Der Schamane zur Lage der Nation Nummer 17

Bevor ich mich weiter über Tante Claras Stimme in meinem Kopf aufregen kann, fährt sie mit ihren Aussagen bereits wieder fort: „Bei Euch (sie meint offenbar hier in Österreich) versuchen sie jetzt sogar schon wieder, Juden zu zählen.“

Die Tante ist hier wohl nicht mehr auf dem neuesten Stand.
Dieser Versuch der Rechtsextremen, jüdische Käufer von koscherem Fleisch amtlich zu registrieren, wurde relativ rasch wieder vom großen Schwager, ich meine hier natürlich, vom großen Schweiger, wieder zurückgepfiffen.

Das versuche ich der Tante auch zu erklären.
„Nichts da,“ sagt sie, „denen geht es doch nicht darum, ob das dann wirklich stattfindet oder nicht. Denen geht es nur um Verhetzung. Wenn die Faschisten solche Dinge wieder in die Öffentlichkeit bringen können, ohne dass sie sofort aus allen Ämtern entlassen werden, haben sie schon ein Stück widerlichster Provokation zustande gebracht. Etwas behaupten, dann notfalls zurücknehmen, aber etwas später wieder Ähnliches aus dem Hut zaubern. Das ist ihre Taktik.“

Ich kann der guten Tante jetzt den Begriff Faschisten, den sie beständig für unsere rechtsextremen Mitbürger verwendet, nicht mehr ausreden, obwohl ich ihr ja schon beizeiten erklärt habe, dass die neuen populistischen Rechtsextremen sich nicht als Faschisten sähen, sondern ihr eigenes ganz persönliches Unheil anrichten wollten.
Aber sie findet offenbar, dass da derselbe Ungeist über den gerade wieder von derartigen düsteren Plagen heimgesuchten Planeten hereinbricht.
Wie schon weiter oben gesagt, will ich einer Lieblingstante, die sonst noch auf allerlei unangenehme Gedanken kommen könnte, keinesfalls zu lange widersprechen.
Nur auf der Einstellung kosmischer Telefongespräche in meinem Kopfraum will ich weiterhin bestehen. Das ist nun einmal wirklich zu distanzlos, finde ich.

Irgendwo dort oben ist sie.

Bevor ich sie aber soweit von meiner wohlbegründeten Ablehnung des kosmischen Kopftelefons überzeugen konnte, fügt Tante Clara noch weitere Aspekte ihrer Empörung über den von ihr so genannten faschistischen Charakter hinzu:
„Zuerst provozieren und aufhetzen, dann entgegen jeglicher Klugheit und Weitsicht ihre starre Weltsicht den Mitmenschen aufzwingen, und dabei ohne das geringste Mitleid Andere zu Schaden kommen lassen…schau nur, wie derselbe Italiener verhindert, dass Schiffbrüchige im Mittelmeer gerettet werden. Jetzt lassen sie die Flüchtlinge also eben wieder im Meer ertrinken, das löst ja irgendwie auch das Migrationsproblem.“ Meine Tante kann selber ganz schön provokant werden, wenn sie sich ärgert.

„Typisch für diese Leute ist,“ fährt sie fort, „dass sie am Liebsten die Demokratie abschaffen wollen. Sie verändern die Regeln, zerstören die Gewaltentrennung, greifen in die Rechtsstaatlichkeit ein, versuchen, die Opposition auf Dauer zu entmachten.“
Sie meint hier sicher Ungarn, Polen und auch die neuesten Entwicklungen hierzulande, bei denen die Regierung zu einem gierigen Griff auf die Kontrolle über die Gerichtsbarkeit ansetzt.
„Ja Tante, Du hast ganz sicher Recht. Ich finde es auch unerhört, wie es hier derzeit zugeht. Aber könntest Du jetzt bitte das Kopftelefonieren wieder abstellen!“

„Nun ja, bitte“, sagt sie, „wie Du willst. Aber dann werde ich Dich eben nicht mehr so oft anrufen.“
Jetzt ist sie doch offenbar etwas gekränkt. Doch dann holt sie noch schnell zu einer letzten kleinen Spitze aus:

„Ingemut die weiße galaktische Maus gibt es im Übrigen selbstverständlich wirklich. Er ist zwar manchmal etwas ungehalten, wenn er sich an niedere Rassen wie den Homo sapiens wenden muss, aber im Allgemeinen doch ganz verträglich und manchmal wirkt er sogar geradezu leutselig.“

„Aber Tantchen, Du hast doch nicht etwa auch in meinen Gedanken gelesen,“ erwidere ich ihr etwas entsetzt über diesen Datenmissbrauch.

„Na und wenn schon, führ Dich jetzt nur nicht so auf, da ist doch gar nichts dabei“, meint die Tante, grinst deutlich fühlbar in meinem Kopf, und verschwindet.

So bleibe ich hier inzwischen fast alleine auf meiner magischen Feenalm zurück.