Der Schamane zur Lage der Nation Nummer 27, welche gerade noch im Jahr 2018 erscheint…

Tante Claras wahrscheinlich zum Scheitern verurteilter Versuch, das gesamte faschistisch verseuchte Sonnensystem mithilfe einer in der Nähe ausbrechenden Supernova zu verdampfen, hat mich doch etwas zum Nachdenken angeregt.

Ich dachte also über die Zukunft nach und blieb dabei zunächst ganz auf dem trockenen Boden der Tatsachen. Ich weiß schon, Sie wollen jetzt zum Jahreswechsel lieber etwas Heiteres oder Beschwingliches von mir lesen.  Leider packt mich gerade vor Neujahr zumeist eine gewisse Besinnlichkeit, welche dann bei mir an Stelle der Beschwinglichkeit tritt.

Deshalb fällt mir gerade auf und ein, dass es hierzulande passieren kann, dass Ihnen die Staatsbürgerschaft aufgrund einer, – von der leider mitregierenden rechtsradikalen Partei in Umlauf gebrachten und von der Türkei offensichtlich manipulierten – , türkischen Wählerliste einfach aberkannt werden kann. Sie sind dann staatenlos, und selbst wenn der Verfassungsgerichtshof daraufhin ein Urteil fällt, aus dem dieser Vorgang klar als rechtswidrig hervorgeht, bleibt die Aberkennung Ihrer Staatsbürgerschaft, welche zu Unrecht erfolgte, gültig. Die Antwort unser Regierung ist nicht etwa die, jetzt jegliche mögliche Anstrengung zu unternehmen, die zu Unrecht ihrer Staatsbürgerschaft beraubten Mitbürger wieder zu Österreichern zu machen, sondern die offenbar ganz vom rechtsextremen Gedankengut beseelte Regierungsgemeinschaft überlegt vor allem, ob sie nicht gleich die Einbürgerung türkischstämmiger Menschen von vornherein ganz blockieren könnte. 

An diesem Beispiel aber sehen Sie, was der Einzelne und damit der Staatsbürger als solcher, zugleich in seiner Gesamtheit der Souverän eines demokratischen Staates, dieser Regierung wirklich wert ist. Nämlich nahezu gar nichts, vor allem dann, wenn er aufgrund eines rechtsextremen und meiner Ansicht nach rassistischen Weltbildes doch besser gleich ausgebürgert werden sollte.

Dabei steckt eben hinter all diesem rechtsextremen und rechtspopulistischen Grölen mit dem immer gleichen Inhalt – Wir sind das Volk – keineswegs der geringste Respekt für das Volk, das aus uns allen vielen Einzelnen besteht, sondern ein Wunsch nach einer gut manipulierbaren und auf ihre niedrigsten Instinkte reduzierten Masse, welche dann mit dem gesamten Volk gleichgesetzt werden soll. Wobei Kritiker und Andersdenkende gleich einmal aus der Volksmasse herausfallen und somit als Feindbilder in Szene gesetzt werden können.

Trotzdem hat diese willkürliche Ausbürgerung als Idee einen gewissen Reiz.

Seit kurzem denke ich nämlich darüber nach, wie wir die rechtsextremen und mit ihnen mitlaufenden Politiker vielleicht ebenfalls über Nacht geschickt ausbürgern könnten.

Welch eine Erleichterung das doch wäre, wenn wir aufrechten Österreicher uns plötzlich nicht mehr für die hierzulande gemachte verhetzende und menschenfeindliche Politik schämen müssten….

Ach, jetzt tritt gerade bei diesem Gedanken bei mir doch eine gewisse Beschwingtheit zutage.

Sonst gibt es ja leider nicht viel zu feiern. Es sei denn, sie liebten Galgenhumor.

Es sind ja nicht nur die einzelnen wahnsinnigen Begebenheiten, welche die Politik unserer Spezies weltweit gerade im letzten Jahr bestimmten, welche Anlass zu wirklicher Beunruhigung geben. Es ist viel mehr noch als das der deutlich erkennbare Ungeist, welcher sich durch diesen Strom neuer kalter und psychopathischer Unmenschlichkeit zieht, der insgesamt so beunruhigend wirkt.

Ein paar Beispiele nur zur Auffrischung Ihrer Erinnerung will ich Ihnen aber hier doch nicht vorenthalten.

Auf den Philippinen herrscht ein Mann, für den die Polizei zugleich auch Richter und Henker ist. Internationaler Kritik begegnet er, indem er aus den entsprechenden internationalen Gremien austritt, sein Land also als außerhalb der Menschenrechte stehend definiert.

Speziell die rechtsradikalen Regierungen, sei es in Polen oder in Brasilien, bedrohen nicht nur Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte sondern tun sich auch als Verfechter hemmungsloser Naturzerstörung hervor.

Dafür hat Russland inzwischen eine Rakete entwickelt, die auch nukleare Sprengköpfe tragen kann und die dreißigfache Schallgeschwindigkeit erreicht. Das sehe ich klar als Beginn eines neuen Wettrüstens an, welches mehr und mehr an den kalten Krieg erinnert.

