Der Schamane zur Lage der Nation Nummer 15

Wenn die niedrigsten Instinkte der Menschen für politische Manipulationen angesprochen werden sollen, braucht es vor allem Eines: Ein passendes Feindbild.

Dazu wenden sich nun österreichische Rechtsextreme gegen türkische, und natürlich auch gegen die immer wieder auf verlogene Weise heraufbeschworene Gefahr der Islamisierung des heimischen Abendlandes.

…. in den Worten des FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache: „Wir sind europäische Brüder, weil wir nicht islamisiert werden wollen.“ Aber die dauernd von Dekadenz und Islamisierung raunenden Abendlandretter wollen nicht mehr extrem rechts sein, sondern VerteidigerInnen der Demokratie. Und den Antisemitismus bekämpfen sie projektiv bei den muslimischen Anderen. Dass sich die extreme (rassistische) Rechte gegenwärtig so erfolgreich als Erbin der Aufklärung und deren Beschützerin vor dem Islamismus inszenieren kann, verdankt sie auch jenen – in der Selbstwahrnehmung: antirassistischen – Linken, die dieses Erbe (bei aller notwendigen Kritik daran) längst verraten haben. Wo die GegnerInnen der extremen Rechten aufgegeben haben, Kritik an religiösem Fanatismus zu formulieren, wurde es dieser möglich, mit der Wahrheit zu lügen. Etwa, wenn sich die FPÖ über den islamisierten Antisemitismus ausläßt: So real dessen Existenz ist, so verlogen ist es, wenn ausgerechnet Deutsch-Völkische ihn anprangern.

Aus: https://forschungsgruppefipu.wordpress.com/2016/04/19/rechtsextremismus-in-europa-europaeischer-rechtsextremismus/ 

Mit der Wahrheit lügen…das gefällt mir gut als Beschreibung einiger üblicher Vorgehensweisen unserer derzeit leider immer noch an der Regierung beteiligten Rechtsextremen.

Mit der Wahrheit lügen….und den Bock zum Gärtner machen….Dazu fällt mir nur ein: Glaubst i bin bled, dass i riach wias do stinkt? Glaubst i bin bled, dass i waas was i wü? (Etwas abgewandelt nach einem Text von Konrad Bayer für ein Lied der Worried Men Skiffle Group, und, hier auch gleich für unsere nur des Hochdeutschen mächtigen Leser in die deutsche Hochsprache übersetzt: Glaubst Du ich wäre so blöd, dass ich riechen würde, wie es hier stinkt? Glaubst Du ich wäre so blöd, dass ich wüsste, was ich wollte?)

Der Politikwissenschafter Thomas Schmiedinger erklärt: Der Moscheeverein Nizam-i Alem werde von einer „definitiv rechtsextremen Partei“ betrieben, die sich von den Grauen Wölfen abgespalten habe. Der Experte ist allerdings skeptisch, ob eine Verbotspolitik die Haltung der Betroffenen ändern kann. Eher noch verstärke es den Eindruck, der Staat verfolge sie – was sie weiter radikalisieren könne. „Die problematischsten Moscheen“, das sagt auch Daniela Pisoiu, Extremismusforscherin am Österreichischen Institut für Internationale Politik, „sind die in den Hinterhöfen.“ Wolle man der Radikalisierung entgegentreten, reichten die Maßnahmen der Regierung „definitiv nicht“. „Nur weil eine offizielle Moschee zu ist, heißt das nicht, dass nicht dieselbe Aktivität woanders stattfindet.“ Die Forscherin befürchtet nun eine weitere Radikalisierung durch gefühlte Ausgrenzung. – derstandard.at/Geschlossene-Moscheen-Ratlose-Muslime-besorgte-Experten. 

Es geht meiner Ansicht nach bei diesen neuen Aktivitäten der Regierung ja auch nicht um eine effiziente Bekämpfung islamistischer Tendenzen in Österreich. Es geht um die reine politische Show, um Populismus pur.

Da werden eben die ebenfalls fehlgeleiteten fremdenfeindlichen Gefühle einer durch falsche Information manipulierten Bevölkerung zum Maßstab für das eigene politische Handeln herangezogen.

