Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Nagual, Ekstase, Magie, Spirit – Die Begegnung mit der Kraft. 5. Aspekt: Traum und Unendlichkeit….oder sollten wir nicht lieber noch bei dem 4. Aspekt: Zwischen Träumen und Pirschen bleiben? Ich bin mir da mit mir selbst wirklich uneins. In diesem Fall schlage ich eine sorgsam bedachte Zwischenlösung vor: 4.5. Aspekt: Zwischen Träumen und Pirschen, aber schon etwas näher am Traum als zuvor….1. Teil

Daran können Sie zum einen erkennen, dass ich lange Überschriften mag. Zum anderen geht es wieder einmal um eine kraftvolle aber nicht zum Nachmachen anleitende Beschreibung dessen, was wir Nagual-Schamanen eben so tun.

Oder nicht-tun.

Das Nicht-Tun ist eine magische Fertigkeit, bei der bestimmte Qualitäten des Nagual, des Unfassbaren, angesprochen werden.

Durch Nicht-Tun kann Welt-Anhalten geschehen, und damit eine weitere Qualität erzeugt werden, die dem Nagual innewohnt.

Qualität meint hier nicht Essenz oder Eigenschaft, sondern in gewisser Weise beides zusammen und keines von beiden. Denn dem Nagual sind Konzepte und Eigenschaften fremd, genauso wie Essenz und Wesen.

Trotzdem zeigt das Nagual in seinen magischen Auswirkungen bestimmte Qualitäten, so etwas wie essenzielle Eigenschaften, die ihm zwar nicht wirklich zukommen, für uns, die wir magisch mit dem Unfassbaren arbeiten, aber Bedeutung besitzen.

Nicht-Tun und Welt-Anhalten sind nun eben genau zwei dieser Qualitäten, welche mit dem Nagual verknüpft sind.

Beide sind natürlich nicht dem Nagual zu eigen, sondern beziehen sich auf unsere Fähigkeiten, uns mithilfe veränderter Wahrnehmungen dem Nagual zu nähern, in sein Feld, welches ebenfalls keines ist, einzutreten.

Sowohl beim Nicht-Tun als auch beim Welt-Anhalten tritt das Nagual deutlicher hervor, als dies sonst in unserer gewohntenAlltagsaufmerksamkeit der Fall ist.

Umgekehrt sind jedoch weder Nicht-Tun noch Welt-Anhalten notwendig, um unsere Aufmerksamkeit und damit die magische Welt, in der wir uns befinden, zu wechseln.

Jetzt, genau in diesem Moment des Nicht-Tuns, werde ich diesen Gedanken wieder verlassen und mich den Übergängen zwischen Nagual und Traum widmen.

Die zweite Aufmerksamkeit eröffnet uns zumeist nach kurzer Zeit die Welt der Kraft, weil wir dazu neigen, das kosmische Nagual zu verlassen und uns in die lokalen Auswirkungen des Nagual um uns herum zu begeben. Sich begeben und sich auf etwas konzentrieren ist dabei fast das gleiche, weil die magische Wirklichkeit des Nagual der Aufmerksamkeit des Betrachters folgt. Subjektive Realität wird dabei zu objektiver, und umgekehrt wird die die objektive Realität durch die subjektive Aufmerksamkeit verformt und verändert. Allein das zeigt schon die Relevanz des Nagual für das Magische an sich.

Wenn wir den kosmischen Raum des Nagual zugunsten der lokalen zweiten Aufmerksamkeit verlassen, wenden wir uns damit der Welt der Kraft zu, einem Bereich, in dem die Absicht die Realität formt. Die Absicht ist eine kosmische Kraft, welche sich gleichermaßen durch Nagual und Traum zieht, wenngleich sie im Traum verschleiert wirkt.

Befindest Du Dich im Nagual, oder genauer gesagt, in der lokalen zweiten Aufmerksamkeit, in der Welt der Kraft, dann bewegst Du Dich mit oder seitlich zur Absicht. Falls Deine Bewegung entgegen der Richtung der Absicht verläuft, wird das Nagual Dich nach kurzer Zeit verschlingen, somit kommt diese Bewegungsrichtung nur für sehr Fortgeschrittene und nur für einen begrenzten Zeitrahmen und auf sehr spielerische Weise in Frage.

Über die nicht-lokale zweite Aufmerksamkeit will ich an dieser Stelle nicht sprechen, genauso wenig wie über das Aufflackern der dritten Aufmerksamkeit im Zentrum der zweiten. Alles was über die dritte Aufmerksamkeit gesagt werden kann, führt bei Menschen, deren Kraftkörper nicht die nötige Dichte erreicht hat, ohnehin nur zu einer Art magischen Durchfalls. Das heißt, die Information kann vom Kraftkörper und damit von der gesamten Persönlichkeit des Menschen, noch nicht gehalten werden und verschwindet wie Wasser, das durch ein Sieb gegossen wird, wieder im Unfassbaren.

Die lokale zweite Aufmerksamkeit kann nun beispielsweise im Nagual betreten und dann im Traum wieder verlassen werden.

Klüger ist es jedoch zumindest fürs erste, die lokale zweite Aufmerksamkeit in demselben Raum zu verlassen, in dem sie auch betreten wurde, und nur dazwischen vielleicht vom Nagual in den Traum und dann wieder zurück ins Nagual zu wechseln.

Das Betreten der zweiten Aufmerksamkeit führt zum Kraft-Jagen.

Kraft-Jagen ist die Art, in der wir automatisch unseren Kraftkörper mit den Knoten der Absicht in der lokalen zweiten Aufmerksamkeit in Beziehung setzen und damit günstigsten Falls eine Erfahrung magischer Aufladung erreichen. Im ungünstigen Fall findet das Kraft-Jagen im Nagual andersherum statt, das bedeutet, die Absicht entzieht unserem Kraftkörper Kraft, und das Nagual hat mit uns Kraft-Jagen praktiziert.

Das kann ich Ihnen nun wirklich nicht als kluge Vorgangsweise empfehlen. Deshalb ist es wirklich besser, sich beim Kraft-Jagen eines fortgeschrittenen Nagual-Schamanen zu bedienen, der dann dementsprechend darauf schauen kann, dass die ganze Sache für Sie auch gut ausgeht.

Kraft-Jagen, welches bewusst und mit schamanischer Absicht betrieben wird, nenne ich hier Kraft jagen. Kraft jagen setzt ein gewisses Wissen voraus, damit es auch so funktioniert wie beabsichtigt.

Wir im Nagual-Schamanismus nützen zwar Kraft jagen zu Lehrzwecken, jagen aber im Allgemeinen im Nagual eher Wissen als Kraft.

Sie können sich das –vereinfacht – so vorstellen, dass wir die Schlüssel zu verborgenen Schatztruhen sammeln anstatt uns mit den darin enthaltenen Schätzen zu belasten. Bei Bedarf lässt sich das Wissen als Leitung zur Kraft nützen, und die Kraft fließt durch den wissenden Schamanen.