Stormy Monday, der Montagskater 24 und 25, ….und das genau zu Weihnachten

Wenn ich mir ein Weihnachtsmannkostüm anziehe, merkt der Kater womöglich gar nicht, dass ich im Hause bin. Allerdings ist das andererseits auch für einen Schamanen doch recht unwürdig.

Zum einen sind wir Schamanen nicht automatisch auch Christen. Selbst wenn wir gern feiern und Weihnachten natürlich auch nicht auslassen wollen. Schließlich bietet Weihnachten ja jede Menge guter Gründe für schenken und sich beschenken lassen. Außerdem ist es ja ausgesprochen familienfreundlich, zumindest solange Sie oder ich den traditionell wie ein Damoklesschwert über dem ganzen Weihnachtsritual hängenden Weihnachtsstreit ganz und gar auslassen können.

Den meisten Menschen gelingt das ja eher nicht so gut, weshalb Weihnachten für die Mehrheit unserer Mitbürger eher eine Art Anspannung und Gereiztheit vermittelt, welche aber dann im Laufe des Abends immer wieder zeitweise verdrängt werden kann. Und schon kommt ein gewisser Weihnachtsfriede auf. Dieser hält allerdings den kleinen nervenaufreibenden Herausforderungen des Weihnachtsabends nur bedingt stand. Wenn Sie also beispielsweise Ihren Weihnachtsbaum in Flammen setzen sollten, das Essen zäh, ungenießbar oder auch nur leicht angebrannt schmeckt oder, im Gegenteil, sogar köstlich ist, aber Ihre Familienmitglieder nicht rechtzeitig oder nicht in bester Stimmung zum köstlichen Mahl erscheinen, kann allzu leicht das Schwert des Damokles gerade zu Weihnachten auf Ihr Haupt und das Ihrer Liebsten fallen. Das ist natürlich nichts Neues, das kennen Sie ja schon als alljährliche Routine. Allerdings haben Sie eben keinen Weihnachtskater zuhause, und genau das Vorhandensein eines solchen eröffnet der weihnachtlichen Kunst der Anspannung ganz neue Tore und Möglichkeiten.

Lassen Sie uns zwischendurch auf die spirituelle Bedeutung von Weihnachten zurückkommen. Dafür habe ich mir, um mich mit der anderen Hälfte meines Gehirns schon den möglichen Angriffen von Seiten des Katers widmen zu können, schnell ein wenig Hilfe aus dem Internet geholt.

Die spirituelle Bedeutung von Weihnachten
Viele Menschen glauben, das Fest am 24. und 25. Dezember wäre ein christliches Fest, begründet auf die Geburt Jesu Christi. Tatsächlich ist die Bedeutung von Weihnachten viel universaler, weit hinaus über eine bestimmte religiöse Tradition genannt Christentum.

Am selben Tag feierten die Babylonier die Geburt des Tammuz, die Perser die Geburt des Mithras, der Phryger der Geburt des Attis, die Ägypter die Geburt des Osiris und die Griechen die Geburt des Adonis. Ebenfalls während dieser Zeit im Dezember hielten die Römer ihre betrunkenen Saturnalien zu Ehren von Bacchus, dem Gott des Weines ab. 

In der Tat wurde das christliche Datum von Weihnachten erst im vierten Jahrhundert bewusst gesetzt, um diesen heidnischen Festen zu entsprechen, festgesetzt 337 AD durch Papst Julian I. Bis zum heutigen Tag widerspricht die orthodoxe Kirche diesem Datum als Geburtstag Christi. Insgesamt gab es im Laufe der Geschichte 136 verschiedene Daten, an denen die verschiedenen christlichen Sekten die Geburt des Christus feierten. 

Daher ist es offensichtlich, dass dieses Fest am 25. Dezember nicht christlich, sondern heidnisch und viel älteren und gemeinsamen Ursprungs ist. Die Frage ist: Was ist die universelle Bedeutung dieses Datums, dass die Alten es als Zeitpunkt der Feiern zu ehren ihrer Götter und Retter auserwählten? 

In der nördlichen Hemisphäre markiert der 21. Tag des Monats Dezember die Wintersonnenwende, den Tag, an dem die Sonne ihren südlichsten Punkt erreicht. Dies ist die kürzeste und dunkelste Nacht des Jahres. Nach der alten Kosmologie sind zu diesem Zeitpunkt die physischen Kräfte der Sonne auf der Erde an ihrem Minimum, während die psychischen oder astralen Kräfte der Erde selbst am Mächtigsten sind. Und das Maximum dieser psychischen Kräfte liegt etwa drei oder vier Tage nach dem 21. Dezember, also am 24. oder 25., kurz bevor der Einfluss der zurückkehrenden Sonne zu spüren ist. 