Dieselbe völlig gefühllose Vorgehensweise der Regierung lässt sich auch bei der zwangshaften Einführung von Deutschkursen für Kinder ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse in der Volksschule feststellen. Da können Direktoren und Lehrer noch so deutlich darauf hinweisen, dass die beschlossenen Maßnahmen nicht sinnvoll durchführbar wären. Es geht nicht um den Inhalt, sondern um die Umsetzung diskriminierender rechtsextremer Ideen.

Ich bin schon gespannt, auf welche Weise die Regierung plant, uns in Zukunft mit weiteren populistischen Ideen auf unsensibelste Weise zu überfahren.

Allerdings gibt es natürlich aus mystischer Sicht noch eine ganz andere Erklärung für die Schließung von sieben Moscheen und die Ausweisung von vierzig Imamen.

Sieben und Vierzig sind jeweils Zahlen, denen eine ganz besondere magische Bedeutung zugesprochen wird.

Was zuweilen auch schon hilft: Magisches Verschwinden statt Vermummen.

Vierzig Tage in der Wüste fasten, oder sieben Mal im Laufschritt Haus und Garten umrunden. Beides hält einigermaßen fit, doch hat es eben auch noch tiefere Bedeutung.

Wie heißt es dazu so schön auf Wikipedia:

Vierzig ist die Symbolzahl der Prüfung, Bewährung, Initiation bzw. für den Tod. Als die verzehnfachte Vier repräsentierte sie Vollkommenheit. Der Ursprung des Vierzig-Tage-Rhythmus lässt sich in Babylonien suchen, wo eine Verbindung des vierzigtägigen Verschwindens des Sternbildes der Plejaden hinter der Sonne mit Regen, Unwetter und Gefahren beobachtet wurde. Bei der Wiederkehr der Plejaden wurde als Zeichen der Freude ein Bündel aus vierzig Schilfrohren verbrannt.  

Die Sieben ist die Summe von drei und vier, von Geist und Seele einerseits sowie Körper andererseits, also das Menschliche. In der überkommenen christlichen Zahlensymbolik des Mittelalters steht die Drei für die nach dem Bild des dreifaltigen Gottes geschaffene Seele und alle geistigen Dinge. Die Vier ist die Zahl der Elemente und steht damit symbolisch für die materiellen Dinge, die nach antiker Anschauung alle aus der Kombination der vier Elemente hervorgehen. In Gebäuden wurde das Siebeneck oft bei Gräbern und Grabkapellen für die ewige Ruhe verwendet.

Nun, ich muss zugeben, ich bin aus der politischen Aussage der beiden mystischen Zahlen jetzt auch nicht wirklich schlau geworden. Aber zumindest eines fällt mir dabei doch deutlich auf: Sowohl bei der Vierzig als auch bei der Sieben spielt der Tod irgendwie eine wesentliche Rolle.

Wir wollen das doch gleich einmal mit politischen Augen betrachten, es also sozusagen einmal zielgerichtet auf die Ebene des politischen Todes übersetzen.

Das lässt doch sogleich in Bezug auf die Dauer der derzeitigen Regierung noch hoffen.

Der vorliegende Beitrag Ihres Schamanen zur Lage der Nation wurde aus Gründen der Aktualität schon eine Woche vor dem ursprünglich geplanten Termin veröffentlicht. So bleibt doch der Kontext mit dem vorhergehenden ersten Teil dieses Textes nun einmal gleich viel besser verständlich. Allerdings hat dieser Fleiß auch seinen Preis. Unser wunderbarer zehnter Podcast, der Sie jetzt eigentlich an dieser Stelle gleich einmal erfreuen hätte sollen, wird erst eine Woche später das Licht der Welt erblicken. Auch daran können Sie wieder einmal leicht erkennen, wie verfehlte Politik ins Leben des Einzelnen bisweilen ganz unvorteilhaft eingreift. Als kleine Entschädigung sehen Sie hier ein Bild des allzeit wachsamen Schamanen im vollen Schamanengewand, die magische Bisontrommel schlagend.

Das Beitragsbild trägt den Titel: Mitten im österreichischen Dschungel. Oder: Tante Clara, schick ein Ufo!