Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Nagual, Ekstase, Magie, Spirit – Die Begegnung mit der Kraft. 3. Aspekt: Pirschen in die Tiefe. 3. Teil.

Es stimmt zwar, dass Pirschen als magische Handlung auch mit Gestaltwandeln gleichgesetzt werden kann, doch das erklärt eigentlich noch fast gar nichts.

Welche Gestalt wandelt sich denn hier?

Und wer wandelt sich wozu?

Um das Pirschen ein wenig klarer zu sehen, ist es zunächst noch einmal notwendig, auf das Nagual, das Unfassbare, hinzuweisen.

Ich werde Sie also jetzt ein wenig in die magische Welt entführen, zumindest in der Theorie.

Das Nagual bildet den kosmischen Hintergrund für das Auftreten des Tonal, des Fassbaren, aus dem unsere materielle, energetische und intellektuell erfassbare Welt besteht.

Das Nagual ist zwar als Hintergrund wesentlicher Teil der Welt, die es eben ohne Nagual auch nicht gäbe, doch es bleibt für uns innerhalb unserer Alltagswahrnehmung nahezu unentdeckt.

Das Wort Uns bezieht sich hier natürlich auf westliche geprägte Menschen.

Naturvölker nehmen das Nagual zumeist wahr, und zwar häufig anhand seiner magischen Auswirkungen.

Wird die Existenz von Magie jedoch verleugnet, verschwindet auch die Welt des Nagual, natürlich nicht wirklich, sondern nur dadurch, dass auf diese Seite der Wirklichkeit bewusst nicht mehr hingeschaut wird.

Denn ein Hervortreten des Nagual bedeutet zugleich, dass sich der Hintergrund der Welt nach vorne schiebt, und dass dadurch ein magischer Raum, die zweite Aufmerksamkeit entsteht. Diese ist sowohl subjektiver als auch objektiver Natur. Subjektive und objektive Wirklichkeit werden im Schamanismus nicht grundsätzlich getrennt.

Das Nagual wird also im Zustand der zweiten Aufmerksamkeit erlebt, in dem wir uns auf unseren Kraftkörper, sozusagen also auf unser magisches Selbst, beziehen. Wir haben als grundlegend magische Wesen Zugang zum Unfassbaren, weil wir selbst mit Hilfe unseres Kraftkörpers Teil haben an diesem Unfassbaren.

Der Kraftkörper ist, anders gesagt, jener Teil von uns, der im Nagual lebt, oder eben, in der zweiten Aufmerksamkeit.

Dies ist natürlich nur eine ungefähre Beschreibung des Sachverhaltes, und darüber hinaus entzieht sich das Nagual auch jeglichem Konzept seiner Beschreibung. Es kann also nur ungefähr und andeutungsweise beschrieben, aber mit Hilfe unseres Kraftkörpers grundsätzlich klar erlebt werden. Dazu ist es im Allgemeinen notwendig, dass wir mit unserem Kraftkörper wieder soweit in Kontakt gekommen sind, dass wir seine Bewegung wahrnehmen. Bewegung bezieht sich hier ebenfalls auf ein magisches Erleben. Sie sehen schon, dass die Begrifflichkeit des Nagual kein ganz einfaches Thema ist.

Der Kraftkörper kann entweder Pirscher oder Träumer sein. Träumer sind Formwandler, in deren Kraftkörper etwas von der Traumessenz, dem von mir so genannten Aleph, eingebettet ist.

Pirscher sind Gestaltwandler, und das sagte ich Ihnen ja bereits zu Anfang dieser Zeilen.

