Der Schamane zur Lage der Nation Nummer 19

Natürlich hatte Katharina im Großen und Ganzen völlig Recht.

Ich meine hier nicht Katharina die Große, sondern unsere Katharina, also eine unserer ausgebildeten und eingeweihten SchamanInnen.

Das Recht Haben Katharinas können Sie natürlich jetzt noch gar nicht beurteilen, weil ihr Artikel über die Lage der Menschheit erst in unserem Spotlight am 18. 9. erscheinen wird.

Aber einen ganz klitzekleinen Auszug aus der Zukunft kann ich Ihnen jetzt doch vielleicht schon einmal anbieten:

Das war eigentlich nicht der Text, den ich ursprünglich geschrieben habe. Aber wenn ich Nachrichten lese, wie sich die Menschheit sehenden Auges zugrunde richtet, kommen mir bisweilen die Tränen.
Von: Katharina

Allerdings kommt man als Schamane zur Lage der Nation mit dem Anprangern der Missstände und Unmenschlichkeiten gar nicht mehr so richtig nach. Unsere Rechtsextremen und die mit ihnen mitlaufenden Mitbürger und Regierungsverantwortlichen liefern nämlich schneller und heftiger Material zur Kritik als man das als einfach seiner Beobachtungspflicht nachkommender Schamane auch nur irgendwie für möglich gehalten haben würde.

Schließlich muss ich scheinbar nur noch Artikel aus den Medien zitieren, weil sich die Ungeheuerlichkeiten rechtsextremer Politik inzwischen auch ganz deutlich in diesen niederzuschlagen beginnen.

Deshalb und nur deshalb hat dieser Artikel eine gewisse Tendenz zur Überlänge. Die vielen von mir zitierten Medienberichte führen jetzt ausnahmsweise dazu, dass der Blog fast nicht zu seinem Ende kommen will. Aber interessant im schrecklichen Sinn des Wortes bleibt das alles allzumal. Außerdem wollen Sie hoffentlich doch noch wissen, wie es danach weitergeht. Dafür müssen Sie allerdings durch die Wildnis der Länge hindurch, bevor Sie sich den wohlverdienten Abschlusssatz dieses Schamanenstatements wirklich verdient haben.

Das Wort Regierungsverantwortliche sollte im Übrigen den Begriff Regierende am Besten ganz ersetzen. Regieren heißt Dienstleistung am Bürger und Verantwortung für das Wohlergehen der Menschen, denen man als Regierungsverantwortlicher eben verpflichtet ist. Anstatt dieser Vorstellung nachzukommen, wird hierzulande derzeit wieder eine Mischung aus Untertanenmentalität gefordert, ein Mischmasch aus Unmenschlichkeit und Dummheit produziert, eine Absage an Anständigkeit und Mitgefühl erteilt. Der Bürger und Wähler, der eigentliche Souverän in der Demokratie, aber wird ver…..Sie verstehen schon. Hinter dem VER liegt nur noch das Hinterteil, das menschliche, und das zeigt jetzt gerade auf die Unmenschlichkeit und Berechnung der leider nicht ausreichend Regierungsverantwortlichen.

Nicht mein Hinterteil natürlich. Ein Schamane wie ich lässt sich zu einer derartigen Geste nun einmal grundsätzlich nicht herab, es sei denn, er wäre abstammungsbedingt vielleicht Schotte.

Aber wenn ich es mir jetzt einmal ganz genau überlege, beginnt bei mir, tief in meinem schamanischen Inneren, schon eine gewisse Vorliebe für den Schottenrock zu wachsen. O ja.

Rettungsschiffe mit Flüchtlingen können nicht mehr anlegen, in Ungarn wird Geflüchteten die Essensausgabe verweigert und in Österreich wird AsylwerberInnen das Recht auf Ausbildung verwehrt.

Quelle: Aussendung von #aufstehn. 

Ach ja, da fällt es mir doch wieder ein. Ungarn ist ja genau der Staat, an dem sich unsere Regierung ein Beispiel in Bezug auf die Migrationspolitik nehmen möchte.

Lassen Sie uns das mit einem Bericht aus dem ORF nur noch ein wenig genauer untersuchen:

Bericht: Ungarn setzt Nahrungsentzug für Asylsuchende fort

Ungarn verweigert nach Angaben einer Bürgerrechtsorganisation weiterhin bestimmten Asylwerbern und Asylwerberinnen die Nahrung. Betroffen sei aktuell eine junge Frau aus Afghanistan, sagte Andras Lederer vom Ungarischen Helsinki-Komitee heute der dpa. Sie habe gegen die Ablehnung ihres Asylantrags in erster Instanz Berufung eingereicht.

