Der Schamane zur Lage der Nation, Nummer 30 und 31.

Ja klar, es ist tatsächlich nahezu ekelerregend, auf jeden Fall abstoßend, also einfach wirklich widerlich.

Trotzdem, es geht nicht anders. Ein paar Dinge müssen ja doch einmal gesagt werden –

Ein Schamane zur Lage der Nation im besonders handlichen und garantiert preisgünstigen Doppelpack.

Zur österreichischen Innen- und Außenpolitik fällt mir derzeit zunächst sofort ein schon hochbetagtes Lied von Wolfgang Ambros ein. Dieses lautet:

Zwickt’s mi, I man I tram!
Des derf net wohr sein, wo samma daham?
Zwickt’s mi, ganz wurscht wohin!
I kann’s net glaub’n, ob I ang’soff’n bin?
Ober I glaub, da hülft ka Zwicken
Könnt‘ ma net vielleicht irgendwer ane pick’n?
……
Danke, jetzt is‘ ma klor, es ist wohr, es ist wohr…

Die korrekte Übersetzung für sprachlich weiter nördlich angesiedelte Deutschsprechende lautet wohl:

Kneift mich, ich glaube zu träumen!
Das darf nicht wahr sein, wo sind wir zuhause?
Kneift mich, ganz egal in welchen Körperteil!
Ich kann es nicht glauben, bin ich vielleicht betrunken?
Aber ich glaube, da hilft kein Kneifen mehr,
Könnte mir nicht vielleicht jemand eine Ohrfeige/Backpfeife versetzen?
……
Danke, jetzt ist es mir klar, es ist wahr, es ist wahr….

Bei den mit …..markierten Stellen ist im Lied der Klang einer Watschn, also einer Ohrfeige/Backpfeife zu hören.

Die Ohrfeige möchte man derzeit am liebsten den Unanständigen in der österreichischen Politik versetzen, nicht etwa aus einem schnöden Impuls reiner Gewalttätigkeit heraus, sondern vielmehr, um zu zeigen, dass Menschenverachtung, Scheinheiligkeit und Faschismus hierzulande nicht salonfähig sind oder es zumindest nicht sein sollten.

Allerdings bleibt bei mir die Ohrfeige eine der verbalen oder schriftlichen Art. Hoffentlich schmerzt sie trotzdem.

Ein wenig Wahrheit also zum darüber Streuen über das politische Tages- und Wochengeschehen. Denn circa im Wochentakt treten immer neue Scheußlichkeiten in Bezug auf diese unsere rechtsnational verdrehte Regierung zutage.

Hier also die wirklich und ehrlich verdiente Ohrfeige:

Dass inzwischen in europäischen Nachbarländern ein rechtsextremer Innenminister als nicht vertrauenswürdig in Bezug auf den Austausch sensibler polizeilicher und nachrichtendienstlicher Daten eingestuft wird, wundert nur die Politiker der Regierungsparteien.

Dass eine als rechtsextrem, rassistisch und demokratiegefährdende Partei wie die FPÖ dementsprechend auch anderen Rechtsextremen nahesteht, wie unter anderem ja auch Fotos nahelegen, welche ihren Vorsitzenden im fröhlichen Gespräch mit den Identitären zeigen, sollte eigentlich Niemanden wundern.

Dass dann noch schnell eine angeblich ja schon von langer Hand vorbereitete Aktion gegen Neonazis öffentlichkeitswirksam von den eigenen Verstrickungen in die rechtsextreme Szene ablenken soll, liegt auf der Hand.

Dass dabei scheinbar keine wirklich für Verhaftungen ausreichenden Tatbestände oder Verdachtsmomente auftraten, wundert mich jedoch auch nicht.

Die offen rechtsextremen Identitären betrachten die F-Partei als ihre Lobby im Parlament.

Umgekehrt flossen beträchtliche Spenden aus der FPÖ zu den Identitären.

Angeblich haben die betroffenen Mitglieder der FPÖ jetzt hoch und heilig versprochen, nicht mehr an die offen demokratiegefährdenden Identitären zu spenden. Da sind wir doch erleichtert, nicht wahr. Die Frage ist nur, wem spenden sie in Zukunft, wenn ihre Gesinnung eben in genau diese Richtung geht?

FPÖ verspricht, nicht mehr an Identitäre zu spenden

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker hat am Freitag verkündet, dass von nun an keine Spenden mehr an die Identitären geleistet werden….

Aus den Zahlungen, die diese Mitglieder an insgesamt drei Vereine leisten, nahmen die Identitären seit 2012 mehr als 700.000 Euro ein.
(Quelle: Heute…)

Offenbar verstehen sich Rechtsextreme in und außerhalb der Regierung eben nach wie vor bestens, wohl weil sie im Grunde auch dieselben Vorstellungen und Ziele teilen.

Mit einem rechtsextremen Innenminister haben wir hierzulande den Bock zum Gärtner gemacht.

Die offenbar widerrechtliche Durchsuchung des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung dürfte ja vielleicht doch auch dem Zweck gedient haben, sich selbst über den Stand der Ermittlungen in Bezug auf Rechtsextreme in Kenntnis zu setzen.

Stellen Sie sich das also ungefähr so vor, als würden sich Mitglieder des organisierten Verbrechens offiziellen Zugang zu Akten über die Tätigkeit der Mafia verschaffen können.

Am Besten wäre es dann für diese Leute, wenn einer ihrer Anführer gleich Polizeipräsident oder, na sagen wir beispielsweise, Innenminister wäre.

Zwar gibt es bisher keinen Hinweis auf verbrecherische Handlungen von Seiten derzeitigen Innenministers, doch wenn es um die Beobachtungen von vielleicht staatsgefährdenden rechtsextremen Umtrieben geht, ist ein rechtsextrem angehauchter Innenminister genau die falsche Person, um für einen effizienten Schutz unserer Demokratie zu sorgen.

