Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Nagual, Ekstase, Magie, Spirit –Die Begegnung mit der Kraft. 4. Aspekt: Zwischen Pirschen und Träumen. Der Raum der Unendlichkeit Teil 3.

Pirschen und Träumen sind Zugänge zum Raum der Unendlichkeit. Die zweite Aufmerksamkeit, welche gleichzeitig einen subjektiven wie auch einen objektiven Zustand von Betrachter und Welt beschreibt, führt uns in die Welt der Kraft.

Diese wird durch die Absicht bestimmt, welche diese Welt der Kraft durchzieht. Der spezielle Raum der Unendlichkeit, den wir wahlweise als Nagual-Tonal-Begriffspaar oder als magischen Traum beschreiben können, hängt mit unserer magischen Wahrnehmungsfähigkeit zusammen.

Das Magische ist eine ursprüngliche Seite der Welt und stellt zugleich als Möglichkeit zur Veränderung von Wahrnehmung und Welt eine wesentliche Facette des Spirituellen dar, auch wenn das selbst in spirituellen Kreisen inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Das Wiederzusammenführen von Magie und Spirit ist eines unserer zentralen Anliegen im Nagual-Schamanismus.

Die Unendlichkeit, welche aus dem Unfassbaren, dem Nagual, entspringt, kann auch als Große Unfassbare Kosmische Mutter betrachtet werden.

Das Nagual vermittelt uns Schamanen ein tiefes Gefühl magisch-spiritueller Geborgenheit, es ist auf eine Art unsere eigentliche Heimat. Dasselbe gilt naturgemäß für den Traum beziehungsweise die Traumzeit. Genau deshalb werden diese veränderten Bewusstseins- und Weltzustände bei einigen Naturvölkern als die eigentliche essenzielle Realität betrachtet, der unsere alltägliche Realität mit dem dazugehörigen Alltagsbewusstsein nur wie ein dünner Mantel der Verschleierung übergeworfen wurde.

Für den Schamanen ist die Vermittlung zwischen dem Raum der Unendlichkeit und dem Fassbaren oder dem Raum des Alltags ein spezielles Bemühen, dessen Sinnhaftigkeit sich aus der Struktur der Wirklichkeit selbst und unserem speziellen Platz darin, unserem speziellen in die Wirklichkeit eingebunden Seins, ergibt. Dieses Bemühen um Vermittlung ist allerdings nur sein zweites Bemühen. Das erste Bemühen des Schamanen gilt dem Innehalten und Verweilen in der Unendlichkeit selbst.

Wie oben angesprochen handelt es sich auch für uns Schamanen beim Raum der Unendlichkeit um die eigentliche und wesentliche Essenz der Welt, die uns durch eine Verschiebung unserer Wahrnehmung erreichbar wird.

Zu der durch die Verschiebung der Wahrnehmung erreichbaren Unendlichkeit des Unfassbaren tritt jene paradoxe Unbegrenztheit hinzu, welche wir durch die Aufhebung der dualen Betrachtung erreichen können. Die Aufhebung des Dualen findet vor allem in der Begegnung mit der zentralen Kraft statt, oder mit dem Spirit, dem Großen Geist oder Heiligen Geist, der dieser Kraft als spiritueller Atem zugeordnet ist.

Das Göttliche Wirken, welches sich als die ganze Welt durchziehendes kosmisches Grundprinzip wahrnehmen lässt, besteht nach meiner Erfahrung aus einer Dreiheit aus Willen, spirituellem Atem und Kraft. Dabei könnte der Wille mit Gott, der spirituelle Atem mit dem Geist, und die Kraft mit jener zentralen Kraft gleichgesetzt werden, die als nicht-duale grundsätzliche Kraft das Universum durchzieht und aufrecht erhält.

Diese Idee göttlicher Dreifaltigkeit entspricht natürlich nicht wirklich der christlichen Vorstellung, in welcher es meiner Ansicht nach eher um göttlichen Willen, Inspiration durch den Heiligen Geist und die herzliche Verkörperung der beiden göttlichen Prinzipien durch das Christusbewusstsein in uns geht. Auch dies ist im Grunde eine ausgesprochen wundervolle Vision.

In der Praxis des Christentums wird allerdings zumeist auf das direkte Erleben der göttlichen Wirkkraft, auf die Verbundenheit mit dem Geist in der Erfahrung desselben und auf unsere Selbstermächtigung zum umfassend liebevollen Christusbewusstsein zu Gunsten einer von Priestern verwalteten dogmatischen Lehre verzichtet, was trauriger Weise zu einer sehr stark eingeschränkten Erlaubnis des Menschen zum eigenen Erleben und Erfahren des spirituellen oder heiligen Raumes führt.

Es mag durchaus sein, dass diese Einschränkung im engeren Bereich christlicher Mystik umgedeutet oder aufgehoben wird, doch selbst falls dies so sein sollte bleibt der Allgemeinheit dieser mystische Weg verborgen, um die Machtansprüche der Priesterschaft nicht zu gefährden.

Dasselbe spielte sich offenbar schon im alten Ägypten ab. Schamanische Heilstellungen, wie sie Felicitas Goodman untersuchte, sind weltweit als rituelle Haltungen dokumentiert und auf Höhlenzeichnungen und Figuren aus Stein ablesbar.

Dieselben Haltungen finden sich in Darstellungen des alten Ägypten wieder, doch jetzt ist jeweils ein für die dazugehörige Trance notwendiges Detail hinter dem Rücken der dargestellten Person verborgen und wird offensichtlich nur noch als Geheimnis innerhalb der Priesterschaft weitergegeben.

Die immer weiter von der göttlichen oder spirituellen Erfahrung wegführenden dogmatischen Lehre der meisten Religionsgemeinschaften lassen die Menschheit ihr eigentliches spirituelles und magisches Potential vergessen und führen sie somit in Unfreiheit.

Der Schamane jedoch bleibt frei. Er betritt den Raum der Unendlichkeit entweder durch die Pforte der Wahrnehmung oder durch die spirituelle Pforte ursprünglicher nicht-dualer Einheit, welche ihm die der Schöpfung zugrunde liegende Kraft vermittelt.

Zum Verständnis des Begriffes Freiheit beachten Sie bitte den Adler links oben auf unserem Beitragsbild.