Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Nagual, Ekstase, Magie, Spirit – Die Begegnung mit der Kraft. 7. Aspekt: Nicht-duale Kraft und holistische Vision. Teil 3

Nichtdualität und Ekstase sind die zwei Bereiche, die das Wirken der universellen Kraft charakterisieren.

Diese universelle Kraft, welche wir hier auch als zentrale Kraft bezeichnen, berührt uns mit der Macht des Spirits.

Manchmal stelle ich mir vor, wie ein spirituell eher skeptischer Mensch diese Kolumne liest und fast bei jedem der hier verwendeten Begriffe zunächst den Kopf schüttelt. Nicht definiert, was soll das bedeuten, woher nimmt der Mann diese Aussage, murmelt der skeptische Leser wohl in einem fort vor sich hin.

Wenn Sie sich gründlich damit befassen, die Welt auf spirituelle, magische und schamanische Art zu erfassen, so begegnen Sie jedoch diesen von mir angeführten Begriffen wieder:
Sie werden sie dann mit eigenem Erleben füllen.

Die zentrale Kraft bewegt Ihren Körper beispielsweise im Zustand der kinetischen Trance.
Wenn Sie nun Ihre Vision auf die zentrale Kraft konzentrieren, während Sie selbst sich in einem tiefen Trancezustand befinden, wird Ihnen das nicht-duale Wesen dieser Kraft augenblicklich klar.

Das auseinander Fallen der Welt in Subjekt und Objekt, Ich und Du, tritt im Kernbereich der zentralen Kraft nicht auf.

Anstatt dessen werden Fülle und Leere und alle anderen Gegensätze genau wie in der Zen-Meditation als zwei Seiten derselben Sache wahrnehmbar.

Zen kommt ohne Gottesbegriff aus, sieht aber die spirituelle Hingabe an das Göttliche als möglichen Weg zur Erleuchtung an.

In der zentralen Kraft findet sich nun beides.

Das Göttliche als Dreiheit von Spirit, Gott und zentraler Kraft wird spürbar, und zugleich entspringt diese Kraft dem Bereich der Nichtunterscheidung in Polaritäten.

Vielleicht lässt sich darin ein gemeinsamer Urgrund spirituellen Erlebens finden.

Die zentrale Kraft bringt das Tor zur holistischen Vision mit sich.
Wenn die Trance visionär wird, so ist die aus ihr entspringende Vision ebenfalls nicht-dualistisch und vermittelt zudem ein Bild und/oder direktes Wissen von den eigentlichen mythischen Zusammenhängen im Kosmos.
Der Zustand in den Sie dabei geraten können besitzt alle Merkmale umfassender visionärer Ergriffenheit.
Es ist keinesfalls jene Art von Alpha-Zustand, dem Sie beispielsweise während eines Aufenthalts im imaginativen Erlebnisraum begegnen, obwohl auch dieser, schamanisch betrachtet, durchaus seine Berechtigung hat.

Sie dringen vielmehr während einer holistischen Vision in kosmische Bereiche vor, welche sich als direkt erfassbare spirituelle Wahrheit oder Wirklichkeit entpuppen und Ihnen im Weiteren schließlich ein Stück weit den mystischen Weg enthüllen.

Mystik bedeutet selbstverständlich nicht vages Ahnen oder nicht klar erkennbares Verstehen.

Im mystischen Zustand sind Sie vielmehr mit der Urquelle kosmischer und spiritueller Wahrheit verbunden und erfassen die Welt und die Kraft direkt in ihrem grundlegenden Wirken und Sein.
Darüber lässt sich zwar berichten, doch nie vollständig oder so, dass der spätere Bericht dem eigentlichen Erleben ganz entsprechen könnte.
Das hat nun nichts mit einer etwaigen Unklarheit oder Verschwommenheit dieses Erlebens zu tun, sondern mit seiner Qualität, welche unsere sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten übersteigt.

Die erlebte Wahrheit wird jedoch deshalb nicht weniger real, sondern im Gegenteil: Durch ihr Wurzeln in der kosmischen Einheit wird sie bedeutsamer, wirklicher und klarer als all jene Erfahrungen, welche wir vor dem Einsetzen des mystischen Zustands machen konnten.

Schamanismus wurzelt also grundsätzlich – auch und vor allem – in einer mystischen Art und Weise unseres Seins, genau so wie Magie ursprünglich nicht einfach Zauberei oder Wirkkraft zur Veränderung unserer Realität bedeutet, sondern grundsätzliche Wiederverbindung mit unserer magischen Spiritualität.

Wird Schamanismus von seinem mystischen Urgrund abgeschnitten oder zumindest aufgrund fehlenden Verständnisses der ihn Praktizierenden ein Stück weit von seinem mystischen Urgrund getrennt, bleibt zwar oft eine durchaus beachtliche Wirksamkeit schamanischen Handelns erhalten, doch ohne die Verbindung mit dem kosmischen Urgrund, aus dem Schamanismus erwächst, leidet er unter dem fehlenden Verbindungsstück zu seinen spirituellen Wurzeln und wird dadurch um vieles unverständlicher.

Das schamanische Wissen lässt sich, abgetrennt von seinen spirituellen Wurzeln, im Übrigen auch leichter zu Machtzwecken missbrauchen.

Doch ursprünglich ist schamanische Magie und schamanisches Wissen dem Heilen gewidmet, nicht in einem irgendwie braven oder die wilden Seiten des Schamanismus ausgrenzenden Sinn, sondern einfach deshalb, weil die Wiederherstellung schamanischer Balance, das Heilen der Welt, der Natur, der Menschen und der Spirits und die Verwirklichung der eigenen holistischen Vision genau dasselbe bedeuten.