Dass unser ausschließlich an seinem Machterhalt interessierter Herr Bundeskanzler die Verstrickungen seiner mitregierenden rechtsextremen Genossen nicht thematisieren will, wundert mich jetzt auch nicht wirklich.

Wegschauen und durchhalten ist hier offenbar die Devise von Herrn Kurz.

Persönlicher Machterhalt oder ins rechte Eck verzerrtes Weltbild können wir an dieser Stelle nicht voneinander unterscheiden, weil sich unser Herr Bundeskanzler in der hohen Kunst politischer Schweigsamkeit übt.

Auf jeden Fall steht sein persönliches Interesse über dem Wohl unserer Gemeinschaft, dem er eigentlich verpflichtet ist: Von Judenzählung über rassistische Videos, von Kriegserklärungen an Nordafrika bis zu Verwicklungen mit gewaltbereiten Rechtsextremen, von nationalsozialistischem Liedergut bis zum Angriff auf die Erklärung der Menschenrecht lässt sein rechtsextremer Bündnispartner keine Gelegenheit aus, seine wahre, freche und unmenschliche Gesinnung zu demonstrieren. Doch der Kanzler findet maximal ein paar einschränkende Worte zu diesen Ungeheuerlichkeiten, denkt aber offenbar nicht einmal im Traum daran, sich von den rechtsextremen Steigbügelhaltern seiner Kanzlerschaft aus politischer Anständigkeit zu distanzieren.

Dass dabei das Ansehen Österreichs ebenso wie die Empfindungen aller nicht rechtsextrem Verblendeten in diesem Land mit Füßen getreten werden, spielt für einen wahrlich kühlen Kopf offensichtlich keine Rolle.

Nun, ich scheine mich hier in eine gewisse Erregung hineingesteigert zu haben, aber irgendwo musste das jetzt doch einmal klar gesagt werden.

Im Übrigen möchte ich immer noch gerne erfahren, wann wir jetzt unser heldenhaftes österreichisches Bundesheer aussenden werden, um die niederträchtigen nordafrikanischen Staaten militärisch in die Knie zu zwingen.

Nur für alle Fälle habe ich schon meinen kleinen Erdkeller zu einem schamanischen Luftschutzbunker umgebaut. Natürlich ist er absolut geisterfest.

Die traurige Tatsache, dass jetzt gerade in diesem Moment die mittelalterliche Kathedrale Notre-dame in Flammen steht, dürfte hingegen nicht auf die Einwirkung der österreichischen Regierungspolitik zurückzuführen sein, zeigt aber die Vergänglichkeit auch und gerade des Kostbaren auf.

Emotional macht mich dieses Ereignis traurig und betroffen, wie immer wenn etwas Unwiederbringliches für immer verloren geht.

Genau deshalb weil wir auf einem kleinen blauen Planeten vergänglich und zerbrechlich durch ein räumlich nahezu unfassbar großes, zeitlich nahezu unermesslich altes und zuweilen aus unserer Sicht betrachtet noch dazu ziemlich rücksichtsloses Universum treiben, müssen wir uns unsere Menschlichkeit ebenso bewahren wie das Ursprüngliche, das Authentische und auch das Wilde Natürliche dieser Welt.

Nicht nur bei uns läuft die Sache der Menschheit aus dem Ruder. Hier noch eine unglaubliche Nachricht aus dem nicht allzu fernen China, einfach nur zum Nachspüren.

Rund eine Million Menschen dieser elf Millionen umfassenden Gruppe soll derzeit in Umerziehungslagern sitzen. Doch nicht nur die Einschränkung der Meinungsfreiheit, insbesondere als regierungskritisch wahrgenommener Äußerungen, sorgt für Besorgnis. Wie die „New York Times“ berichtet, nutzt der Staat Hightech-Methoden, um die Uiguren besonders penibel zu überwachen. Dabei soll Künstliche Intelligenz gezielt auf Basis ihres Aussehens nach Uiguren fahnden und minutiös dokumentieren, wann sie sich wo aufgehalten haben…..

Man macht sich dabei zunutze, dass die Vertreter dieser Volksgruppe sich äußerlich oft merkbar von der Bevölkerungsmehrheit der Han-Chinesen unterscheidet.

Eingesetzt wird die Technologie SenseNets, die vom Unternehmen SenseTime stammt, aber nicht nur in Xinjiang. Auch in anderen Provinzen wird es von Behörden installiert. Etwa auch in Fujian, das geografisch mehr oder weniger am „anderen Ende“ des Landes liegt. Und in der zentralchinesischen Stadt Sanmenxia seien heuer allein in einem Monat schon 500.000 entsprechende Scans durchgeführt worden. Oft wird das System aus smarten Kameras allgemein als Mittel zur Identifizierung von Minderheiten bezeichnet, laut Insidern ist es aber ausschließlich gegen Uiguren gerichtet….

Die Verwendung von Kameras und KI für „ethnisches Profiling“ könnte auch zu einem existenziellen Problem für demokratische Staaten werden, fürchtet der KI-Forscher Jonathan Frankle vom Massachussetts Institute of Technology (MIT). Denn manche der Firmen, die derlei Technologie anbieten, streben eine Expansion ins Ausland an. Damit wird ihre Technologie dann auch für andere Regierungen verfügbar. Das besorgt den Forscher, der das Potenzial für einen Überwachungsstaat sieht, der selbst jenen der ehemaligen UdSSR in den Schatten stellt: „Wir schlafwandeln in eine akute Krise.“

derstandard.at/2000101424069/China-nutzt-KI-fuer-ethnisches-Profiling-einer-Minderheit