Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Nagual, Ekstase, Magie, Spirit – Die Begegnung mit der Kraft. Zwischenspiel, das zwischen dem 6. und 7. Aspekt unserer Betrachtung Platz nimmt: Die Heiligtümer des Nagual-Schamanismus.

Bei Harry Potter ist natürlich alles ganz einfach. Da gibt es den Tod, und der hat gleich seine eigenen Heiligtümer mitgebracht.

Doch diese Frage nach den Heiligtümer warf bei mir eine ähnliche aber in ganz andere Bereiche führende Frage auf:

Was sind eigentlich die Heiligtümer des Nagual-Schamanismus?

Wir wissen ja schon, dass der Begriff heilig im Grunde wie auch heilen vor allem auf ein Ganz Sein hinweist.
Das Heilige ist das ursprüngliche Ganze, das was noch in ungebrochener Verbindung zum Spirit steht und dadurch mit dem Spirit eins ist.

Durch die von der katholischen Kirche hierzulande jahrhundertelang betriebene Trennung von spiritueller Erfahrung und religiösem Dogma haftet dem Begriff des Heiligen zugleich etwas nahezu Unberührbares an. Der Begriff heilig vermittelt den Eindruck einer jenseits aller von normalen Menschen erreichbaren Sphären gelegenen oder nur durch Priester zu vermittelnden Erfahrung.

In Wahrheit ist das Heilige beständig um uns und durchdringt ebenso das Profane und Weltliche wie das Meditative und offensichtlich Spirituelle.

Genau genommen ist es gerade einen kleinen Schritt von unserem normalen Bewusstseinszustand entfernt, einen solchen Schritt allerdings, der uns aus dem Alltäglichen direkt ins Ekstatische führt.

Das offenbar Heilige ist das vom Geist, vom Spirit, durchwirkte, in welchem dieser deutlich spürbar wird.

Das Heilige wird zum heiligen Raum, in dem wir uns bewegen. Das Heilige wird zum magisch Verzückten oder magisch Verrückten, wenn wir uns der Tiefe von Magie zuwenden.

Dem Heilige entspringt Ehrfurcht und Ekstase, es ist aber auch mit der selbstverständlichen Tiefe und Einfachheit verbunden, -welche in vollkommener, weil noch ursprünglich wilder -. Natur zu finden ist.

Was mir zu den Heiligtümern des Nagual-Schamanismus als erstes einfällt, ist die mögliche Begegnung mit der Wildnis.

Wildnis enthält Spirit, wenn wir den Vorhang unserer zivilisatorischen Vorurteile zur Seite ziehen.

Wildnis enthält Spirit, Naturmagie und in ihr enthüllen sich die Kraft von Nagual und Traum.

Wildnis ist Ursprung. Sie spiegelt die Seele in der Vollkommenheit ihres ursprünglichen Potenzials.

Wildnis berührt uns, weil sie Ganzheit und somit Vollkommenheit spiegelt.

Als zweites fällt mir der Mensch ein, als Geschöpf des Spirits, als Gefäß des Heiligen.

Es liegt aber am Gang des Menschen, ob ihm sein Geschenk des Heiligen auch zuteil wird.

Je nachdem, wie Du durch die Welt schreitest, gehst Du den heiligen Weg oder eine Verzerrung desselben.

Das Gehen selbst gibt darüber Auskunft. Du kannst es jederzeit selbst ausprobieren, oder es Dir von uns zeigen lassen.

In dieser speziellen Angelegenheit wähle ich absichtlich das Du als Anrede, weil wir hier jenseits der gesellschaftlichen Gegebenheiten auf das Wesentliche zugehen wollen.

Die Schritte des Heiligen sind besondere Schritte, die wir mit einer besonderen Haltung des eigenen Geistes verbinden. Dann wird aus dem Einfachen und scheinbar Profanen ganz direkt das Ekstatische und Spirituelle.

Wenn Du tiefer in die Magie oder den Schamanismus eintrittst, findest Du schließlich auch Deine Schritte der Kraft.

Schritte der Kraft enthalten ohnehin gleichzeitig immer etwas vom Heiligen, weil die Kraft ja nichts anderes als das Wirken des Spirits darstellt.

Als drittes fallen mir zum Begriff Heiligtümer des Nagual-Schamanismus unsere heiligen Orte ein. Vier von ihnen liegen hier in der Nähe auf heiligen Wegen, an Feenplätzen, im Schoß der Mutter Erde und im Hochmoor. Einer liegt in der südlichen Berninagruppe, einem anderen Feengebiet am Rande der Ostalpen.

Die heiligen Orte dienen zum Einen der Betrachtung des Wesentlichen, einer Art Zusammenschau versteckter und offener Komponenten unseres heiligen Weges, und zum Anderem dem Zusammenhalt der unseren Mythos belebenden Menschen.

Schließlich gehört vor allem auch die hingebungsvolle Beschäftigung mit dem Heiligen oder dem Spirit zu den Heiligtümern des Nagual-Schamanismus.

Natürlich könnten Sie auch auf unsere prachtvollen schamanischen Altäre hinweisen, welche uns zu unseren Veranstaltungen begleiten und ein Abbild des Kosmos und der ihm innewohnenden Kräfte darstellen. Sie könnten die schamanischen Lieder erwähnen, welche eigene heilsame Muster der Kraft um Menschen, Räume und Ereignisse zu legen vermögen, oder die verschiedenen Kraftinstallationen hier im schamanischen Zentrum in Haag, welche Sie beispielsweise mit dem kosmischen Spiel des Jaguars oder dem Heilfeld der Feen verbinden.

In den Ritualen des Nagual-Schamanismus finden wir ebenfalls einen tiefen Zugang zum Heiligen, zum Spirit und zur magischen Kraft des Kosmos vor.

Doch zunächst und vor allem ist es die Beschäftigung des Einzelnen und ganzer Gruppen von Menschen mit dem Heiligen, welche den heiligen Raum öffnet und den Spirit ruft.

Wobei das Heilige im Nagual-Schamanismus immerfort untrennbar mit dem Magischen verbunden ist.