Lederer rechnet für die nächste Zeit mit bis zu 140 ähnlichen Fällen in den zwei Transitzentren. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht. Die Transitzentren liegen unmittelbar an der ungarisch-serbischen Grenze. Die Asylsuchenden können diese Einrichtung nur Richtung Serbien weiter südlich verlassen.

Klage vor Gerichtshof für Menschenrechte

Nach entsprechenden Initiativen in der vergangenen Woche klagte das Helsinki-Komitee auch im Fall der Afghanin den ungarischen Staat vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg wegen des Nahrungsentzugs. Die Bürgerrechtler hatten in sieben ähnlichen Fällen erwirkt, dass der EGMR Ungarn dazu zwingt, die Flüchtlinge mit Essen zu versorgen.

Nach Angaben des Helsinki-Komitees bleiben nur Kinder und stillende Mütter verschont vom Essensentzug. In Ungarn ist seit dem 1. Juli ein verschärftes Asylrecht in Kraft, wonach Asylanträge von Flüchtlingen, die aus sicheren Drittstaaten kommen, automatisch abgelehnt werden. Serbien wird dabei als sicher eingestuft.

Quelle: ORF.

Nur eine kurze Frage dazu:

Wie finden Sie als Unbeteiligte(r) diese Behandlung von eigentlich Schutzbedürftigen?

Sie haben hier genau zwei Antwortmöglichkeiten:

1.     Hier sind faschistische oder rechtsextreme Kräfte am Werk, mit denen sich ein mitfühlender Mensch weder identifizieren kann noch deren Wirken tatenlos zusehen möchte. Unmenschlichkeit ist kein spezieller Wert, über den man diskutieren könnte, sondern sie ist der Verlust aller menschlichen Werte.

2.     Finde ich gut. Asylwerber sind keine Menschen in meinen Augen und verdienen deshalb nichts anderes.

Falls Sie diese zweite Antwort gewählt haben:
Gratuliere. Sie haben gerade den Test für eigene Unmenschlichkeit ausgezeichnet bestanden und dürfen sich in Zukunft selbst als Ihrer Menschlichkeit beraubt bezeichnen. Wobei diese Art von Raub allerdings nur den Tatbestand der Selbstberaubung erfüllt. Vielleicht könnten Sie auch mit ein bisschen Mühe Ihrerseits das Abwerfen von Giftgas auf die eigene Zivilbevölkerung, das Einsperren von politisch seriös recherchierenden Journalisten oder die Folterung politisch Andersdenkender als notwendige Maßnahmen zur Erlangung des Weltfriedens rechtfertigen.

Hier noch eine kleine Zusatzfrage zu einem verwandten Thema:

Wenn Herr S. Kurz die Auffassung vertritt, es ginge nur darum, die Bilder ertrinkender Kinder aus dem Gedächtnis zu verbannen, um nur ja kein Mitgefühl aufkommen zu lassen, welches dann sogenannte harte politische Entscheidungen etwa beeinflussen könnte, würden Sie diesen Herrn dann zu den in ihrer Menschlichkeit und ihrem Mitfühlen gefestigten Personen zählen oder eher eben nicht?

Dazu passt auch der Vorschlag desselben Herrn, afrikanische Flüchtlinge in Lagern in Libyen festzuhalten, in denen bekanntermaßen Massenvergewaltigungen und jede Art von Gewalt an der Tagesordnung sind.

Allerdings geht es, was kluge Vorschläge betrifft, noch besser. Zumindest hier bei uns in Österreich.

Denn wir wehrhafte und allmählich ins tief braune abgleitende Alpenländler können auch noch ganz anders.

Das hat sich inzwischen auch im Ausland so ziemlich herumgesprochen.

Hier ein Artikel aus neues-deutschland.de:

Mal eben in Nordafrika einmarschieren?

Ein FPÖ-Politiker fordert die militärische Intervention in Afrika zur Fluchtabwehr – nun rudert er zurück

Der Schutz der EU-Außengrenzen ist für Rechtspopulist*innen auf dem gesamten Kontinent eine ihrer zentralen Forderungen. Der Wehrsprecher der rechtsradikalen österreichischen Regierungspartei FPÖ, Reinhard Bösch, ging jüngst in einem Interview sogar noch einen Schritt weiter.

