allgemeinen war er bis auf kleine Wissensreste, die sich vielleicht in entlegenen alpinen Regionen halten konnten, verschwunden.

Das heißt und hieß natürlich nicht, dass damit die Naturgeister und Spirits der Schamanen plötzlich ebenfalls ganz verschwunden wären. Es waren vielmehr die Schamanen, die ausstarben. Damit hatten die Spirits nur noch wenige Bezüge zu uns Menschen.

Was taten diese Naturgeister also? Sie blieben grundsätzlich wach und aufmerksam. Sie warteten ab. Spirits leben ohnehin nicht in derselben schnell verlaufenden Zeit wie wir Menschen.

Es brauchte vielleicht nur die passende Person und eine passende Gelegenheit, sowie ein paar weitere Ingredienzien zur Herstellung einer ganz ursprünglichen schamanischen Kraft-Suppe, die dem scheinbar schon fast verlorenen schamanischen Erbe wieder von Neuem Glanz und Kraft verleihen würde.

Zu den zusätzlichen Ingredienzien zählten auf jeden Fall spirituelle Türöffner. Denn ohne eine lebendige schamanische Tradition im Hintergrund war es einfach nicht möglich, sich über den Abgrund des Unfassbaren zu beugen, um aus ihm die nötige entschlossene Absicht heraus zu holen, welche dann zur Entwicklung eines neuen europäischen Schamanismus führen könnte.

Meine spirituellen Türöffner waren marokkanische Sufis und ein Trancelehrer, der bei diesen eine intensive Sufi-Ausbildung durchlaufen hatte. Er hatte darüber hinaus schon viele schamanische Aspekte in seine Arbeit integriert und verband sie sowohl mit dem sufistischen Ansatz als auch mit einem mächtigen Zugang zur Trance, welcher sich ihm angeblich auf genau denselben Plätzen eröffnet haben soll, auf denen sich ein paar Jahre später auch die Vision des Nagual-Schamanismus zeigte.

Die Ingredienzien für eine erfolgreiche Wiedervereinigung von Mensch, Magie und Natur waren also schon einmal gegeben.

Jetzt kam es nur noch darauf an, einen geeigneten und noch weitgehend ahnungslosen Interessenten zu finden, der verrückt oder einfach bereit genug war, um sich dem zwar wunderschönen aber im Kern doch auch recht gefährlichen Weg des Schamanen fast nur mit Hilfe der Geister völlig anzuvertrauen.

In diesem Moment erschien, wohl mehr oder weniger durch den Zufall und den Spirit zu gleichen Teilen geleitet, ich auf der Bildfläche.

Aha, sagten die Geister. Einen möglichen Verrückten hätten wir wohl schon mal gefunden. Und sie machten sich nahezu augenblicklich an die Arbeit.

Lesen Sie weiter im 2. Teil des Blogs. Vermutlich wird darin auch der Begriff der schamanischen Tradition dabei auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Lassen Sie sich also ruhig überraschen….

Das Beitragsbild am Anfang der Seite zeigt den heiligen Jaguarbaum mitten auf der Feenalm.

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