RedHOTAction 6

Ach wie gut dass Niemand weiß….Nein, nein, Sie irren sich jetzt gerade gewaltig. Ich bin natürlich nicht das Rumpelstilzchen.

Mein Satz geht nämlich jetzt gleich völlig anderslautend weiter.

Ich weiß schon, dass anderslautend hier vielleicht sprachlich etwas falsch gebraucht wird.

Entgegen anderslautenden Meldungen bin ich nämlich zumeist durchaus orientiert.

Nur die Orientierung in meinem schamanischen Alltagsleben kommt mir zeitweise abhanden, ich meine, sie ist mir wohl inzwischen eben schon zeitweise abhanden gekommen, wie ich eben meine.

Anderslautend gefällt mir aber wirklich gut.

Anderslautend. Das Gegenteil von Fake News. Sozusagen.

Sie verstehen, was ich meine?

Fake News, ein Begriff, der einerseits vor allem dazu erfunden wurde, um die Pressefreiheit in den derzeit existierenden demokratischen Gesellschaften zu untergraben, und andererseits den Versuch Russlands charakterisiert, ebendieselben Demokratien durch die gezielte Verbreitung von Fehlinformationen in Wahlkampfzeiten zu destabilisieren, bezieht sich auf eine angeblich oder tatsächlich mit Absicht falsche Berichterstattung über wesentliche Ereignisse.

Hier sitze ich in meiner Jurte und warte täglich etwa eine halbe Stunde auf das Erscheinen des personal assistant. Aber natürlich meditiere ich in dieser Zeit auch ein klein wenig.


Anderslautend ist hier viel eleganter, lässt mehrere verschiedene Gesichtspunkte zu und gibt der Einseitigkeit einer durch Fake News herbeigeführten Informationsblase von vornherein keine wirkliche Chance.

Sie müssen also nur auf das Anderslautende achten, um Ihre demokratische Würde zu verteidigen. Natürlich wird das auch leichter, wenn Sie zugleich meine zweite politische Anweisung in die Tat umsetzen: Wählen Sie bitte keine Rechtsextremen oder Rechtspopulisten, oder andere derartigen politischen Unholde, unter welchen Namen oder Begriffen auch immer sich diese an Ihre Wahlurnen heranschleichen sollten.

Sie kennen ja vielleicht die Geschichte vom Wolf und den sieben Geißlein. Na eben, jetzt verstehen Sie mich schon, wie ich sogleich nahezu beruhigt annehmen kann.

Ich weiß, dass dieser Redaktionsblog momentan ziemlich märchenlastig oder vielleicht sogar etwas märchenlästig ist, aber manchmal kann ich eben nur auf altes Volksgut zurückgreifen, um neue Volkstümelei damit in Schach zu halten.

Das Anderslautende ist aber auch im Kernbereich unserer Zeitung, also beim Berichten über schamanische Weltsicht und Abenteuer, von relevanter Bedeutung.

Seit der Absendung meiner verzweifelten Flaschenpost mit dem dringenden Aufruf zur Hilfestellung in Form eines personal assistant sind jetzt im Übrigen schon wieder mehrere Wochen vergangen.

Den Ablauf der Zeit kann ich leicht an dieser Redaktionskolumne messen, die Sie hier gerade lesen.  Immer wenn ich wieder an einer RedHOTAction schreibe, ist ein Monat mehr oder weniger um. Ein Monat enthält aber mindestens vier Wochen und ein paar mehr oder weniger zerquetschte Tage. Nur im Februar ist es etwas kürzer.

Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch. Ich nenne zwar einen beträchtlichen Montagskater mein Eigen, befinde mich aber keineswegs in einer Art schamanischer Depression. So etwas liegt mir nämlich schon aus energetischen, spirituellen, ekstatischen und magischen Gründen gottseidank ganz fern.