Die Wahrnehmung, auf die wir uns jeweils stützen, formt nach schamanischer Auffassung die Welt, welche wir erleben. Ändern wir den magischen Dialog mit der Welt, etwas, das Sie bei C. Castañeda als Veränderung des Montagepunktes wiederfinden, dann ändern sich folgerichtig unser magischer Bezug zur Welt und damit unsere Wirklichkeit und unser spezieller Fokus auf sie. Der Pirscher hält einen bestimmten Fokus auf die Welt klar fest und vermag diesen durch aktives pirschen zu verändern, sich sozusagen in eine andere magische Gestalt einzuklinken. Ein einfaches Beispiel wäre es hier, eine Krähe beim Flug zu betrachten, kurz darauf durch das Auge der Krähe zu blicken und ein wenig später die Welt der Krähe als eigene zu empfinden. Ein Stück weit ist dies vielleicht auch gefahrlos möglich, aber verwandeln Sie sich bitte jetzt nicht gleich in das nächste Vogelwesen, das Ihnen begegnen sollte. Die Verwandlung findet aufgrund des Magieniveaus, in dem sich unsere gewohnte Welt befindet, nicht körperlich sondern mit dem Geist statt, doch wenn Sie einmal zur Krähe geworden sind, gibt es nicht selbstverständlich eine Rückfahrkarte zurück in die menschliche Betrachtungsweise der Wirklichkeit.

An dieser Stelle fällt mir eine Schülerin ein, die sich bei ihren Versuchen im magischen Pirschen in einen Busch verwandelte und …..

Was ist damals mit dieser Frau passiert? Lebt sie jetzt an irgendeiner Böschung oder mitten in freier Natur?

Sie haben mir ja vielleicht nicht genau zugehört. Nein, die Verwandlung geschah auf der geistigen Ebene, körperlich sah sie auch danach noch wie ein Mensch aus, aber die Wahrnehmung war ziemlich verwirrt. Und außerdem: Wozu kommen denn Menschen mit magischen Fähigkeiten und Interessen zu einem Lehrer, wenn dieser sie nach kleinen Missgeschicken nicht wieder in die Alltagsrealität zurückholen kann? Es ging also in dieser Geschichte alles gut aus, und das ganze Erlebnis stellte schließlich nur eine neue Lernerfahrung dar.

Das Verwandeln der eigenen magischen Gestalt, das Gestaltwandeln oder Pirschen, will aber trotzdem gelernt und gut und wissend begleitet sein.

Dasselbe gilt naturgemäß auch für das Formwandeln und Träumen. Auch dabei können Sie sich in Träumen verlieren, ohne in ihre vorherige Wirklichkeit zurückzufinden.

Es ist schamanisch betrachtet nicht von Übel, die eigene magische Wirklichkeit zu verändern, aber wir Schamanen werden einfach niemals zum Spielball der Magie. Wir entscheiden also selbst über die Veränderungen unserer Wirklichkeit auf magischer Ebene. Das ist ein ganz entscheidender Grundsatz im Umgang mit magischen Welten und tiefen Bewusstseinsveränderungen.

Wir entscheiden selbst über die Veränderungen unserer Wirklichkeit auf magischer Ebene und wir tun dies auch nicht grundlos.

Sie sehen schon, dass wir diesmal tatsächlich ein wenig ins Pirschen gekommen sind, zumindest sind die Grundlagen desselben jetzt schon angesprochen worden.

Vom Selbstversuch rate ich trotzdem oder eben genau deswegen weiterhin ab.

Außerdem macht Ihnen Pirschen mit Rückfahrkarte und vorher geschlossenem Kraftkörper mit Sicherheit viel mehr Spaß.

Vom Tiefenpirschen sprechen wir auch diesmal noch nicht.

Fragen Sie mich nicht, warum. Es liegt doch auf der Hand. Wir sind gerade erst bei den Grundlagen des Pirschens angekommen.

Wenn Sie meinen Ausführungen tatsächlich ernsthaft und spielerisch gefolgt sind, sollte Sie diese kleine Erschütterung Ihres alltäglichen Weltbildes jetzt ohnehin ein bisschen beschäftigen.

Wir sehen uns also später wieder, zumindest virtuell, um dann noch ein wenig tiefer in diese materielose Materie einzudringen.