Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Nagual, Ekstase, Magie, Spirit – Die Begegnung mit der Kraft. 6. Aspekt: Die Magie der Übergänge 2. Teil

Ich muss Sie diesmal vielleicht vorsorglich warnen:

Der folgende Text setzt das Vorhandensein von Magie und die Möglichkeit magischer Wirklichkeitsveränderungen nahezu selbstverständlich voraus.

Falls Ihnen diese Ansichten oder Erfahrungen irgendwie zuwider sein sollten oder etwa gegen Ihre eigenen rein wissenschaftsgläubigen Ansichten verstoßen sollten, schlage ich Ihnen an dieser Stelle vor, die weitere Lektüre des Textes zu unterlassen.

Für das Verständnis des Begriffes Magie setze ich hier mehr oder weniger Folgendes voraus:

Magie entsteht an der Grenze verschiedener Dimensionen, welche unterschiedlichen magischen Gesetzen unterliegen.
Naturgesetze werden in dieser Betrachtungsweise als Teil der, – durch die bestimmte magische Beschaffenheit der Welt in einer ihrer speziellen Ausprägungen oder Dimensionen gegebenen -, natürlichen magischen Regeln der Wirklichkeit betrachtet.
Das soll bedeuten, dass auch Naturgesetze durch die grundlegende Beschaffenheit einer bestimmten Wirklichkeit, welche wir hier als magische Grundlage dieser Wirklichkeit bezeichnen, definiert werden.
Im Unterschied zu der von der Wissenschaft normalerweise getroffenen Annahme, dass die uns gewohnte Wirklichkeit den einzig real existierenden oder von uns erreichbaren Aspekt der Welt darstellt, finden wir im Schamanismus und in der Magie des kosmischen Tantras weitere magische Dimensionen vor, welche uns auf verschiedene Art und Weise zugänglich sind.

Sobald wir Kraft aus diesen Dimensionen verwenden und sie mit unserer normalen Dimension verbinden, tritt als Phänomen Magie auf.

Subjektive und objektive Wirklichkeit werden im Schamanismus nicht grundsätzlich voneinander geschieden, sodass eine grundlegende Veränderung unseres Wahrnehmungssystems zugleich auch eine Veränderung der Außenwelt bedeutet.

Magische Übergänge stellen einen Aspekt der Magie dar, welcher dem nicht magisch Bewandten so gar nicht als allzu relevant erscheint.

Doch jegliche Form von Magie schafft im Prinzip einen Übergang von einem gewohnten oder uns gewöhnlich bekannten Zustand der Welt in einen anderen, uns unbekannten und ungewöhnlich erscheinenden. Magie aber dient der plötzlichen oder allmählichen Realitätsveränderung und die Anwendung von Magie stellt im Grunde einen irreversiblen Prozess dar. Irreversible Prozesse finden wir natürlich auch im Bereich unserer Alltagswirklichkeit ununterbrochen vor. Ein Stück Holz verbrennt und aus der Asche können wir das Holz nicht zurückbringen. Doch während wir im Bereich der Naturvorgänge die Unumkehrbarkeit der meisten Vorgänge selbstverständlich voraussetzen, ist uns das im Bereich der Magie nicht von vornherein klar. Jemand wirkt einen Zauber, und dann setzt vielleicht, vom selben Schamanen oder einem anderen bewirkt, der Gegenzauber ein, und schon ist alles wieder beim Alten. Tatsächlich funktioniert Magie aber nicht in der Art eines Nebels, welcher sich nach kurzer Zeit oder durch die Einwirkung von Sonnenstrahlen wieder verzieht.

Genauer gesagt, hängt es von der Absicht ab, welche die Magie durchzieht, welche Art von Beständigkeit sie besitzt.
Selbst wenn die magische Absicht des Magie Ausübenden auf eine kurze Demonstration des Magischen abzielt, wobei sich die Magie dann, so wie sich eine Gummischnur nach der Ausdehnung wieder zusammenzieht, wieder fast ganz zu verflüchtigen scheint, verändert sich der magische Hintergrund der Wirklichkeit rund um den Ort magischer Einwirkung. Unsere Magie ist nicht vom Spirit getrennt, und deshalb wirkt sich diese sanfte Steigerung der Magie dann auf den heiligen Raum aus, jenen Raum, der durch das deutlichere Hervortreten des Spirits gekennzeichnet ist.

Das heißt, dass bei unseren magischen Demonstrationen ein feiner spiritueller Raum entsteht, welcher in sich Magie und Spirit vereint.

Wenn Sie also als Zauberer, Magier oder Schamane ein durch Magie entstandenes Ereignis wieder magisch rückgängig machen wollen, so nützen Sie Ihre Magie normalerweise dazu, einen Zustand zu schaffen, der dem ursprünglich vor der ersten magischen Anwendung vorhandenen möglichst ähnlich ist. Bei ausreichender Ähnlichkeit mag es dann für den Beobachter so aussehen, als hätten Sie das magisch Hervorgerufene wieder rückgängig gemacht.

Tatsächlich hat nur eine weitere magische Veränderung stattgefunden.

Aus dem vorher gesagten ergibt sich, dass jegliche Magie zu Übergängen in neue Wirklichkeiten führt,

Die Übergänge selbst besitzen als solche aber ebenfalls Magie. Denn Magie schafft nicht nur Veränderung sondern auch magisch erweitertes Bewusstsein. Dies bezieht sich nicht nur auf den Magie Ausübenden, sondern auch auf die Welt an sich, die tiefer mit Magie in Verbindung gebracht wird. Sobald die Magie erwacht, erwacht auch die Wirklichkeit neu auf magische Weise. Da die Auswirkungen von Magie sich jedoch nicht immer an die zeitlich-kausale Folge von Ursache und Wirkung halten, kann es sein, dass Sie als Magier oder Schamane der Auswirkung der Magie begegnen, welche Sie ein wenig später dann zu bewirken beabsichtigten. Das setzt allerdings voraus, dass Sie über ausreichendes magisches Potential verfügen, dass das Universum Sie als Magier oder Schamane anerkennt und deshalb eine magische Veränderung durch Ihre Magie als wahrscheinlicher annimmt als das Ausbleiben einer solchen.

Das heißt: Nicht jede Idee einer Veränderung der Wirklichkeit bewirkt eine Art magischen Rückstoßes durch die Zeit, sondern es liegt am jeweils Magie Ausübenden, ob es solche Auswirkungen in seinem Bereich geben kann.

Sie können es sich auch einfach so vorstellen, dass eine magisch tätige und wissende Person ein anderes Feld umgibt als weitgehend im Alltagsbewusstsein Verhafteten.

Die Magie setzt sich also beim Schamanen zeitweise selbst in Bewegung.

Das ist eine der seltsamen Verwindungen der Wirklichkeit, welche das Leben von uns Schamanen doch recht spannend und anregend machen können.