Der schamanische Leckerbissen, wieder einmal aus meinem Buch….

Die neueste Zeitreise mit dem schamanischen Leckerbissen führt wieder in mein Buch zurück.
Dort begegnen wir sofort einem ganz besonderen Text.
Dieser Text begann genau an der Stelle, wo ich meiner Grafikerin dafür, dass es ihr wundersamer Weise gelungen war, meine schamanischen Kraftlieder in die virtuelle Ausgabe meines damals gerade neu erschienenen Buches einzubauen, gleich einmal eine besondere schamanische Ehre zuteil werden lassen wollte.

Meine Begeisterung kannte wirklich keine Grenzen mehr, doch sie wandte sich kurz darauf einem völlig anderen Thema zu.

Die Fotos, welche diesen Text verzieren sowie das Beitragsbild, stammen mit einer leicht erkennbaren Ausnahme aus der Reihe „Feuerspirit“, welche während des letzten Feuerlaufs entstanden ist.

Einige Ihnen unter anderen Begriffen wohlbekannte technomagische Phänomene und ihre Bedeutung….

O Wunder! Durch ein technisch von mir nicht wirklich nachvollziehbares Mirakel gelang es meiner fantastischen Grafikerin die Lieder ohne jegliche Verlinkung magisch direkt in dieses großartige Buch zu bannen. Ich überlege mir nunmehr ernsthaft, meiner Grafikerin den Ehrentitel Zauberwesen des Jahres 2016 zu verleihen, der mit besonderen Vergünstigungen von Seiten der alpinen Feen verbunden ist.

Oje, sie hat abgelehnt. Die Vergünstigungen der Feen waren zugegebener Maßen ihrerseits wieder mit sehr viel Bergsteigen und der Erledigung einiger dringender Feenanliegen verbunden. Nun ja, die Feen sind eben etwas kapriziös. Genau wie meine Grafikerin. Die hätten doch wirklich sehr gut zusammengepasst! Aber was kann man tun. Jetzt ist es misslungen und beide Seiten sind beleidigt. Ich verstehe das nicht ganz. Es war Alles von mir doch nur so gut gemeint. Wirklich.

Apropos Magie und Technik:

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass in einer Welt, die technikgläubig statt magiegläubig ist, ein Teil des technischen Zusammenlebens der Menschen nur aufgrund gemeinsam praktizierter Glaubenssätze, die das reibungslose Funktionieren derselben beschwören, auch tatsächlich funktioniert?

Den wohl endgültigen Beweis für diese Behauptung erbrachte für mich meine erste Zeit als neu initiierter Autofahrer.

Mehrere Jahrzehnte meines Lebens hatte ich zuvor in einer Stadt gelebt. Dort war mir die Notwendigkeit, ein Auto zu besitzen und damit auch zu fahren nicht weiter aufgefallen. Dann aber verlegte ich mein Leben und Wirken mit einem Mal mitten in die gerade erst urbar gemachte Wildnis des südlichen Mostviertels. Von jenem Zeitpunkt an war es nahezu zu einer Frage des Überlebens geworden, über ein eigenes und autonom fahrendes Fahrzeug zu verfügen. Die Autonomie des Fahrzeugs durfte andererseits aber auch nicht zu weitreichend sein, um mich nicht in Angst und Schrecken zu versetzen. Also ließ ich mich umgehend in die Magie des Autofahrens initiieren und stellte dabei gleich einmal Folgendes fest:

Dass all diese Fahrzeuge nicht ununterbrochen zusammenstoßen ist offensichtlich nicht der Fahrkunst Ihrer oft recht genervten Halter zu verdanken, sondern dem schieren Glauben an das Funktionieren der Technik und der ihr als magisches Metasystem zugeordneten Verkehrsregeln.

Es dauerte jedenfalls einige Zeit bis ich mich an das neue magische System soweit angepasst hatte, dass ich jetzt auch ohne genaues Schauen und vorsichtiges mich an eine völlig unüberschaubare Kuppe in der Landschaft Herantasten mit dem Selbstbewusstsein des nunmehr auch automagisch Bewanderten einfach halbblind darauf los zu fahren wagte. Der Genuss liegt dabei tatsächlich im Überwinden der physikalischen Unmöglichkeiten und in der erfolgreichen Ignoranz aller ebensolcher Wahrscheinlichkeiten.

Da sehen Sie es: Das funktioniert doch nie! Jedenfalls nicht ohne mächtige magische Glaubenssätze, die zumindest meistens das Schlimmste gerade noch verhindern.

