Der schamanische Leckerbissen, Nagual und Schamanismus, Teil 2

Selbst das ist noch nicht Alles

Einige wesentliche Thesen zum Schamanismus stehen hier noch aus.
Dabei soll es um die Bedeutung eines lebendigen und wirksamen kosmischen Mythos als schamanisches Orientierungssystem im magischen Kosmos gehen.
Außerdem um jene Kraft, die in ihrem Kern, beispielsweise in der kinetischen Trance, als nicht-duale Wirklichkeit erfahren werden kann und aus der sich jegliche anderer Aspekt der Realität auf spiritueller Ebene ergibt.
Weiters wäre es vielleicht gut, über die verschiedenen Tore zur magischen Realität zu sprechen, die eben entweder durch eine Vorstellung des Hinübergehens in die Andere Wirklichkeit der Schamanen geprägt sein können oder, wie bei uns im Nagual-Schamanismus, durch einen Zugang zur Unmittelbarkeit der Kraft.
Im zweiten Fall verwandelt sich nämlich genau die schon hier vorhandene Alltagswirklichkeit unter anderem durch ihren verborgenen Nagual-Aspekt in die magische Wirklichkeit des Schamanen.

Kehren wir noch einmal zu der hier am Anfang des Krafttier-Blogs erwähnten Gruppe schamanisch Praktizierender zurück.

Heimlich denke ich mir dabei gerade, dass Schamanismus zwar tatsächlich allgemein als Weg der Kraft bezeichnet wird, es aber dennoch gar nicht so oft vorkommt,….

Laut sage ich aber nur:
„Begnügen wir uns hier mit der zutreffenden Bemerkung:
Wirkliche Schamanen gehen sicherlich den Weg der Kraft.
Was aber nun eine andere Frage aufwirft:
Wie werden Sie nun wirklich zum Schamanen?“

„Einfach, ganz einfach“, höre ich da wieder Einige von Ihnen sagen.
„Wir machen diesen Kurs und dann jenen, noch ein paar zusätzliche Seminare für Fortgeschrittene, besuchen einen oder mehrere ethnische Schamanen in deren Herkunftsland, um uns die ganze Sache mal im Originalkontext anzusehen, dann folgt dieses oder jenes Ritual und schon sind wir Schamanen.“

Wie lange das dauert?

Nun ja, im Schnitt so drei, vier Jahre, höre ich da.

„Nun gut“, denke ich. „Diese Leute verstehen offenbar unter dem Begriff Schamane doch etwas ganz Anderes als ich es tue.“

Laut sage ich nur:

„Wunderbar. So schnell geht es bei Ihnen.
Leider können wir Ihnen das auf unserem Weg so nicht anbieten.
Da werden Sie unter sieben Jahren intensiven Lernens und ohne eine Reihe kraftvoller Einweihungsschritte einfach eher nicht zum Schamanen.“

Klappe. Sie verstehen schon. Genau hier vor dem Abgrund muss die Klappe einfach fallen.

Der Abgrund den Schamanen ruft, der ihm dann folgt und auch versucht, die Welt am Abgrund zu verstehn. Das kann natürlich gar nicht gehn, weil diese Welt im Wahnsinn schwimmt. Mit Abgrund lesen Kraft gewinnt, wer sich der Wildnis anvertraut. Die Welt hingegen tanzt am Abgrund tief verschleiert als des Wahnsinns stumme Braut. Die letzte Zeile ist hier keinesfalls als Anspielung auf das hierzulande erfolgte indirekte Verschleierungsverbot für muslimische Frauen gemeint, obwohl dieses aufgrund der dabei abhanden kommenden religiösen Ausdrucksfreiheit wohl ebenfalls zu den Symptomen weltlichen Wahnsinns gerechnet werden darf. Mit dieser Bemerkung wiederum sollen keinesfalls an dieser oder irgendeiner anderen Stelle meiner Texte die Verschleierung muslimischer Frauen und das damit verbundene Frauenbild auch nur irgendwie gutgeheißen werden. Wissen Sie was: Vergessen Sie die Sache mit der Verschleierung jetzt kurz einmal wieder und wenden Sie sich doch dem hier abgebildeten Abgrund zu. Ist er nicht wirklich wunderschön? Wahre Schamanen lieben den Abgrund. Wahrscheinlich erinnert er sie an ihre eigene Waghalsigkeit, sich dem Weg der Kraft so ohne Weiteres immer wieder ganz und gar auszusetzen.