Der Schamane zur Lage der Nation Nummer 14

Eigentlich ist es ja für einen dem politischen Wahnsinn interessiert zuschauenden Schamanen ganz leicht, den fortschreitenden Untergang der Nation zu dokumentieren.

Dazu brauche ich nämlich nur ein paar kleine Ausschnitte aus den Medien zitieren.

Sofort wird klar, wohin dieses Schiff unter neuer Burschenschaft steuert. Verzeihen Sie meinen Fehler, die Damen von der Redaktion meinen, es müsse an dieser Stelle einfach neutral und seemännisch korrekt Mannschaft heißen und keinesfalls Burschenschaft.

Nun, von mir aus. Keine Ahnung wie ich auf diese seltsame Gedankenkette jetzt wieder gekommen bin.

Lassen Sie mich hier aber nur ein wenig aus dem zurzeit offen vor uns liegenden Lexikon des politischen und menschlichen Unbehagens zitieren.

Allerdings häufen sich da schon in kürzester Zeit unter Hinz und Kunz soviel Unsinn und Ungemach an, dass ich wohl zwei Schamanen zur Lage der Nation für diese eigentlich doch ganz einfachen Feststellungen meinerseits benötigen werde.

Hinz und Kunz ist im Übrigen nach Ansicht meiner Redaktion ebenfalls nicht ganz korrekt. Es müsste wohl Kurz und Gut oder vielmehr Kurz und eben ganz und gar nicht so Gut lauten. Oder Kurz und Strache, wenn Sie an dieser Stelle die Kurzform vorziehen, die allerdings schon durch ihre einseitige Seitlastigkeit recht(s) schwer belastet wirkt.

„Sie haben Erschreckendes vollbracht“, sagte der SPÖ-Abgeordnete Kai Jan Krainer zu Beginn der Debatte. Kickl sei nicht einmal sechs Monate im Amt und habe es geschafft, die „Sicherheit des Landes zu gefährden“ und „Österreich vor der EU-Ratspräsidentschaft zu blamieren“. Der FPÖ-Innenminister habe seine parteipolitischen Interessen vor die Interessen der Bevölkerung gestellt. „Sie wollen Ermittlungen des Bundesamts für Verfassungsschutzes bei Ermittlungen gegen Rechtsextreme stoppen“, sagte Krainer. Aus: orf.at/stories.

Ermittlungen des Verfassungsschutzes gegen Rechtsextreme stoppen….nein, wie könnte das ein Innenminister wollen, dessen Partei mit den meisten europäischen Rechtsextremen in einer gemeinsamen europäischen Fraktion sitzt.

Das können und wollen wir dem Mann doch nicht etwa unterstellen, oder?

Ach, es ist mir ja klar, dass wohl die Meisten von Ihnen die Tatsachen weitgehend kennen und diese nur aufgrund von Bequemlichkeit und Ohnmachtsgefühlen den größten Teil des Tages über zu verdrängen suchen. Mir geht es ja zwischendurch genau wie Ihnen, obwohl ich das als meisterhafter Schamane jetzt nicht wirklich so einfach in aller Öffentlichkeit zugeben will. Aber nur unter uns gesagt, es ist wirklich eine Schande der Schande zuzuschauen.

Vielleicht hilft aber hinsehen bisweilen doch auch ein wenig, und uns, Ihnen und mir, fällt gar zum Schluss noch etwas ein, das dem blauen antidemokratischen Scheinwunder ein echtes Wunder entgegensetzen könnte, irgendetwas zur Heilung der angeschlagenen österreichischen Seele beispielsweise.

Damit sich die Menschen, die tapferen und aufrechten Bürger dieses Landes, doch am nächsten Wahltag erst nach dem Ausfüllen des Stimmzettels sinnlos betrinken mögen.

