Der schamanische Leckerbissen….bleibt weiterhin traumhaft. Zur Traumdeutung aus schamanischer Sicht, Teil 4.

„Bevor der Traum uns ganz entschwindet, such etwas, das ihn an Dich bindet. Dann kannst Du ihn in Ruhe lesen, denn sonst wär´s wohl nur Schaum gewesen, was Dich als Traum so sehr beschäftigt. Doch jagst Du Kraft, wirst Du gekräftigt und Traum und Wirklichkeit verschwinden,…

….weil sie sich umeinander winden, bis eine neue Sicht entsteht, die sich dann um den Träumer dreht und ihm als Wirklichkeit erscheint. Wozu auch der Schamane meint, dass es die Wahl zu träumen sei, die uns sanft zeigt, wohin sich wenden. Der Traum ist stark und hat zwei Enden, die ineinander leicht verschmelzen. Deshalb auch staken wir auf Stelzen durch Wasser, die der Traum erzeugt, solange bis er uns verschlingt. Danach ist es der Traum der singt und wir in seiner Mitte träumen, und dann, beginnen wir aus Schäumen und Fallen gar ins Bodenlose uns neu zu träumen und erwachen im Sitz der Kraft, die uns umfließt, und können mit den Feen lachen.“
Diesen uns vor einiger Zeit zugespielten Text über den Traum wollten wir Ihnen auch nicht vorenthalten und haben ihn daher an den Anfang des jetzigen schamanischen Leckerbissens gestellt. Er dient der hehren Absicht, Ihnen die Dynamik des Traumes zunächst ganz intuitiv näherzubringen.
Danach kehren wir direkt zu unserem Leckerbissen der Traumdeutung zurück. Und hier ist er auch schon….

Zur Traumdeutung aus schamanischer Sicht, 4. Teil Bearbeiten

 

Hier wollen wir Ihnen nun die fantastischen Träume des Herrn Hutto Wu Ko Wit Tscho vorstellen.

Diese wurden von uns bereits vorsorglich nach Kategorien geordnet, sodass wir Ihnen hier nun mit größtmöglicher Leichtigkeit je einen spezifisch bedeutsamen Traum zu jeder der sechs oben angeführten Ebenen der Traumdeutung anbieten können.

Lassen wir ihren Erzähler, Herrn Hutto Wu Ko Wit Tscho, ruhig gleich in der Ich-Form seine Träume berichten.

  1. Der psychologisch bedeutsame Traum.

Ein Traum aus meinen Kindheitstagen in Japan. Ich wache aus dem Schlaf auf und sehe meine Mutter direkt vor mir im Kinderzimmer stehen. Sie hat struppiges Haar, rotglühende Augen und spitze, nahezu einen halben Meter lange Fingernägel, mit denen sie mit ausgestreckten Armen nach mir weist. Ich habe entsetzliche Angst, als sie näherkommt. Wahrscheinlich will sie mich fressen. Ich springe auf und laufe die Stufen unseres Hauses hinauf, bis ich zur Dachluke komme. Sie verfolgt mich lautlos, aber sehr zielstrebig.

Ich betrete das Dach und beginne zu rennen. Sie hinter mir her. Ich springe nunmehr in wildem Lauf von Dach zu Dach über die Häuser von Tokyo. Sie verfolgt mich unablässig. Schließlich, knapp bevor sie mich erwischen kann, wache ich schreiend und schweißgebadet in meinem Bett auf.

Deutung des Traumes:

Die Mutter wird hier offenbar als verrückte und gefräßige Hexe wahrgenommen, was auf ein zumindest etwas ambivalentes Verhältnis des Probanden zu seiner Mutter schließen lässt. Die Flucht über die Dächer von Tokyo scheint dem heimlichen Wunsch des Flüchtenden nach einem Ausweg aus seiner schier ausweglosen Lage zu entsprechen, und zeigt darüber hinaus das Streben desselben nach Höherem im Leben auf. Zumindest bis zu den Dächern der Stadt möchte er offenbar aufsteigen. Dass die verrückte Mutter-Hexe das ihr wohl im realen Leben weitgehend ausgelieferte Kind schließlich erwischen kann verwundert uns nicht weiter. Immerhin gelingt es dem Probanden jedoch, durch einen jähen Wechsel der Umgebung das gefährliche Dach zu verlassen und rechtzeitig wieder im vertrauten Bett zu erwachen. Trotzdem bleibt in diesem Traum das eher angespannte Verhältnis zur Mutter offenbar bis auf Weiteres noch ungelöst.

