Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 3

Darf ich Sie hier gleich einmal an die dramatische Ausgangslage im letzten Teil dieses Blogs erinnern:

Sie fahren Auto, zum Beispiel gerade durch mein Dorf, vielleicht deshalb, weil Sie hier zufälliger Weise auch wohnen. Sie lesen zugleich die Morgenzeitung und nähern sich mit dem Auto deshalb mehr oder weniger stark dem Straßenrand, man könnte also auch sagen, Sie fahren aus Gründen der Ablenkung Zickzack. Ein geschicktes Huhn wie ich flattert auf und schafft es mit einiger Mühe aber ungeheurer Eleganz, Ihrem unberechenbaren gemeingefährlichen Fahrzeug auszuweichen. Sie verreißen das Steuer, weil Sie aus der Ablenkung ganz plötzlich und schreckhaft herausgerissen werden und in eine leider viel zu spät einsetzende Konzentration zurückfallen, einen nahezu sinnlosen Versuch, jetzt noch die Kontrolle über das Unkontrollierbare zu gewinnen. Dadurch gerät Ihr Wagen ins Schleudern und Sie streifen beinahe das Haus Ihres Nachbarn. Kurze Zeit später überfahren Sie noch eine unachtsame Katze. Die hätte lieber auf ihrem Baum sitzen bleiben sollen.
Schließlich kommt das Auto zum Stillstand und Sie sind erledigt.

Es tut uns natürlich leid, dass an dieser Stelle die virtuelle Katze schon zum zweiten Mal überfahren wird. Normalerweise lässt das die Vereinigung zum Schutz digital erschaffener Lebewesen in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz schützenswerter virtueller Lebensformen ja auch gar nicht zu. Diesmal konnten wir aber eine Ausnahme erwirken. Ausnahmsweise ist es also gestattet, die Katze schon wieder von Ihnen als abgelenktem virtuellen Autofahrer überfahren zu lassen. Diese Ausnahmegenehmigung konnten wir nur deshalb erwirken, weil wir glaubhaft nachweisen konnten, dass zum einen, die Katze ja nach dem ersten virtuellen Anschlag auf ihr Leben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon tot war, und dass zweitens, der hier noch einmal angeführte Artikel nur ein Zitat des letzthin angeführten völlig gleichlautenden Textes darstellt.

Allgemein aber sagen wir laut: Viva la gata! Was so viel heißt wie: Es lebe die Katze!, wenn auch auf Spanisch.

Ich als Huhn finde Katzen zwar eigentlich ziemlich eigenartig und wirklich keiner wahren Hühneretikette fähig. Und sie fressen alles Mögliche, aber eben nichts wirklich Nahrhaftes. Der Hund hingegen findet Katzen toll. Am tollsten findet er es, sie Tag und Nacht zu verbellen und bisweilen mit wildem Getöse zu jagen.

Wieso ich jetzt überhaupt über den Hund spreche an dieser wesentlichen Stelle des Textes? Nun ja, das ist mir jetzt irgendwie schon ein wenig peinlich. Aber der Hund und ich, oder richtiger, ich und der Hund, haben uns nach langem Hin- und Herziehen an der virtuellen Hu(h)n(d)- Seite jetzt doch darauf geeinigt, sie eben gemeinsam zu verfassen. Jeder darf jetzt seine wahre Meinung kundtun. Ich tue es aber zuerst. Der Hund hat nämlich wirklich keine Ahnung von einer wahren Meinung.

King Eagle, der stolze Stammvater aller Hühner. Ich glaube, er war mein Urururururururururururururururururururururururururururururgroßvater. Vielleicht fehlt aber jetzt auch ein ur. Ich bin mir da nicht mehr ganz so sicher.

Aber wenn ich an dieser Stelle sein Foto noch einmal in der Öffentlichkeit zeige, ist er weitgehend ruhiggestellt. Soweit habe ich die relativ einfach gestrickte Hundepsyche jetzt mit der überlegenen Klugheit eines wahren Federviehs schon erfasst.

Hier also mein schlafender Coautor, Herr Hund.

Nun, die Katze war ja, wie Sie sich sicher denken können, auch gar nicht das Ziel des Artikels, den wir weiter oben noch einmal vorgezeigt haben. Das Ziel des Autos war sie natürlich schon, aber das haben wir ja inzwischen praktisch wirklich auch zur Genüge besprochen, finden Sie nicht auch?

Nein, es ging einfach nur um Konzentration und Aufmerksamkeit. Ein Korn sehen, ein kurzer Schnabelvorstoß, ein Korn aufgepickt und so weiter und so weiter, Sie können sich das sicher ganz leicht selbst vorstellen.

