Nüchtern betrachtet….auch diesmal wieder von Katharina…..

„Lieber Udo,

Hier, gleich mal so, auf nüchternen Magen, mein nüchterner Text…“

Ich war gespannt, was jetzt gleich kommen würde.

 

„Nüchtern betrachtet ist Schamane werden wie ein sich in einen bodenlosen Abgrund stürzen. Alles schreit „das ist unvernünftig, das geht nicht gut“, aber Du erkennst währenddessen, dass Du fliegen kannst. Und Fliegen ist nun mal eine ziemlich ekstatische Angelegenheit. Und dann weißt Du plötzlich, dass Du nie wieder landen wirst, weil Fliegen Dein eigentliches Dasein ist.

Anders betrachtet:

Schamane werden ist wie ein Treiben auf einem stürmischen Ozean, während Du von einer unaufhaltsamen Kraft bei jedem Wellenberg und Wellental abwechselnd nach unten und nach oben gezogen wirst. Und Du musst das Stück Treibholz, an das Du Dich noch klammerst, schließlich loslassen, nur um zu erkennen, dass Du unter Wasser atmen kannst. Im selben Moment machen Dir die Unendlichkeit und Tiefe des Ozeans keine Angst mehr, weil Du jetzt selbst ein Teil davon bist.“

„Das war mal das Nüchterne“…so schrieb mir Katharina. Und es gefiel mir natürlich gut. Diese Betrachtungen zum Schamane Werden und Schamane Sein waren voll der Glut dessen, der dies vor kurzer Zeit am eigenen Leib erfahren und in der eigenen Seele gespürt hatte.

Mit kurzer Zeit meine ich hier, dass das Erlebnis der Einweihung und des Schamane Werdens  zwar schon ein paar Jahre vergangen aber eben in ihren Auswirkungen immer noch ganz frisch und gegenwärtig ist, als hätte es vor wenigen Tagen erst stattgefunden. Praktisch gesehen braucht es nach der Einweihung auch mindestens noch ein oder zwei Jahre, bis man die innere Veränderung in allen Bereichen des eigenen Daseins schließlich ganz realisiert hat.
Zehn Jahre später aber sähe alles vielleicht schon wieder ganz anders aus, wäre es vielleicht schon durch die verklärte Brille der späteren Betrachtung gesehen, und es bliebe dann wahrscheinlich nur noch das rein Ekstatische, die Freude am Erleben der eigenen Potentiale und die Kraft der Begegnung mit dem Spirit über.

Also war ich mit diesem ersten Teil des Textes wirklich schon hoch zufrieden.

Anschließend an diesen schönen Bericht setzte Katharina aber gleich noch einen zweiten Absatz drauf, der es ebenfalls ganz schön in sich hatte.
Ich will Ihnen diesen jetzt ganz ausnahmsweise auch nicht vorenthalten:

„Jetzt noch was ganz Anderes: Du hast mich doch vor einiger Zeit einmal gebeten, Dir ein bisschen Wolle mitzubringen, damit Du Deine Hochbeete gegen Schnecken schützen kannst. Ich hab bei meinem letzten Besuch bei Dir leider vergessen nachzuschauen, wie das Schaffell an den Hochbeeten befestigt werden soll. Und meine Schafe habe ich leider schon alle verkauft.


In Texing gibt es die Wollwerkstatt, wo alle Schafbauern aus der Umgebung ihre Wolle hinbringen. Die hätten auch unbehandelte Rohwolle. Ich kann dort auch einmal einfach zu den Öffnungszeiten hinschauen, sobald ich wieder bei Dir vorbeikomme. Aber ist das bei Dir jetzt nur die Wolle oder Wolle mit Haut?

Liebe Grüße

Katharina….“

Meine Antwort lautete sogleich:
Selbstverständlich geht es bei Schamanen immer um Wolle mit Haut, und meistens steckt auch noch ein verborgener Wolf darin.

Ich finde im Übrigen, dass der zweite Teil fast noch nüchterner ist als der Erste, obwohl ich glaube, dass ich jetzt bei dieser Botschaft vielleicht schon wieder irgendetwas ganz durcheinander gebracht haben dürfte.
Aber das macht nichts.
Außerdem habe ich ja mit diesem Text schon wieder etwas sehr Feines zum Geschenk erhalten.

Wolle mit Haut. Darin eingerollt: Der schamanische Wolf. Klingt doch einfach toll.

Die Bilder in diesem Beitrag zeigen die wunderschöne Frühlingsblüte in unserem Zentrum in Haag.

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