2. Der bild- und symbolhafte Traum

Ich sehe mich vor einem See sitzen und erblicke mein Spiegelbild in den Wellen. Es sieht irgendwie wie ein großer schwarzer Gorilla aus, der sich seltsamer Weise die langen Kopfhaare mit einem silbernen Kamm kämmt. Auf dem See kräuseln sich die Wellen und plötzlich entsteigt etwas dem blaugrünen Wasser vor mir.
Bei näherem Hinsehen handelt es sich bei dem Gegenstand, der jetzt scheinbar schwerelos auf der Oberfläche des Sees zu stehen scheint, um eine kostbare Geige. Ich strecke die Hand nach ihr aus und sie treibt näher und näher an mich heran. Als ich sie fast berühren kann, ertönt plötzlich hämisches Gelächter und das feine Instrument versinkt direkt vor mir im Wasser des Sees. Ich erwache im selben Moment, meine Hand noch sehnsüchtig nach der Geige ausgestreckt, in meinem Bett.

Deutung des Traumes:

Der Gorilla steht angeblich für Unberechenbarkeit und Gewalt. Bei genauerem Überlegen mag das ja sein, obwohl solche Impulse bei dem Probanden bisher nicht bekannt sind. Der Kamm soll Kummer über Verluste bedeuten, oder den Versuch, Ordnung zu halten. Letzteres würde ich im Fall unseres Probanden aber eher ausschließen. Silber kann für Geld stehen, das Mondlicht repräsentieren oder das verdrängte weibliche Prinzip im Probanden andeuten. Die Geige stellt womöglich ein sexuelles Symbol dar, wobei bei dem Symbol der Geige aber völlig offen bleibt, ob sie für weibliche oder männliche Erotik steht, weil sie als Bild gleichzeitig weibliche Rundungen und eine phallische Ausdehnung nach vorne beinhaltet. Jedenfalls verschwindet sie wieder im See. Die erotische Erfüllung bleibt also für den Probanden offenbar gänzlich unerreichbar. Der See steht selbstverständlich für die tiefe und stellenweise recht aufgerührte Gefühlswelt des Probanden. Das Gefühl hat also die Erotik verschluckt, was immer das jetzt auch genau bedeuten soll.

Der Probant, wie uns bekannt, sah niemals wie ein Affe aus. So mancher, der ihn träumend sah, hielt ihn für Bruder Nikolaus. Doch auch der zweiten Ansicht fehlt, was sie dem Wahren zugesellt. Denn es ist einfach nur verzückt Sein, was hier dem Träumenden zu Eigen. Er kann sich still nach hinten neigen, ekstatisch mag er gar entrückt sein.

Der Proband hat uns unter anderem von einem Erlebnis aus seiner Jugendzeit berichtet, wo ihn ein Mädchen angeblich mit einem ekligen und überaus behaarten Gorilla verglichen hatte. Ob dieses Erlebnis jetzt aber in eine rein symbolische Traumdeutung einfließen sollte, kann an dieser Stelle nicht wirklich geklärt werden.

Im See fischen soll nach indischer Traumdeutung ankündigen, dass der Fischende eine böse Frau bekommen werde. Der Proband ist jedoch sehr glücklich verheiratet, sodass diese Deutung aus ganz pragmatischen Gründen hier ausgeschlossen werden kann. Wie wir in unserem Buch „Symbolische Deutung der Träume und Gesichte“ nachlesen konnten, wird hämisches Gelächter im Allgemeinen als schlechtes Omen betrachtet. Das haben wir uns allerdings an dieser Stelle ohnehin schon selbst gedacht.

Schließlich bleibt an nur noch zu sagen, dass die symbolhafte Deutung der Träume im Allgemeinen meist nicht zu überragendem Erkenntnisgewinn auf Seiten des Träumers zu führen scheint.

Ganz anders verhält es sich hingegen bei den nächsten hier von uns angeführten Traumdeutungen, der schamanisch-spirituellen und der nagualistischen.

So oder so ähnlich sieht es aus, entführt der Traum Sie in sein Haus. Hat dieser Traum dann sogar Kraft, so bleibt nichts auf dem alten Sockel. Nein, ganz wie ein eitler eitler Gockel verliert die Regel des Normalen sich in dem Traum und muss entfallen, während der Traum ganz Neues schafft.

Lesen Sie weiter im nächsten Teil des Blogs unter dem Titel:

Zur Traumdeutung aus schamanischer Sicht, 5. Teil, oder „Wie die intensive Beschäftigung mit dem Traum mein Leben für immer veränderte und mich reich und glücklich machte….

Anmerkung zum Titelbild:
Ist das nicht wirklich eine traumhaft schöne Rose?

Das neue Beitragsbild für diesen Leckerbissen zeigt die Traumschlange, wahrscheinlich gerade auf ihrer beständigen Suche nach der Traumessenz.