Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 9

Endlich wieder hundefrei. Der Hund schläft nämlich schon wieder. Hunde schlafen ja normalerweise schon so um die achtzehn Stunden am Tag, aber dieser ist offenbar zudem noch ein besonders faules Exemplar. Der schläft fast andauernd. Nun, das soll uns hier ja nur Recht sein. Wenn er schläft, kann er sich wenigstens nicht einmischen und mich aus dem Autorenstuhl verdrängen, der hier nun einmal auf jeden Fall ganz und gar mir zusteht, mir, und nur mir allein, falls Sie es jetzt genau wissen wollten.

Ich bin aber schon wieder ein wenig von unserem eigentlichen Thema abgeschweift, und das nur extra zu diesem Zweck, dass Sie lernen sollen, Ihre Aufmerksamkeit noch genauer auf das Wesentliche auszurichten. Das Wesentliche aber bin ich, das schamanische Huhn, oder eben das, was ich Ihnen hier vermitteln will. Vergessen Sie aber dabei nur nicht, dass ein schamanisches Huhn ein naher und direkter Verwandter des stolzen Adlers ist. Diese Tatsache sollte bei Ihnen jetzt schon augenblicklich ein bedeutendes Ausmaß an Respekt ausgelöst haben. Und Respekt ist das Wesentliche, ich meine, neben mir und dem, was ich Ihnen hier gerade beibringen will.

Ohne Respekt ist jegliche schamanische Betätigung wirklich völlig sinnlos, gleichsam, als würden Sie ein Korn oder einen Wurm aufpicken und ihn dann achtlos wieder fallen lassen. Das ergäbe doch einfach keinen Sinn, nicht wahr? Erst aufpicken, dann fallenlassen. Auf und weg mit ihm. Nein, auf so etwas Dummes würde sich ein wahrer Hühnervogel niemals einlassen.

Deshalb ist es umso notwendiger, dass Sie jetzt Respekt zeigen und mir ganz genau zuhören.

Wahrscheinlich haben Sie ja inzwischen längst den ersten Teil unserer schamanischen Übung vergessen. Kein Wunder, der liegt ja auch schon zwei kurze Blogs zurück. Sie als Zweibeiner haben bekanntlich ja kein allzu gutes Gedächtnis. Da können Sie jetzt natürlich gar nichts dafür, das liegt in Ihren Genen begründet. Vergessen Sie deshalb also gleich wieder jeglichen Versuch, Ihrer Vergesslichkeit jetzt gleich Herr zu werden. Es geht einfach nicht. Sehen Sie, schon haben Sie vergessen, was Sie eigentlich gerade vergessen hatten. Vergessen Sie es ruhig. Wir sprechen jetzt lieber wieder über das, was Sie schon vor einiger Zeit vergaßen. Nämlich den Anfang der schamanischen Übung zur Steigerung Ihrer Fähigkeiten zu ungeteilter und magischer Achtsamkeit.

Hier also die Wiederholung des Handlungsfadens, ich meine des Erinnerungsfadens, aber immerhin handelt er ja auch von irgendetwas, und zwar nicht von Ihrem speziellen Vergessen im Besonderen oder Ihrer schon gewohnten Vergesslichkeit im Allgemeinen, sondern von…

…Ihrer Übung zur Steigerung der Aufmerksamkeit.

Das wiederhole ich jetzt nur für den Fall, dass Sie zu den ganz Vergesslichen gehören, also zu Denjenigen unter Ihnen, die dazu neigen, schon direkt nach dem Lesen eines längeren Satzes den Satzanfang völlig ungeniert zu vergessen.

Falls Sie so vergesslich sind, wird es Ihnen aber ohnehin schwerfallen, von meinen genialen Ausführungen so richtig zu profitieren. Ich gehe daher lieber von der Annahme aus, dass sich Ihre Vergesslichkeit eher noch im unteren Viertel möglicher Vergesslichkeitskoordinaten auf einer nach oben offenen Vergesslichkeitsskala befindet.

Die Übung aber begann nun einmal so:

Blicken Sie unverwandt aber entspannt auf etwas Lebendiges vor Ihnen.

Denken Sie dabei aber bitte nicht an Nahrungsaufnahme.

Lassen Sie das Lebendige vor Ihnen zunächst einfach das tun, was es eben gerade so anstellt.

Halten Sie vorsichtshalber aber den nötigen Sicherheitsabstand ein, falls es sich um etwas Großes, Wildes, Gefährliches oder irgendwie Giftiges handeln sollte.