Der Hund sagt zwar, das könne er nicht, aber er ist eben auch nur ein Hund und denen fehlt bisweilen das einfachste räumliche Vorstellungsvermögen, wie es uns Hühnern nun einmal auf so vortreffliche Art zu eigen ist. Außerdem besitzt er tatsächlich keinen Schnabel, so schwer mir dies auszusprechen hier auch fällt.

Ich muss das Alles jetzt ganz schnell verfassen, bevor der Hund wieder aus dem Mittagsschlaf erwacht und mir dann auch wieder dreinreden will.

Meine Freundin Smeralda hat eine dunkelblaue Decke über ihn gezogen, und er träumt jetzt sicher von einem begeisternden Urlaub unter blauem Himmel.

Schlafende Hunde soll man doch nicht wecken, nicht wahr?, so heißt es doch immer. Ja, wenn Sie das sagen. Da haben Sie natürlich Recht. Und ich auch.

Wenn Sie also entgegen jeglicher guter Hühnersitte zufällig doch Autofahrer sind, oder sich manchmal zumindest in irgendeiner anderen Situation befinden, in der Konzentration auf das Wesentliche gefragt ist, dann müssen Sie sich schließlich nur eines merken:

Zuerst warnend gackern, und dann erst auf die Katze zufahren.

Das hätte ihr wirklich das Leben gerettet. Und Ihnen den guten Ruf.

Ist der Ruf einmal ruiniert, lebt sich´s gänzlich ungeniert, werden Sie vielleicht behaupten. Aber das sehe ich als intelligentes und hochgebildetes sensibles Huhn einfach ganz anders.

Nun, Ihr Ruf ist also dahin. Das Auto ein Totalschaden, vor allem wenn es sich bei der Katze zufällig um ein ziemlich großes Exemplar mit verwegen aussehenden Stoßzähnen gehandelt hatte. Nein, die doch nicht, die leben ja in Afrika oder in Asien, aber doch nicht bei uns.

Das Tier das ich meine beginnt vorne mit Wild und hört schließlich weiter hinten mit Schwein auf.

So eine Katze ist ganz schön widerstandsfähig.

Sie kommt im Dorf aber nur selten vor. Deshalb schreiben wir die ganze Geschichte jetzt etwas um, damit sie gleich noch viel plausibler und anschaulicher wird.

Sie fahren Auto, zum Beispiel gerade durch einen dichten Wald, vielleicht deshalb, weil Sie tief drinnen im Wald zufälliger Weise auch wohnen. Sie lesen zugleich die Morgenzeitung und nähern sich mit dem Auto deshalb mehr oder weniger stark dem Straßenrand, man könnte also auch sagen, Sie fahren aus Gründen der Ablenkung Zickzack. Ein geschicktes Waldhuhn wie ich flattert auf und schafft es mit einiger Mühe aber ungeheurer Eleganz, Ihrem unberechenbaren gemeingefährlichen Fahrzeug auszuweichen. Sie verreißen das Steuer, weil Sie aus der Ablenkung ganz plötzlich und schreckhaft herausgerissen werden und in eine leider viel zu spät einsetzende Konzentration zurückfallen, einen nahezu sinnlosen Versuch, jetzt noch die Kontrolle über das Unkontrollierbare zu gewinnen. Dadurch gerät Ihr Wagen ins Schleudern und Sie streifen beinahe einen mächtigen Baum aus dem Waldbestand Ihres Nachbarn. Kurze Zeit später überfahren Sie noch ein unachtsames Wildschwein. Das hätte lieber auf seinem Baum sitzen bleiben sollen. Oder, falls es zufällig gerade nicht klettern könnte oder zumindest nicht wirklich in der passenden Stimmung zum Klettern sein sollte, hätte es eben im buschigen Dickicht des dunklen Waldes verharren sollen.
Schließlich kommt das Auto zum Stillstand und es ist völlig erledigt. Ihre Nerven sind es inzwischen auch.

Hier der finstere Wald, in dem sich die zweite Version unserer Geschichte wohl zugetragen hat.

Wo aber ist bitteschön jetzt Ihre gesammelte Achtsamkeit geblieben?

Da müssen Sie wirklich noch ein wenig daran arbeiten. Oder Sie lesen weiter im nächsten Teil des Blogs, wo Sie unter anderem auch die wesentlichsten Merkmale wahrer schamanischer Achtsamkeit erlernen können……

Diese Katze hier hat zumindest überlebt und ruht sich nach dem Schrecken über das traurige und herzergreifende Schicksal ihrer virtuellen Kollegin jetzt auf einem extra für Sie bereiteten Katzenhimmelbett aus.

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