Damit sich der autokratische Präsident auch diesmal wirklich willkommen fühlt, schlug Vizekanzler Heinz-Christian Strache – als FPÖ-Chef kann er schließlich einen Freundschaftsvertrag mit Putins Partei Einiges Russland vorweisen – in die gleiche Kerbe und forderte abermals lautstark ein Ende der „leidigen Sanktionen gegen Russland“. – derstandard.at….Falsche-Signale-an-den-Autokraten

„Kein Wunder“, lässt mir Tante Clara per intergalaktischer Kurznachricht dazu ihren Kommentar zukommen, „diese Antidemokraten werden ja von Russland finanziert…“

Sie behauptet auch, dass sie von ihrer Position aus die Geldflüsse aus Russland an die heimischen Rechtsradikalen deutlich sehen könnte. Ich hoffe nur, sie schickt bald ein paar handfeste Beweise zu uns herunter. Bis dahin müssen Sie sich auf ihren gesunden Menschenverstand verlassen und einfach nur eins und eins zusammenzählen.

Und im Juni 2015 konnten die rechtsextremen Parteien dort (im europäischen Parlament) sich nach langen Jahren der Bedeutungslosigkeit wieder über Fraktionsstärke freuen: Front National (FN), Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Lega Nord, Vlaams Belang, Partei für die Freiheit (PVV/Niederlande) und Kongress der Neuen Rechten (Polen) bilden gemeinsam mit zwei weiteren Abgeordneten nun die 38-köpfige Fraktion Europa der Nationen und Freiheiten (ENF). In dieser findet sich mit Mario Borghezio jemand, der die „Ideen“ des rechtsextremen Massenmörders Anders B. Breivik „gut, in manchen Fällen sogar sehr, sehr gut“ findet.
Aus: https://forschungsgruppefipu.wordpress.com/2016/04/19/rechtsextremismus-in-europa-europaeischer-rechtsextremismus/ 

Es ist schon irgendwie seltsam, dass außerhalb der österreichischen Grenzen die hiesigen Rechtsextremen überall als solche bezeichnet und klar erkannt werden.

Kleine Warnung an die Rechtsextremen in diesem Lande: Wir Schamanen beobachten  Alles ganz genau.

In Osteuropa wiederum ist der die gesamte Gesellschaft von solch einem Rechtsruck betroffen, auch ist der Rechtsextremismus hier weitgehend normalisiert, was sich etwa in der Regionalpräsidentschaft des slowakischen Neonazis Marian Kotleba zeigt. Zudem sind es mit der ungarischen FIDESZ und der polnischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) formal konservative Parteien, die Teile der rechtsextremen Agenda umsetzen. Dass im Fall der FIDESZ dies mit Rückendeckung der Europäischen Volkspartei (EVP) geschieht, verweist auf den Grad der Normalisierung des völkischen Antiliberalismus und der aktuellen Radikalisierung des Konservativismus in fast allen EU-Staaten.
Aus: https://forschungsgruppefipu.wordpress.com/2016/04/19/rechtsextremismus-in-europa-europaeischer-rechtsextremismus/

Da wundert man sich ja fast nicht mehr, dass erstens, Herr Kurz sich mit einer rechtsextremen Partei politisch verbrüdert hat, und zweitens, sich Herr Strache und seine Gesinnungsgenossen ebenso wie Herr Kurz für ein politisches Naheverhältnis ausgerechnet zu Ungarn, Tschechien, Polen und die Slowakei aussprechen.

Da sind offenbar entweder die diversen Schwierigkeiten, die in diesen Ländern mit Demokratieverständnis, Meinungsfreiheit, Gewaltentrennung etc. herrschen, wohl nicht ganz bis zu unseren Politikern durchgedrungen oder diese Schwierigkeiten und Defizite werden aufgrund eigener politischer Radikalisierung und Verblendung gar als vorbildhaftes Verhalten gründlich fehlverstanden, so etwa nach dem Motto: Wir formen uns die Demokratie schon mal so um wie wir sie eben zum eigenen Machterhalt brauchen.

Lesen Sie den zweiten Teil dieser traurigen Geschichte in: Der Schamane zur Lage der Nation Nummer 15.

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