Spotlight, der schamanische Scheinwerfer….mit einem kurzen Spruch und langem Text, welcher…..

Zuerst wieder der Spruch:

Wenn Frühling schon in Sommer übergeht

der Wind Schamanen oft auch über Berge weht.

 

Als ich diesen Spruch zum ersten Male las, überkam mich plötzlich ein gar eigenartiges Frösteln. Ich geriet innerhalb kürzester Zeit in einen seltsamen Zustand innerer Einkehr, und bevor ich sie noch daran hindern konnte, bahnte sich unter veitstanzähnlichen Verrenkungen meines Körpers eine völlig andere Subpersönlichkeit ihren Weg an die nunmehr stark aufgewühlte Oberfläche meines Bewusstseins, und zwar ausgerechnet eine solche, welche bis dahin wohl ganz unerkannt und unbemerkt in den Tiefen meines Inneren geschlafen hatte. Sie kam mir auf irgendeine seltsame Weise zwar auch wie mein eigenes Ich vor, doch es war ein mich sehr mittelalterlich anmutendes Ich.

Dieses mittelalterliche Ich setzte sogleich zum Sprung an, warf sich auf meinen Computer und begann mit der schriftlichen Ausführung weiter unten folgender mir selbst ja eher peinlicher Überlegungen.

Bei allen meinen Lesern, die vielleicht zufällig dem edlen Bauernstande entspringen, möchte ich mich von Vornherein gleich für die doch recht frechen Betrachtungen meines hier zu Worte gekommenen mittelalterlichen Ichs entschuldigen. Die oben angeführten Betrachtungen sind selbstverständlich oder höchstwahrscheinlich unter Einfluss verschiedenster bewusstseinsverändernder Drogen entstanden und entbehren somit jeglichen Wahrheitsgehaltes. Leider war es mir zu späterer Stunde nicht mehr möglich, den bereits veröffentlichten Text in seine Bestandteile zu zerlegen und allfällige logische Widersprüche oder nicht der Realität entsprechende Teile fachgerecht zu entsorgen. Selbstverständlich hat der Autor dieser Zeilen im nicht wahnhaften Zustand keinerlei Vorurteile gegenüber der bäuerlichen Bevölkerung dieses Landes, sondern hegt ganz im Gegenteil eine besondere Hochachtung für die wichtige, schwere und zeitaufwändige Arbeit aller landwirtschaftlich Tätigen, die uns sowohl im wörtlichen als auch im erweiterten Sinne ja tatsächlich unser täglich Brot beschert.

Trotzdem war es für dieses andere, inzwischen Gottseidank wieder gänzlich und hoffentlich für immer in seiner inneren Versenkung verschwundene Ich, welches jedoch offenbar imstande war, mein übliches sehr vernünftiges Selbst für eine Zeitlang zu verdrängen, im Hinblick auf die vermutete Existenz eines schamanischen Bauernkalenders wohl einfach zu verlockend, der Versuchung zu erliegen, sich diverse Unterschiede zwischen schamanischer und bäuerlicher Lebensweise vorzustellen und die vielen Gemeinsamkeiten beider Lebensarten wie etwa eine starke Natur- und Erdverbundenheit im Interesse einer speziellen Darstellung dieser Phantasie, die zugegebenermaßen einer gewissen situativen Komik nicht entbehrt, hier ganz sträflich und völlig unverschämt zu vernachlässigen.

Hier der leider nicht wirklich sozial korrekte Text:

Ja, vielleicht handelt es sich bei diesem Spruch nur um ein Fragment eines viel längeren und ausführlicheren Spruches mit einer dementsprechend auch viel längeren und ausführlicheren Botschaft.

Doch auch in sich und aus sich selbst heraus betrachtet ist der Spruch einfach stimmig.

Er könnte deshalb vielleicht auch dem klassischen schamanischen Bauernkalender entstammen, einer später leider ganz in Vergessenheit geratenen Schriftrolle bäuerlichen Ursprungs, in welcher die fleißigen Landbewohner und –bewirtschafter Zeugnis von der emsigen und ihnen bisweilen recht unverständlichen Tätigkeit der um sie herumflatternden Schamanen gegeben haben.

