Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 19 und 20, zweiter Teil, also 20

Ein weiterer Leserbrief in Sachen Huhn, also in meiner Angelegenheit, welcher diesmal jedoch von einem anderen, und zudem sogar viel kritischerem Leser, zu stammen scheint. Nicht dass mich dies hier etwa stören würde.

Wir Hühnervögel lieben Kritik. Zwar lieben wir sie noch mehr, wenn sie in stiller Form vorgetragen wird, als Pantomime vielleicht, oder als zarte Andeutung eines sorgenvollen Lächelns, welches dem Beobachter desselben jeden möglichen Spielraum für Interpretationen der soeben lächelnd vorgebrachten stummen Kritik lässt. Aber auch in geschriebener oder gesprochener Form akzeptieren wir Kritik, solange sie nur demütig und fragend vorgebracht wird. Vor allem lieben wir nämlich alle Arten von Fragen. Fragen helfen uns schließlich ungemein, unsere Ansichten in Form verschiedenster Antworten unter die Leute zu bringen, eine edle Angewohnheit, die für uns Hühnervögel aber durchaus charakteristisch ist.

„Wenn Ihre Hühner tatsächlich so mächtig und klug sind, wie erklären Sie uns dann das Leiden des lieben Federviehs aufgrund industrieller Massentierhaltung und unvermindertem Fleischverzehr? Das passt doch irgendwie gar nicht zusammen….!!

Und wo ist im Übrigen der Hund geblieben, welchen Sie ja in den ersten Sendungen fast jedes zweite Mal zu Wort kommen ließen? Ist er krank?“ 

Dazu folgt hier eine kurze Bemerkung des Chefredakteurs dieser spannenden Zeitschrift:

Nun, auf die erste Frage unseres kritischen Lesers fiele mir zwar sofort eine einfache Antwort ein, nämlich die, dass ein großer Teil der menschlichen Spezies doch ebenfalls in ziemlich unwürdigen und bisweilen gar lebensbedrohlichen Bedingungen lebt, obwohl auch das gar nicht nötig wäre.

Aber wahrscheinlich ist die Antwort im Hühnervogeluniversum etwas komplizierter. Vielleicht tun die Hühner ja nur so und opfern unzählige entseelte Hühnerleiber, nur um uns und unseresgleichen eine völlig verzerrte Realität vorzuspiegeln.

Es mag ja wohl auch sein, dass sich die Hühnergemeinschaft in noch unerleuchtete Zeitgenossinnen, welche ihrem harten Los nicht zu entkommen vermögen und in ganz und gar erleuchtete Hühnervögel, welche die Natur der Welt ununterbrochen zu beeinflussen imstande sind, aufgeteilt hat.

In Wirklichkeit aber verhält sich dort in der Hühnerwelt Alles wohl ganz anders als wir es uns hier überhaupt auch nur im Entferntesten vorstellen können…..

Der Hund ist zwar nicht krank, bekam aber einige Schwierigkeiten von Seiten der Redaktion aufgrund seines frechen Versuches, mich, das ausgesprochen edle und redaktionell ausgesprochen gut vernetzte, Huhn mit Pilzen zu vergiften.

Hier im Redaktionskerker sitzt er nun unter all diesen hektischen Zweibeinern bis er reumütig Besserung gelobt hat. Voraussichtlich wird das knapp vor seinem nächsten Fütterungstermin der Fall sein.

Allerdings hat er sich leider inzwischen wieder dazu hinreißen lassen, meinen folgenden Text mitzugestalten. Zuerst aber, und soviel ist klar, komme das Huhn.

Dass das Huhn zuerst kommt, versteht sich im Übrigen wohl ganz von selbst. Das ist keine Frage der Ästhetik, sondern eine der Erhabenheit.

Zu der Frage des Lesers weiter oben fällt mir natürlich auch so einiges ein. Eines meiner Lieblingslieder zum Beispiel, es heißt: Wumba-Tumba-Schokoladeneisverkäufer von dem andern Stern, und meine Lieblingszeile darin lautet: der Presse sagte er mit Kennerblick „die Erdenmenschen die sind weit zurück“…..

Mehr könnte ich Ihnen jetzt beim besten Willen auch nicht verraten ohne gegen den großen galaktischen Hühnerehrenkodex zu verstoßen.

Kehren wir aber doch lieber gleich einfach wieder zu unserem liebsten und vordringlichsten Thema zurück: Zu Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit oder dem Fehlen einer solchen, letzteres aber auch häufig gerade dann, wenn es auf das Vorhandensein der oben genannten besonders ankäme. Ist Ihnen denn überhaupt schon einmal so richtig zu Bewusstsein gekommen, dass Ihre Aufmerksamkeit gerade in den unpassendsten Momenten abschweift?

Natürlich wohl eher nicht, denn wenn Sie sie abschweifen lassen, können Sie ja nicht gleichzeitig bewusst wahrnehmen, dass Sie gerade dieses Abschweifen vom Wesentlichen zuließen. Sonst wären Sie ja wohl in diesem Augenblick eben ganz bewusst und dann wohl auch hier beim Wesentlichen geblieben. Sie sehen also, meine logische Schlussfolgerung ist gestochen scharf und trifft den Kern der Sache. Ihre Unaufmerksamkeit nämlich, die gerade dann besonders deutlich hervortritt, wie ich meine, wenn es gerade Zeit wäre, besondere Aufmerksamkeit an den Tag zu legen.

Wahrscheinlich liegt es aber gar nicht an Ihrer bewussten Entscheidung, ja nicht einmal an Ihren vielleicht vorhandenen unbewussten Widerständen gegen Präsenz und Gegenwärtigkeit, dass Ihre Aufmerksamkeit im Gegensatz zu der von uns allzeit wachen Hühnervögeln zum falschen Zeitpunkt wieder einmal so schläfrig wird. Natürlich besteht zwischen Mensch und Huhn ein gewaltiger evolutionärer Abstand, und Sie können einfach nichts dafür, dass Sie noch mehrere Millionen Jahre auf weiter unten befindlichen Sprossen der evolutionären Hühnerleiter verbringen werden müssen, bis Sie auch nur annähernd einen uns Hühnern in etwa nahekommenden Entwicklungsstand erreichen könnten. Doch was Sie im wesentlichen Moment an der Konzentration aufs Wesentliche hindert, ist nicht ihr evolutionäres Defizit. Nein, es ist eine Kombination aus zwei verschiedenen, Ihrer Aufmerksamkeit aber durchaus abträglichen Komponenten. Sie werden nämlich, ob Sie es nun wahrhaben wollen oder nicht, beständig kognitiv beeinflusst.

Mehr darüber erfahren Sie, falls es Sie und Ihresgleichen in meiner Welt bis dahin noch geben sollte, aber erst im nächsten Abschnitt dieses Blogs, in welchem leider auch der Hund wieder zu Wort kommen wird, wenngleich nur an relativ unbedeutender Stelle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag 11. Mai 2019
Tag der Begegnung und der offenen Tür.

Sie sind herzlich eingeladen mit uns, unserem Team und unseren AusbildungsteilnehmerInnen in entspannter und gemütlicher Atmosphäre in Kontakt zu kommen.