Natürlich ist es wie bei jeder magischen Sekte schon besser, wenn Sie zum Kreis der Eingeweihten gehören, das hieße also hier in diesem Fall, einen Führerschein Ihr eigen nennen dürfen. Notwendig für die Inbetriebnahme und das Fahren eines sogenannten Kraftfahrzeuges – man merke den unterschwellig schon im Namen des Vehikels versteckten magischen Hinweis! – ist der Führerschein jedoch nicht.

Was Sie wirklich brauchen, ist eigentlich nur der passende Autoschlüssel und eine ganz minimale Grundkenntnis der Technomagie des Autos.

Eine Tatsache, die natürlich auch nicht unwesentlich zu Ihrem Wohlbefinden als Autofahrer beiträgt, ist ferner der Besitz des Nachweises der richtigen Zugehörigkeit zur jeweiligen lokalen magischen Sekte, der durch die runenartigen Inschriften an der Vorder- und Rückseite Ihres Fahrzeuges festgelegt wird.

Wehe Ihnen also, wenn diese Tafeln nicht mit den örtlich erwünschten und bekannten übereinstimmen sollten.

Sie werden zwar schon seit einigen Jahrzehnten normaler Weise nicht mehr sofort von der empörten Menge fremder Magiegläubiger aus Ihrem Auto gezerrt und an Ort und Stelle gesteinigt – aber mindestens noch völlig grundlos und dafür sehr gewagt überholt (betrifft stadtmagische Kennzeichen im Landsektenbereich) oder ununterbrochen angehupt (betrifft eher landmagische Kennzeichen im Stadtsektenbereich).

Mir als Benützer beider Arten magischer Tafeln sind aus genau diesem Grunde auch beide Verhaltensweisen lokaler technischer Sektenangehöriger nur allzu gut bekannt.

Einmal kurbelte ein religiös besonders eifriger Stadtsektierer sogar sein Fenster hinunter, als ich seiner Meinung nach die Beschleunigungsmagie nach dem Freiwerden des sogenannten magischen Zebrastreifens nicht ausreichend praktizierte – dies hauptsächlich deshalb, um den vor mir befindlichen Fußgänger nicht, ohne Fahrgeld von ihm dafür verlangen zu können, in unmittelbarer Folge meines heldenhaften Beschleunigens sofort unfreiwillig durch einen nicht unwesentlichen Teil der Stadt mitschleifen zu müssen – also der stadtmagisch Indoktrinierte kurbelte sein Autofenster hinunter und brüllte mir durch mein zufällig ebenfalls halboffenes Autofenster hindurch folgenden Satz zu, der sich auf das Fehlen des richtigen Tafelcodes an meinem magischen Fahrzeug bezog: „Gscherder, fohr in Niedaösterreich …“ was sich nahezu wörtlich mit: „Am Haupte Geschorener, möge Er doch sein Fahrzeug nur noch durch Niederösterreichs edle Gefilde lenken“, übersetzen ließe. Der Inhalt bezieht sich dabei auf die niedere bäuerliche Herkunft seines Gegenübers, also meiner Person, sowie auf ein von ihm gewünschtes Fahrverbot mich betreffend, wobei letzteres womöglich gleich für immer den gesamten städtischen Bereich umspannen sollte.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich nahezu 48 meiner inzwischen leider schon auf 57 angewachsenen Jahresringe in eben genau dieser Stadt, aus der er mich magiefahrtechnisch zu entfernen trachtete, erworben hatte, überkam mich bei seinem emotional doch recht engagiertem Ausspruch nur ein gewisses amüsiertes Schmunzeln.

Einige Autofahrerjahre später fällt mir die Technomagie immer weniger und weniger auf. Allmählich glaube ich schon fast, es ginge beim Autofahren wirklich alles mit rechten Dingen zu, und die Tatsache unseres zumeist unbeschadeten Fortkommens im Individualverkehr hinge wirklich nur mit technischen und physikalischen Gegebenheiten zusammen, welche eine solch eigentümliche Art der Fortbewegung auf unserem Planeten nun einmal nahezu problemlos ermöglichten.

Nur bei Nachtfahrten auf der Autobahn packt mich bisweilen noch der Respekt vor dem Rätsel der Technomagie. Da brause ich mit hundertdreißig Kilometern pro Stunde durch die Dunkelheit, während vor mir und mir gegenüber die schwachen Lichtquellen anderer Autofahrer zu sehen sind, und verzichte ebenso wie all diese meine Schicksalsgenossen rücksichtsvoll auf das Einschalten des Scheinwerfers. Nur die Magie des Glaubens an die freie Fahrbahn vor mir hält mich aufrecht sitzend hinter dem Steuer fest. Und es funktioniert tatsächlich.
Ja, wenn das kein Wunder ist….