RedHOTAction 11

Ich glaube, Sie verstehen schon. Zumindest das, was ich Ihnen jetzt gleich mitteilen will. Einfacher wird es für Sie natürlich in jenem magischen Moment, in welchem ich es Ihnen auch tatsächlich nahebringe. Es handelt sich dabei ohnehin nur um eine selbstverständliche Kleinigkeit, …

….und sie zu erzählen oder zu erklären dauert an und für sich auch nur einen ganz kurzen Moment.


 
Sie werden also sicher gleich einmal verstehen, dass dieser Moment jetzt auf Sie zurast, wie eine Sternschnuppe oder gar ein Komet auf einen ahnungslosen Planeten, in dem einem Fall vielleicht von dessen Bewohnern gerade einmal als leuchtendes und erhellendes Phänomen am Nachthimmel wahrgenommen, im anderen Fall Ursache für das Aussterben der Dinosaurier.

Ich möchte Sie aber mit diesen Zeilen jetzt keinesfalls in jene Art kosmophobischer Paranoia versetzen, in welche Sie vielleicht bereits früher einmal durch bestimmte Fernsehsendungen geraten sein könnten, die die mögliche Zerstörung des Planeten, auf dem Sie sich gerade aufhalten, zu ihrem auserwählten Lieblingsthema erklärt haben.

Frei nach dem Motto: Was tun bei einer in der Nähe ausbrechenden Supernova, oder: Wie wehre ich das nächste große schwarze Loch ab, das sich vielleicht schon anschickt, unser Sonnensystem so nebenbei ganz spektakulär zu verschlucken.
 
Nein, ich meine, diese Paranoia vor einer kurz bevorstehenden und unabwendbaren kosmischen Auflösung unserer Existenz macht wirklich keinerlei Sinn.
Da wäre es ja noch besser, die von Menschen verursachte Planetenzerstörung zu bekämpfen, als sich mit den extrem energiereichen Todesstrahlen irgendeines kosmischen Großereignisses geistig abzumühen.

Verlassen Sie sich, schamanisch betrachtet, doch ruhig einmal ganz entspannt auf den Tod. Der wird sicherlich genau dann zu Ihnen kommen, wenn Ihre Zeit reif ist.


Oder, wie es schon der kluge Arzt seinem Patienten mitzuteilen weiß, besteht für Sie gar kein Grund zur Beunruhigung, denn Ihr Herz wird sicher schlagen solange Sie leben.

Eigentlich wollte ich Ihnen aber nur etwas ganz Triviales mitteilen, auch wenn dessen Ursprung im mystisch Transzendenten liegt.
Die Enthüllung also lautet:
Direkt nach zwei tiefen Trancenächten bleibt selbst dem Schamanen nur wenig Zeit und Energie für einen Blog. Andererseits liegt darin ja das eigentliche Problem. Denn eine unserer Tranceveranstaltungen, ja in gewissen Sinn sogar das zentralste dieser wunderbaren Ereignisse, findet alljährlich zu Samhain statt. Samhain können Sie mit dem Öffnen der Tore zur Geisterwelt zu Allerseelen gleichsetzen, und von der amerikanischen Trivialkultur abgeleitet, setzt es sich auch bei uns inzwischen als Halloween durch.

Nach Samhain folgt aber unaufhaltsam der erste November, Allerheiligen im christlichen Kalender, und genau dort sollte jetzt auch der monatliche Redaktionsblog seinen angestammten Platz einnehmen.

Doch das Zusammentreffen von Samhain, unserer Trance und dem Monatsanfangsblog klappt bisweilen nur recht holprig.

Der Schamane befindet sich nämlich direkt nach der Trance noch im Ausnahmezustand. Genau in diesem Zustand aber finden seine sonst so geschickten Finger die klapprigen Tasten seiner elektrischen Schreibmaschine nicht so selbstverständlich wie zu anderer Zeit.

Die elektrische Schreibmaschine protestiert ob dieser unsanften Behandlung, verwandelt sich deshalb nicht wie sonst üblich in einen modernen Computer, sondern bleibt was sie ist.

Das verlangsamt das Verfassen eines längeren Blogs natürlich ungemein.

Nun, das war eigentlich auch schon die ganze, und wie Sie mir jetzt wohl klar zugestehen werden, in Ihrem Kern auch recht triviale, Angelegenheit, über die ich Sie hier zunächst einmal in Kenntnis setzen wollte.

Wenden wir uns lieber gleich von ihr ab und Wichtigerem zu.

Dem beständigen Fehlen meines personal assistant nämlich.
Genau dieses Defizit wirkt sich allmählich schon ein wenig zermürbend auf die Gestaltung meines Privatlebens aus.
Mein Privatleben aber wird, so es sich etwas zermürbt gestaltet, leicht zum Hindernis für mein öffentliches Zeitungsleben.

Deshalb habe ich inzwischen beschlossen, mich klonen zu lassen.

Allerdings ist mir diese Prozedur eigentlich zuwider.

Wie soll das Klonen unter diesen Umständen dann vor sich gehen?
Nach kurzer Überlegung fand ich dafür eine zwar etwas umständliche aber umso genialere Lösung.

Ich schlage vor, Sie lassen sich an meiner Statt klonen.
Natürlich nicht Sie, mein Leser im Allgemeinen, obwohl diese Idee die Zahl meiner Leser sofort zumindest verdoppeln würde. Nein, ich meine vielmehr genau Sie, einen einzelnen, mutigen, unerschrockenen und ganz und gar technikaffinen unter all den anderen zahlreichen Vertretern meiner Leserschaft. Genau Sie nähmen doch vielleicht gern meine Stelle beim Vorgang des Klonens ein.
Ich selbst darf mich zwar ohne Übertreibung zu den einzelnen, mutigen und unerschrockenen Vertretern unserer Spezies zählen, bin aber leider keinesfalls technikaffin, und komme deshalb für das Klonen meiner eigenen Person leider nicht in Frage.
Die geklonte Persönlichkeit, also Ihre geklonte Persönlichkeit, um es hier besser noch einmal genau festzuhalten, könnten Sie mir dann als personal assistant zur Verfügung stellen, gegen einen zwar geringen aber durchaus noch als fast anständig zu bezeichnenden Aufwandsentschädigungsbetrag.
Eigentlich entstünde Ihnen mit Ausnahme des vielleicht eher unappetitlichen Vorgangs des Klonens selbst ja auch gar kein weiterer Aufwand. Sie könnten den Aufwandsentschädigungsbetrag oder –beitrag aber von mir aus auch gerne als Amortisierungsbetrag bezeichnen. Das tut der ganzen Sache doch wirklich keinen Abbruch.

Wichtig ist nur, dass am Ende dieser ermutigenden Aufforderung eine schon länger freigewordene Stelle als personal assistant bei einem freundlichen aber klar auf seine Vision ausgerichteten Schamanen endlich einmal besetzt wird.

Über etwaige Rahmenbedingungen und das Kleingedruckte in Ihrem Anstellungsvertrag können wir uns gleich nach verbindlichem Antritt der Stelle noch unterhalten.

Sie sehen, ich schreibe jetzt bereits hoffnungsvoll Ihren Klon persönlich an.

Seien Sie doch einmal ganz ehrlich:
An den kalten und verregneten Novembertagen, die der gerade herrschenden frühjahrsartigen abnormen Wärmeperiode am Anfang des Monats sicher noch folgen werden, können Sie sich selbst und Ihren Klon ohnehin nicht wirklich klar auseinanderhalten.