Der »Neuen Voralberger Tageszeitung« sagte Bösch, der auch Vorsitzender des Verteidigungsausschusses ist, man müsse auch militärische Besetzungen auf Zeit in afrikanischen Ländern in Betracht ziehen. »Wenn es uns nicht gelingt, Anlandeplattformen in Nordafrika zu errichten, zum Beispiel in Libyen (…), dann ist das auch nach meiner Auffassung mit verschiedensten militärischen und polizeilichen Kräften einfach durchzuführen. Also einen Raum in Besitz zu nehmen vonseiten der Europäischen Union, ihn zu sichern, dort auch Versorgungseinrichtungen für diese Menschen einzurichten und dann diese Menschen zurückzubringen in ihre Heimatländer.«

Er fordert damit die militärische Intervention in afrikanische Staaten, um Geflüchtete gar nicht erst nach Europa einreisen zu lassen. Wenn die afrikanischen Staaten dies ablehnen würden, müsse man »in Nordafrika einen Bereich erzwingen. Dass man dort einen Bereich für die Europäische Union in Besitz nimmt und dort diese Rückführung organisiert.« Auf die Frage, wie das funktionieren soll, sagte Bösch: »Praktisch natürlich mit militärischen Kräften. (…) Eine Besetzung auf Zeit, das wird nur eine Besetzung auf Zeit sein müssen, weil wenn einmal klar ist, dass die Flucht über das Mittelmeer nicht eine Eintrittskarte nach Europa bedeutet, dann wird auch dieser Flüchtlingsstrom abebben.«

Solche Äußerungen gehören zum Repertoire des Politikers. Bösch, der auch Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft Teutonia ist, kritisierte Anfang des Jahres Deserteure der nationalsozialistischen Wehrmacht.

Nach landesweiter und internationaler Aufregung erklärte Bösch zunächst auf Facebook, er sei falsch zitiert worden. Er behauptete, es sei »völliger Unfug«, er wolle fremde Länder mit militärischer Gewalt besetzen.

Nun wurde das gesamte Interview veröffentlicht und verdeutlicht eindeutig, was Bösch im Sinn hatte. Trotz der eindeutigen Faktenlage hält seine Partei zu ihm. Heinz-Christian Strache (FPÖ) erklärte am Mittwoch, der Abgeordnete habe seine Aussagen lediglich »ungeschickt formuliert«. Für ihn sei die Sache aber »definitiv erledigt«. Kanzler Sebastian Kurz von der konservativen ÖVP erklärte sich für nicht zuständig. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, ebenfalls von der ÖVP, forderte »schleunigst« eine Stellungnahme von Bösch. Für sie habe sich die Lage noch einmal geändert, seit die Zeitung den Mitschnitt des Gesprächs veröffentlichte.

Verstärkter Gegenwind kam von der Opposition. Der Klubobmann der sozialdemokratischen SPÖ, Andreas Schieder, zeigte sich »entsetzt«, dass mit Bösch »ein Mann vom Fach und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses von Besetzung spricht und Aussagen tätigt, die neutralitäts- und außenpolitisch untragbar« seien.

Michel Reimon, Mitglied im EU-Parlament für die österreichischen Grünen, erklärte in einer Stellungnahme: »Hier träumt eine Regierungspartei vom militärischen Einmarsch in Nordafrika. Wie Putins Truppen auf der Krim sollen europäische Soldaten ein Gebiet in Nordafrika besetzen und Völkerrecht brechen. Die extreme Rechte ist jetzt rhetorisch nicht mehr bei der Abwehr von Menschen, sondern beim Angriffskrieg.«

Lassen Sie mich nur zur Klärung der Situation eine letzte Frage an die sogenannten Regierungsverantwortlichen stellen:

Marschieren wir jetzt bald einmal in Afrika ein, oder eher doch noch nicht?

Ich schlage Ihnen zur Lösung Ihrer Probleme auf alle Fälle schon einmal den altbekannten Blitzkrieg vor. Da geht es zunächst ganz im Sinne der Rechten einfach viel schneller zur Sache, und wir wissen ja alle, wie so etwas dann ein klein wenig später im Allgemeinen auch auszugehen pflegt.

Um auch etwas weit Schöneres und Erhebenderes als die derzeitige Lage der Nation in diesen Artikel einbringen zu können, habe ich mich entschlossen, ihn mit den Bildern unserer faszinierenden schamanischen Höhlenexpedition zu schmücken.