Flattern ist hier weder im wörtlichen noch im flatterhaften Sinn gemeint, sondern bezieht sich nur symbolisch auf die fast erstarrte ruhige Lebensform des Landmannes oder Bauers und die im Vergleich dazu sehr aufregende und sich spontan immer wieder neu an diversen Herausforderungen stark entwickelnde Lebensweise des Schamanen.

Der Adler- und Himmelsaltar in unserem Altarraum.

An dieser Stelle wurde ich von bäuerlicher Seite dahingehend kritisiert, dass ja auch die Schamanen häufig vielleicht dem Bauernstand entsprungen sein müssten. Dem halte ich jedoch entgegen, dass mir ein solches Zusammentreffen schamanischer und ländlicher Ursprünge bis zum heutigen Tage noch nicht zugetragen worden ist und wohl auch in Zukunft nicht wird zugetragen werden können, denn der zwar fleißige aber zuweilen doch in seinen überkommenen Lebensvorstellungen lange verharrende Bauernstand kann der geistig zu beweglichen und an völlig anderen magischen Wertvorstellungen orientierten Lebenskunst des Schamanen eben nicht allzu viel abgewinnen. Das galt schon in alter Vergangenheit und es gilt auch, soweit ich weiß, weitgehend unverändert bis auf den heutigen Tag.

Vielleicht verhält es sich aber auch nur so, dass sich Angehörige des Bauernstandes, welche sich im späteren Verlauf ihres Lebens dem munteren Treiben der Schamanen anschlossen, aus ihrer ursprünglichen bäuerlichen Lebensgemeinschaft so sehr herausfielen, dass eine Rückkehr oder auch Rückverbindung zu dieser nicht mehr möglich schien, worauf sie sich in ihren Lebensläufen der bäuerlichen Herkunft nicht mehr gewahr werden wollten oder auch nur die vielleicht ja schmerzliche Erinnerung daran zu vermeiden trachteten.

Welche Bewandtnis es also mit einem angeblichen Treffen schamanischer und bäuerlicher Kunst im späten Mittelalter auf sich haben sollte, ist mir leider somit nahezu völlig schleierhaft geblieben.

Um jedoch jetzt den Schleier des Geheimnisses, der sich ja vielleicht über den oben abgedruckten Spruch zu legen pflegte, für Sie ein wenig zu lüften, werde ich mich hier anschicken, ihn zumindest in seinen einfachsten Teilen kurz zu erläutern.

Dabei können wir uns jedoch getrost auf den zweiten Satz beschränken.

Der Wind weht die Schamanen über Berge.

Das kann nun auf dreierlei Art und Weise verstanden werden. Erstens: Die Schamanen vollziehen Rituale in Form von Bergwanderungen. Das soll ja durchaus vorkommen und zwar sogar bis auf den heutigen Tag. Zweitens: Schamanen scheinen zu fliegen, weil sie sich auch im magischen Raum fortbewegen können und damit imstande sind, gewisse heilsame und kraftvolle Handlungen zu setzen, wie sie der normal Sterbliche nicht zu vollbringen vermag.

Ein anderer Ausschnitt aus dem Himmelsaltar

Drittens: Die Schamanen sind geistig frei und nützen die schönste Zeit des Sommers, um sich mit der Wirkkraft der Natur auf kreative und traditionelle Weise zu verbinden.

Da konnte den einfachen Landmann doch zeitweise nur ein gewisser Neid packen, dem er in der Folge alsbald durch unverständiges Kopfschütteln Raum zu geben wusste.

Wie auch immer: Beachten Sie auch die magische Rolle des Windes in diesem Spruch, und schon wird Ihnen vielleicht so Manches noch viel klarer um die Ohren wehen.

An diesem Bild können Sie erkennen, wie der Hut des Schamanen und die Natur sich ganz harmonisch zu verbinden wissen.

Unzweifelhaft verfügte mein mittelalterliches Ich über einige persönliche soziale Defizite, welche sich aber im Laufe der letzten Jahrhunderte bei mit glücklicher Weise alle zur Gänze wieder gegeben haben sollten.

Allerdings wollte diese wirklich etwas unsympathische mittelalterliche Subpersönlichkeit mein Bewusstsein nicht verlassen, ohne schnell noch den Vorschlag zu machen, sich beim nächsten Beitrag über die vornehmen Damen und Herren der heimischen Jägerschaft auslassen zu dürfen.

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