Aber ich kann trotzdem zählen, eins, zwei, drei, vier, ein paar Tage mehr und schon steht der nächste Monat vor der Tür.

Und immer klopft an dieselbe Tür, meine Tür nämlich, kein geeigneter Kandidat, der sich für den zwar undankbaren aber umso spektakuläreren Posten meines zukünftigen personal assistant bewerben möchte. Das finde ich eigentlich schon ziemlich unfair. Oder etwa nicht?

Ein personal assistant stünde mir meiner Meinung nach ziemlich sicher schon zu. Oder etwa nicht?

Ach was weiß ich.
Jedenfalls sollte der jetzt wirklich bald kommen, nicht der nächste Monat natürlich,  auch nicht der fast unvermeidliche zweiwöchentlich auftauchende Montagskater, sondern eben jene strahlende Lichtgestalt in Form des sehnlich erwarteten personal assistant.

Sie können an dieser Stelle leicht erkennen, dass ich von dieser Idee seit einiger Zeit schon ganz besessen bin.

Ansonsten neige ich eher weniger zur Besessenheit, oder genauer gesagt, ich suche mir meine Besessenheiten auf schamanische Weise lieber selbst aus.

Anderslautend sind unsere Ansichten oft deshalb, weil wir unseren weisen schamanischen Finger genau in die offenen Wunden der Gesellschaft legen, die sich dem Materialismus, der Gier nach Macht und falschem Ansehen verschrieben hat.

Ein wenig anderslautende Anleitung für Ihr Leben tut da ja vielleicht sogar ganz gut.

Auf jeden Fall wäre ein Potential vorhanden, Lebenssinn, Kraft und spirituelle Freude mit dem Alltag und seiner knochenharten Realität so zu verbinden, dass auch aus den Knochen des Alltags die Blume des Verständnisses für das Leben erwächst. Fürs eigene wie für das fremde, also brauchen wir wohl dringend ein Aufwachen von Selbstliebe und Mitgefühl.

Fast genauso dringend bräuchte ich im Übrigen den noch ganz und gar ausstehenden personal assistent, Sie wissen jetzt schon, wovon ich rede, aber leider….

Glauben Sie mir ruhig, ich weiß, wovon ich spreche.

Ich werde all die Arbeit des personal assistant wohl noch ein weiteres Monat wieder selbst machen müssen.

Da könnte man zwar schon bisweilen wie ein Rumpelstilzchen im Kreise springen.

Doch mein Satz zu Beginn sollte trotzdem ganz anderslautend weitergehen.

Ach wie gut dass Niemand weiß, dass ich mich am Riemen reiß.

Hier ist natürlich in meinem Fall der Riemen der Ekstase gemeint.

Beim Reißen an diesem Riemen entsteht unwillkürlich ein glückliches Grinsen, welches sich in Folge dann über das gesamte Gesicht des Reißenden ausbreitet, von einem Ohr zum anderen, und die betreffende Person sieht danach irgendwie einfach ziemlich glücklich aus.

Sagen Sie das aber bitte jetzt nicht weiter.

Vor allem nicht den mitfühlenden künftigen Anwärtern für einen personal assistant – Posten bei einem zuweilen leicht überarbeiteten Schamanen.

Sonst kommt von denen nämlich keiner.

Und ich müsste dann wohl weiter mit besessen wirkendem Blick meiner dahineilenden Flaschenpost nachstarren, bis wieder ein weiteres fröhlich gelungenes Monat zu Ende ginge.

Dieses Bild soll jetzt nicht bedeuten, dass sich die Menschheit bewusstseinsmäßig zuweilen nur im Schneckentempo weiterbewegt, obwohl diese Aussage entgegen anderslautenden Meldungen bei genauer Betrachtung auch durchaus zutreffen könnte.

Das Beitragsbild zeigt den Garuda, einen mythischen Vogel aus Bali, der als Fetisch für die Kraft des Adlers in unserem Altarraum thront.