RedHOTAction 10

Ja, ich weiß. Ich bin schon wieder weg.

Ich meine, ich bin nicht hier im Zentrum anzutreffen, sondern hoch oben auf der magischen Alm, mitten im Ende des Bergsommers.

Dort, wo sich Gemsen, Feen, Himmel, Berge und schamanisch genützte Almhütten mit uns Menschen treffen, mitten in der Wildnis und doch in Geborgenheit und Ruhe, findet die diesjährige schamanische Feier des Feenbergsommers und seines Endes statt.

Genau das wird zwar fast meine ganze schamanische und magische Aufmerksamkeit fordern und mich und uns alle schließlich wohl in einen heilsamen ekstatischen Zustand des Eins Seins mit uns selbst, mit dem Spirit und der wilden Natur versetzen, getragen von der Kraft, die sich überall zwischen den Steinen, in den Bächen, in uns selbst und in den wilden Elementen, die uns umgeben, zeigt.

Da bleibt natürlich fast keine Zeit für eine schamanische Zeitung. Aber der Trotz des Autors hat mich erfasst und….etwas kommt mir zugute….

Nein, ich habe inzwischen noch immer keinen aufmerksamen und sich selbst gänzlich für die gute Sache des Nagual-Schamanismus aufopfernden personal assistant gefunden.

Doch ich werde trotzdem trotzig durchhalten.

Diesmal mache ich keine Pause. Allerhöchstens werde ich den einen oder anderen Artikel der Zeitung ein klein wenig verkürzen. Darunter werden Sie zwar meiner Einschätzung nach doch etwas leiden müssen, aber wer weiß?
Die Damen meiner Redaktion behaupten steif und fest, eine Kürzung nahezu aller von mir verfassten Artikel könnte sich ganz im Gegenteil als für die Lesbarkeit derselben und ganz allgemein für den Genuss des Lesers bei der Lektüre des von mir Geschriebenen schon als sehr günstig erweisen.
Das ist natürlich Unsinn. Ich nehme an, mein Redaktionsteam hat sich einfach nur ausgerechnet, dass kürzere Artikel im Allgemeinen auch weniger Arbeit für eine schamanische Redaktion bedeuten. Aber ich höre wirklich nicht auf Meinungen, welche nur aus schnöden, und wahrscheinlich vor allem einem eben noch nicht vollständig aufgelösten Ego der MitarbeiterInnen entsprungenen, Impulsen herrühren.

Das Wesentliche ist jedenfalls, dass ich trotz meiner nahenden Berggruppenabenteuer mit der Zeitung diesmal nicht innehalte.

Sie werden schon sehen.

Von hoch oben kommend, setze ich per Papierflieger meine unschätzbar wertvollen weil im Allgemeinen ganz unersetzlichen Nachrichten im Tal ab.

Durch magische Kreise von Feen und Hexen fliegend, durch Wirbelstürme und dergleichen in wilde Rotation versetzt, aber schließlich durch das Eingreifen wohlwollender schamanischer Berggeister sicher ins Tal geleitet, werden meine ganz dicht beschriebenen Papierflugzeuge direkt bei einer von mir schon vorsorglich mit ihrem Einsammeln beauftragten Person meines Vertrauens landen, welche dann unverzüglich in akribischer Kleinarbeit die verschiedenen Artikel aus den diversen Anmerkungen auf den Papierflugzeugen heraus zu schälen imstande sein wird. Danach folgt der technische Teil. Mit Hilfe elektronischer Mittel der Kommunikation wie Telefon, Internet und Fax werden die Nachrichten aus der hohen Bergwildnis nahezu mühelos an Sie, Ihren Empfänger gebracht. Da staunen Sie wohl.

Oder Sie würden zumindest staunen, wenn Sie so wie ich aus einer noch vor der Erfindung des Internets oder des Handys tatsächlich existierenden Urwelt stammten.

Aber wie auch immer, Sie erhalten jedenfalls wie bisher Ihre fast schon täglich erscheinenden schamanische Zeitungsartikel, virtuell aber glänzend, klar und durchscheinend, aber nicht zu durchscheinend, damit Sie die Buchstaben jedenfalls noch deutlich erkennen können.
Denn eine völlig geheimnisvoll in unbekannten Runen oder Hieroglyphen abgefasste Zeitung würde zwar wahrscheinlich ganz kurzfristig Ihr gesteigertes Interesse erregen, Sie könnten es aber, so jene Artikel sich alsbald als derzeit leider noch unübersetzbar erweisen sollten, auch in kürzester Zeit wieder verlieren.
Es schaut zwar interessant aus, aber kein Mensch weiß, was da drin steht“…würden Sie sich wohl denken und sich im Geheimen eine andere schamanische Zeitung wünschen, welche Sie auch lesen und deren Inhalte Sie mehr oder weniger erfassen könnten.
Zumindest sollten Sie schon den deutlichen Eindruck bekommen, dass die Inhalte einer solchen Zeitschrift im Allgemeinen doch recht gut erfassbar wären.
Vielleicht läge dann Ihrer Annahme zwar eine gewisse graduelle Täuschung oder besser gesagt, eine gewisse graduelle Selbsttäuschung zugrunde, doch Sie würden sich zumindest mit heiterem Sinne und dem Gefühl, klar über und durch das Gelesene informiert zu werden, der Lektüre desselben hingeben wollen.

Glücklicher Weise gibt es diese lesbare Zeitung ja bereits. Fragen Sie nicht, wo.
Sie halten sie gerade jetzt in Ihrer Hand, wenngleich wohl nur in Ihrer virtuellen.