Der Wahnsinn dabei ist zum einen, dass wir ja nur die offiziellen Nachrichten hören. Was sich unter dem Deckmantel des Schweigens inoffiziell in der Welt abspielt, entgeht uns. Wir wissen also trotz der Flut an Information, die uns zugänglich ist, wahrscheinlich nur wenig vom Ausmaß der illegalen Aktivitäten von Regierungen und Konzernen.

Doch das Illegale nähert sich inzwischen dem Legalen bedrohlich an.

Folter, Mord, Entführung, Verhöhnung von Menschenrechten und brutale Durchsetzung von Machtansprüchen werden von immer mehr Regierungen zumindest teilweise gutgeheißen, wenn diese Verbrechen ihren Zielen dienen.

In Syrien darf die UNO die dort begangenen Kriegsverbrechen nicht untersuchen.

In den USA gibt es, ebenso wie in Israel, eine von der Regierung schon seit längerer Zeit legalisierte Praxis der gezielten Ermordung wirklicher oder angeblicher Extremisten. Dabei wird die zufällige oder geplante Tötung Unschuldiger kühl mit in Kauf genommen oder sogar bewusst befohlen. Ein Beispiel dafür war die Ermordung des Enkels eines Terroristen durch eine amerikanische Spezialeinheit. Der Enkel, ein Teenager, hätte, so die Begründung für die Tat, ja unter Umständen später in die Fußstapfen seines Großvaters steigen können.

Diese schon vor einigen Jahren einsetzenden Rechtfertigungen demokratisch gewählter Regierungsvertreter für Mord an Unschuldigen bewirken, dass sich weltweit der Respekt vor dem Wert menschlichen Lebens verringert.

Der Klimawandel wird voraussichtlich erst auf einem Niveau der Erderwärmung aufgehalten werden, dessen Auswirkungen wir uns jetzt noch nicht einmal annähernd klarmachen können oder wollen.

Immerhin gehen wir nicht allein zugrunde, wir nehmen unsere tierischen Mitbewohner des Planeten gleich massenhaft mit uns ins Grab.

Ein Drittel aller Tierarten ist derzeit vom Aussterben bedroht.

Dass die Reichen weltweit immer reicher werden, während der große Teil der Menschheit in menschenunwürdige Zustände der Existenz abgedrängt wird, fällt uns nur noch gelegentlich auf.

Reichtum wird dabei nicht durch Leistung oder Tüchtigkeit erworben, sondern fast ausschließlich in Sippen und Clans vererbt.

Dass genau diese Ungleichheit der Chancen und Möglichkeiten den Vertretern rechtsextremen Gedankenguts in die Hände spielt, welche dann die Unzufriedenheit in der Gesellschaft in ihre menschenverachtenden und selbstsüchtigen Bahnen leiten können, und sich dabei noch als Retter und Rächer der Entrechteten aufzuspielen vermögen, diese Tatsache wird speziell vom wohlhabenden und reichen Zeitgenossen entweder ignoriert oder als den eigenen Zwecken dienlich akzeptiert.

Es scheint, als wäre es für diese Leute besser, die demokratischen Grundlagen der Gesellschaft zu verlieren als vom eigenen Reichtum ein wenig abzugeben. Wenn aber Reichtum und Spekulation im Vergleich zu Arbeit fast nicht besteuert werden, wird sich die Schere zwischen Arm und Reich kaum schließen lassen.

Gier nach Geld und Macht, Unverschämtheit und dreiste Manipulation, Verleugnung des Lebensrechts Anderer, die freche Zurschaustellung rechtsextremer Ansichten als scheinbar wieder gesellschaftlich und menschlich akzeptable Wertvorstellungen…..

Natürlich gibt es in den meisten Ländern auch eine durchaus wache Zivilgesellschaft, welche aber offenbar in durch Rechtspopulismus tief gespaltenen Gesellschaften nicht die Mehrheit der Bevölkerung mit ihren Botschaften erreichen kann.

Insgesamt sehe ich, zwar nicht für den Einzelnen mit all seinen immer noch ungebrochenen und fantastischen Entwicklungsmöglichkeiten, wohl aber für unsere gesamte Gesellschaft eine ganz unsichere Zukunft heranrollen.

Die Menschheit scheint sich im Moment, zumindest was ihre Wertvorstellungen und Machtstrukturen betrifft, den schlimmsten Vorstellungen wieder williger hinzugeben.

Wenn ich es jetzt gerade so recht bedenke, kann ich Tante Claras Vorschlägen mit einem Mal wieder viel mehr abgewinnen.

Ja, Tante Clara, ich muss mich doch wieder einmal bei Dir entschuldigen. Ich war zu kurzsichtig, wirklich, liebe Tante.
Du hast es mit uns zwar grimmig, doch im Herzen wohl nur gut gemeint. Jetzt endlich verstehe ich Dich:
Bevor wir uns selbst Stück für Stück grausam zugrunde richten, wolltest Du uns einfach in einem einzigen Akt selbstlosen Mitgefühls von unserem künftigen Leid erlösen.

Wie schade aber auch, dass Dein Plan wahrscheinlich nicht funktionieren wird.
Er hätte unser menschliches Dasein hier mit all seinen schier unlösbaren Herausforderungen und selbst gestellten Fallstricken wirklich ganz entscheidend vereinfacht.