Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 23

Endlich!

Nur noch ein, zwei Wochen längerer Entzug und ich hätte meine Schnauze wohl schon verzweifelt ganz tief in ein saftiges Gulasch drücken müssen, um das Leben wieder erträglich zu finden.

Das saftige Gulasch darf jetzt zwar trotzdem unverhofft in mein Leben treten, aber ich schwimme zugleich mit allen meinen starken Hundepfoten wieder im Strom der Zeit, tief eingetaucht in den unaufhaltsamen Fluss der Literatur.

Zusätzlich habe ich inzwischen jede Menge guter Vorschläge mitgebracht. Das Hundegefängnis war nämlich schlimm aber inspirierend.

Zum Ersten bin ich auf meine soziale Ader gestoßen. Nicht, dass das etwa etwas Neues wäre, Hunde sind soziale Wesen erster Güte wie ja allgemein bekannt ist. Aber ich habe mich in der Zeit meines Gefängnisaufenthalts noch tiefer mit den Wurzeln der menschlichen Gesellschaft beschäftigt. Mein innerer sozialer Revolutionär ist erwacht. Ich schlage deshalb sofort und umgehend die Einführung einer sechs-Tage-Arbeitswoche vor. Moment, da kommt ein Einspruch von Seiten der Redaktion herein. Die Sechstagewoche ist gar keine neue Errungenschaft? Wir sind gesellschaftlich bereits bei der Fünftagewoche gelandet? In manchen Branchen wird sogar eine Viertageswoche Thema? Das verstehe ich nicht. Ich habe doch klar und deutlich in den Nachrichten gehört, dass in Ungarn, also gar nicht weit von uns entfernt, neuerdings die Sechstagewoche eingeführt wird. Das ist ein Rückschritt? Ach so, das war mir nicht klar. Macht nichts. Meine neue revolutionäre Gesinnung wird sicher ein anderes Anliegen finden, dem sie sich widmen kann.

Aber wir könnten stattdessen eine hundegerechte Bewusstseinserweiterung probieren, wir alle zusammen. Eine Sagjazuallem-Woche beispielsweise, in der es Ihnen auferlegt ist, ständig bei Ihrem klaren Ja zu bleiben. Danach käme dann die Sagneinzuallem-Woche, in der Sie beständig beim Nein bleiben müssten. Vor allem für Ihre menschliche Beziehungsdynamik soll das wirklich sehr interessante Auswirkungen mit sich bringen.

Probieren Sie es ruhig einmal aus. Ausgenommen von der Ja-Nein-Regel ist selbstverständlich die Haustierversorgung. Da müssen Sie schon konstant bei Ihrer Verantwortung bleiben. Aber sonst ist alles egal. Mir zumindest ist es völlig gleichgültig, ich übe mich nämlich seit meinem Gefängnisaufenthalt in erhabener Gleichgültigkeit, einer spirituellen Praxis, welche uns Hunden ja ohnehin mehr oder weniger in die Wiege gelegt wurde.
Die Sache mit der Wiege ist hier wiederum nur symbolisch gemeint. Wir werden zwar häufig gewogen, aber nicht in der Wiege aufgezogen. Trotzdem gefällt mir diese Vorstellung einer Hundewiege irgendwie doch recht gut. Sie schaukelt so schön. Ich fühle mich fast wieder wie ein Welpe.

Davon abgesehen hätte ich noch eine weitere und wirklich ausgesprochen interessante Bewusstseinserweiterung für Sie auf Lager. Es handelt sich dabei um eine direkt aus der Hundeperspektive in die menschliche Wahrnehmungswelt hinüberwechselnde Bewusstheit, eine Art Fährte, auf der das Wild der Wahrnehmung vom Reich der Hunde ins Menschenreich überwechselt, und Sie können es jetzt mit aller Leidenschaft verfolgen. Ja, das klingt auch sehr gut, finde ich.  Verfolgen Sie das Wild.

Ach ja, der Inhalt fehlt noch. Gut dass Sie mich daran erinnern. Es geht nämlich darum, Ihren magischen Geruchssinn zu entwickeln. Gerüche können Sie bei Ihrer begrenzten Riechkapazität am Besten mit unterschiedlichen Farben gleichsetzen. Bei Farben kennen Sie sich, soweit ich weiß, ja jedenfalls ganz gut aus.  Jede Geruchsfarbe entspricht einem bestimmten magischen Moment oder einer magischen Stimmung. Die Geruchsfarbe ändert sich in dem Augenblick, in welchem sich die magische Stimmung ändert. Sie können durch verändertes Schnuppern – oder besser: mit an den Boden gedrückter intensiv schnüffelnder Schnauze feinste Geruchsveränderungen wahrnehmend, den jeweiligen Magiezustand der Umwelt erkennen und ihn durch Verschiebungen des Geruchsspektrums in Ihrem Gehirn verändern. Sobald die Welt anders riecht, ändert sich auch ihr Charakter. Okay, das mit der intensiv schnüffelnden Schnauze, welche dicht an den Boden gedrückt feinste Geruchsveränderungen wahrnehmen kann, war eher auf unsere hündischen Fähigkeiten bezogen.
Sie als Mensch stellen sich vielleicht die Geruchsfarben eher wie bunte Nebelschwaden vor, welche Sie umschwirren und Ihnen die nötigen Informationen über den magischen Zustand der Welt vermitteln. Dann brauchen Sie nur noch die Farbe des Nebels ein wenig verändern und schon fallen Sie aus der gewohnten Welt heraus und in Ihr magisches Dasein hinein, in eine andere magisch erzeugte Welt hinein. Sie verstehen jetzt wohl schon genau, was ich meine.

Üben Sie das ruhig ein bisschen. Man kann, finde ich, eigentlich nie genug leckere Gerüche in der Schnauze haben.

 

Samstag 11. Mai 2019
Tag der Begegnung und der offenen Tür.

Sie sind herzlich eingeladen mit uns, unserem Team und unseren AusbildungsteilnehmerInnen in entspannter und gemütlicher Atmosphäre in Kontakt zu kommen.