Die Wiederholung unseres Exkurses über die Vermeidung von zu großer Nähe zu Giftschlangen können wir uns, selbst wenn Sie ihn inzwischen ganz vergessen haben sollten, jetzt sicherlich ersparen. Der tut ja auch gar nichts zur Sache. Eigentlich war er sogar Ablenkung in Reinkultur. Und Sie sind vielleicht, ja wahrscheinlich sogar, auf diesen Schlenker hereingefallen.

Ein Schlenker, soviel flüstert mir Smeralda gerade zu, sei laut Duden entweder ein [plötzlich] aus einer [geradlinigen] Bewegung heraus beschriebener Bogen oder ein wieder auf den eigentlichen Weg zurückführender kleinerer Umweg.
Er sei aber bitte keinesfalls mit Schlenkerla zu verwechseln, über welchen Begriff ein schon leicht abgehalftertes Lexikon namens Wikipedia nämlich Folgendes zu erzählen wüsste:

Das Schlenkerla (früher „Zum blauen Löwen“; dieser Name findet sich noch im Wappen; auch Brauerei Heller) ist eine historische Brauereigaststätte in Bamberg.

Das Schlenkerla wurde 1405 urkundlich erstmals erwähnt. Es liegt mitten im ältesten Siedlungsgebiet der Stadt unterhalb des Bamberger Doms. Das historische Gebäude ist sehenswert wegen der Dominikanerklause mit gotischem Gewölbe aus dem 14. Jahrhundert sowie der fränkischen Fachwerkfassade. Ab etwa 1678 ist eine Brauerei in der Gaststätte nachgewiesen.

Die Bezeichnung Schlenkerla geht angeblich auf einen ehemaligen Wirt zurück, der der Legende zufolge beim Laufen aufgrund eines Unfalles (ihn überfuhr ein Pferdefuhrwerk und brach ihm die Hüfte) mit den Armen „schlenkerte“. Sein daraus resultierender ostfränkischer Spottname „Schlenkerla“ übertrug sich im Laufe der Zeit auf die Gaststätte.

Abgehalftert aber hieße, – demselben abgehalfterten Lexikon zur Folge -, nicht mehr und nicht weniger als

[1] umgangssprachlich: abgesetzt, ehemaligen Einfluss nicht mehr habend

[2] umgangssprachlich: heruntergekommen, verwahrlost.

Und damit wäre ja wohl Alles genau genommen schon gesagt, was hier wohl noch zu sagen gewesen wäre.

Ja, Smeralda ist wirklich unglaublich belesen. Das gefällt mir so gut an ihr, ja es gefällt mir sogar wirklich ausnehmend gut. Ich werde Sie in meinen etwas später noch erscheinenden Memoiren ganz besonders ausführlich und so lange lobend erwähnen, bis sie heftigen Schluckauf bekommt, soviel ist jetzt schon sicher.

Den Hund musste ich jetzt trotzdem in diese Zeilen einfügen. Sonst bellt er wieder stundenlang, und das kann ja kein vernünftiger Hühnervogel mit empfindlichen Adlerohren lange ertragen.

Schlenker wird jetzt wohl zu einem meiner Lieblingswörter werden. Dieser Begriff beschreibt das Wesen der Ablenkung doch wie kein zweiter. Ja, ich liebe ihn. Soviel ist klar.

Allerdings geht sich jetzt aufgrund der vielen Ablenkungen die Fortsetzung Ihrer Übung heute nicht mehr aus. Da sehen Sie es wieder einmal: Kaum lassen Sie sich von mir ablenken, schon verlieren Sie den roten Faden der Handlung. Den hätten Sie sich jetzt wirklich nicht so einfach aus der Hand nehmen lassen dürfen.

Aber vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal schon etwas besser bei Ihnen. Ich weiß, Smeralda, Du hast Recht, als Lehrerin muss ich an dieser Stelle ja wirklich immer wieder ausgesprochen geduldig sein.

Lesen Sie also weiter im nächsten Teil des Blogs, direkt zur Hühnerstunde.

Das Beitragsbild ganz oben zeigt natürlich ein kluges Huhn, das sich im hohen Gras versteckt. Der Hund glaubt aber, dass es einen seiner Artgenossen zeigte, nur eben im hohen Gras verborgen. Welches Tier sich nun im hohen Gras verlaufen hat, ist doch wirklich uninteressant. Wichtig ist nur, dass wir Hühner uns niemals verlaufen, das verhindert nämlich schon unser gesunder Vogelinstinkt.

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