Der Schamane zur Lage der Nation Nummer 18

140 km/h: Ja! Ja! Ja!

Und bitte mehr davon….und nur davon….

Diesmal sollte ich die Regierung für ihr erstes wirklich sinnvolles und auch prompt umgesetztes Vorhaben wirklich loben.

Ich spreche von der unglaublich feinen Möglichkeit, jetzt endlich einmal 140 Kilometer pro Stunde auf der Westautobahn fahren zu dürfen.

Nun ja, werden Sie mich jetzt fragen, was ist denn daran so besonders lobenswert?

Die Antwort ist einfach:

Bisher fuhren die gemäßigten Autofahrer auf der Autobahn bei trockener Fahrbahn und leichtem Verkehrsaufkommen auf geraden Strecken ungefähr 150 km/h.
Die Kategorie jener Fahrzeuglenker, welche man ohne Übertreibung als rücksichtslose Fahrer oder Raser bezeichnen könnte, fuhren hingegen normaler Weise höchstens 175km/h.
Das nur deshalb, weil sie im Falle einer allfälligen Geschwindigkeitskontrolle ab 180km/h ihren Führerschein verlieren hätten können.
Über 50 Stundenkilometer schneller als die erlaubte Geschwindigkeit zu fahren bedeutete nämlich, wenn auch nur im Falle des dabei Erwischt Werdens, einen zumindest temporären Entzug der Lenkerberechtigung.

Nun, nach Einführung der neuen Geschwindigkeitsobergrenze von 140km/h sieht die ganze Sache jedoch schon anders aus.
Fünfzig Stundenkilometer schneller zu fahren als die erlaubte Höchstgeschwindigkeit verschiebt nämlich auf diesen gelobten Strecken der Westautobahn die Marke des noch ohne Entzug des Führerscheins Möglichen auf satte 185km/h.

Hinzu kommen sicherlich einige Spitzen in der Geschwindigkeitskurve, welche bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 185km/h eher so um die 200km/h liegen dürften. Diese Spitzen werden natürlich nur dann erreicht, wenn der rasende Autofahrer gerade klar zu erkennen glaubt, dass er aufgrund guter Fernsicht jegliche Radar- oder Polizeikontrolle bereits geraume Zeit vorher wahrzunehmen imstande wäre.

Bei diesen neuen Geschwindigkeiten gerät der Autosüchtige aber bereits an die Grenzen seiner Fahrzeugbeherrschung und verfällt noch dazu in einen bisher nicht gekannten Geschwindigkeitsrausch.
Da kann es leicht passieren, dass er die Kontrolle über sein Fahrzeug ganz verliert und als Unfallopfer auf einer Leitplanke oder in einem Brückenpfeiler endet.

Hier setzt nun meiner Meinung nach die wirklich wohldurchdachte Strategie der neuen Regierung an.
Zwar ist tatsächlich nicht anzunehmen, dass es den politischen Strategen des Rechtsextremen und des für das Rechtsextreme Unempfindlich Gewordenen wirklich um eine wirksame Gegenmaßnahme gegen das überhand nehmende weltweite Bevölkerungswachstum geht.
Denn wenn die neuen Rechten auch mit den Begriffen Volk und völkisch allzu viel anzufangen wissen, meinen sie in der Regel damit nur das eigene Volk, in diesem Falle also das österreichische. Und das schrumpft ja bekanntlich ohne Zuzug fremder Einwanderer allmählich dahin.
Diese Tatsache der absoluten Notwendigkeit einer Zuwanderung wird von der Regierung zwar ebenfalls absolut ignoriert.
Doch trotzdem ergibt sich aus den vorhergehenden Überlegungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass die Bevölkerungsreduktion im Allgemeinen nicht das erklärte Ziel dieser klugen Verkehrsmaßnahmen war.

Anders sieht es hingegen aus, wenn man der Regierung die löbliche Absicht unterstellen wollte, den Verkehr allgemein sicherer zu machen.

Denn all die autosüchtigen Schnellfahrer nehmen sich aufgrund der neuen Verkehrsmöglichkeiten jetzt Zug um Zug selbst aus dem Spiel des gemeinsamen Verkehrsgeschehens.

Natürlich werden bei dieser neuen Schnellfahrerabwehrmaßnahme so einige Unschuldige und Unbeteiligte, welche sich zufällig in anderen, aber in der Nähe des beschriebenen Geschehens vorhandenen, Fahrzeugen befunden haben werden, ebenfalls zu Schaden oder schlimmstenfalls auch ums Leben kommen.

Doch einer mutigen politische Maßnahme tut dies keinen Abbruch. Die Unglücklichen können nämlich mit Leichtigkeit als Kollateralschäden der neuen Verkehrsplanung deklariert werden und unterliegen somit ebenfalls im Prinzip der Gesamtplanung im Rahmen des neuen umfassenden Verkehrskonzepts.

Für uns auf recht erbärmliche Weise zumeist auf unsere Gesundheit und unser Überleben ausgerichtete Normalautofahrer ändert sich hingegen mehr oder weniger gar nichts. Wir fahren weiterhin unsere 150km/h auf der Autobahn, wenn es die Bedingungen erlauben.
Schneller wären wir ja schon früher aus Sicherheitsgründen auch nicht gefahren.
Immerhin kosten unsere Geschwindigkeitsübertretungen jetzt sogar etwas weniger, falls der Tarif in Relation zur alten Regelung ungefähr gleich geblieben ist.
Denn jetzt handelt es sich ja nur noch um läppische 10km/h, die wir aus legaler Sicht immer wieder einmal zu schnell unterwegs sind.

Zudem gilt für uns Schamanen noch eine zusätzliche, der allgemeinen Bevölkerung weitgehend unbekannte Versicherungspolizze, die wir zumeist ganz allgemein mit der Welt der Geister abgeschlossen haben. Da bleiben die Auswirkungen von Verkehrsunfällen einfach eher ganz unbedeutend, solange wir eben nicht gar zu schnell fahren.

Es bleibt mir also nur noch das Eine, und zwar jenes, dieser Regierung die Durchführung vieler weiterer so geschickter und strategisch einmaliger Aktionen zu empfehlen, wobei ich mir im Besonderen noch wünschen würde, dass sich die zukünftige Arbeit der neuen Rechtsgerichteten doch ganz und gar auf den rühmlichen aber im Grunde fast harmlosen Bagatellbereich beschränken möge.

Denn überall sonst könnten diese von ihrer Ideologie leider zutiefst verblendeten Leute doch wirklich noch genug wirklich schlimmen Schaden anrichten, bevor sie eine über die Verschlechterung ihrer persönlichen, sozialen, ökologischen und menschlichen Situation betroffene Bevölkerung hoffentlich noch gerade rechtzeitig wieder abwählen kann.