Um Mitternacht, an der Schwelle zwischen dem 24. und 25. Dezember, wenn die Sonne direkt „unter der Erde“ liegt, und wenn das Sternzeichen Virgo, die Jungfrau, am Horizont erscheint, wird der Christus (das göttlichen Bewusstseins) von einer Jungfrau geboren. Diese Geburt signalisiert den Anbruch eines unbefleckten neuen Jahres und symbolisiert den Triumph des Lichts über die Dunkelheit. So wird um Mitternacht, das göttliche Bewusstsein, der „Heiland“, unbefleckt empfangen im Geist, einer Jungfrau geboren, in der dunkelsten Nacht. 

Wenn die mondäne Welt der Welt der Erscheinungen am Dunkelsten ist, ist die spirituelle, noumenale Welt am Hellsten. Das leuchtende Numen überwacht das Erwachen der Welt und kündigt eine neue an. Das kosmische Licht erleuchtet unseren Weg in Richtung unserer göttlichen Bestimmung, unserer „Errettung“, unserer Befreiung und dem Glück und der Seligkeit unserer Seele. 

Das ist die kosmische Bedeutung und Tragweite des 25. Dezembers, der heute als Weihnachten gefeiert wird. Dieses ist in der Tat eine „heilige Nacht“, denn dies ist ein ernster, heiliger Augenblick in der Natur, in diesem kosmischen Zyklus, den wir mit der gleichen Ehrfurcht und Verehrung betrachten sollten, mit der wir eine Sonnenfinsternis und andere Wunder des Universums beobachten. 

Okay, Sie sehen schon: Durch diese vielen zusätzlichen Zeilen, welche ich hier als Hilfestellung in meinen Montagskaterblog einfließen lasse, werde ich mich leider nicht auf die normale Länge eines Blogs beschränken können. Stellen Sie sich also hier und jetzt einmal ganz beruhigt vor, dass der Montagskater 24 zu Ende wäre und Sie einfach mit Teil 25 begännen. Und schon geht es weihnachtlich weiter….. 

Weihnachten – der Sommer der Seele

Diese spirituelle Bedeutung erstreckt sich auf die gesamte Weihnachtszeit und den Winter als Jahreszeit. Die Weihnachtszeit ist für das Jahr, was der Sabbat für die Woche ist: Eine Zeit für spirituelle Reflexion und Regeneration. Es wird gesagt, dass die Nacht die Tageszeit der Seele ist. Das Gleiche gilt auch für den jährlichen Zyklus. Die Winterzeit ist der Sommer der Seele. Der Winter ist die Zeit der geistigen Aktivität, der Sommer die Zeit der körperlichen Aktivität.

John Milton schrieb einmal (sinngemäß), dass er gar nicht erst versuche, im Sommer zu schreiben, weil seine Inspirationen im Winter so viel besser wären. In der Winterzeit unterstützen die kosmischen Kräfte unsere spirituelle Erleuchtung und die Weisen nutzen diese Jahreszeit für ihre spirituelle Erleuchtung und kreative Inspiration.

Fest des Lichts

Deshalb lasst uns diese kostbare Zeit für spirituelle Erleuchtung und Entwicklung und bedeutsame Selbst-Reflexionen und Entscheidungen nicht vergeuden – unter dem Druck des banalen Kommerzes dieser Welt – indem wir uns an physischen Freuden und körperlichen Begierden übersättigen, oder obligatorisch materielle Dinge verschenken.

Möge unser Geben von authentisch spiritueller Natur sein. Möge unser Geben aufrichtig unserer Liebe und Wertschätzung entspringen. Möge die Form („das Geschenk“), die unsere Botschaft von Liebe und Wertschätzung trägt, dieser Botschaft angemessen sein, die jenseits aller Form liegt.

Lasst uns alleine jeder einen Blick tief in unsere Seele tun, so tief, dass wir das Innerste erreichen, wo unsere individuellen Seelen eins werden im Schoß der Über-Seele. Lassen wir uns von dem Licht und der Liebe der Über-Seele erleuchteten. Lasst uns unsere Welt erleuchten mit unserem Licht und unserer Liebe. Lasst uns gemeinsam kreativ unsere gemeinsame Zukunft von Licht und Liebe ins Leben denken.

Dieser Tag ist das Fest des Lichts der ganzen Menschheit, jenseits jeder Religion und jeden Glaubens. Gemeinsam feiern wir unsere kosmische Einheit als Menschheit, das Licht und die Liebe in unseren Herzen und das gemeinsame Schicksal, das uns alle ins das „gelobte Land“ des göttlichen Segens tragen wird. 

Von: Yasuhiko Genku Kimura, Zen-Priester

Der Kater aber behauptet ernsthaft, Weihnachten sei von jeher das Fest der Großen Katze, welches genau zu dieser Zeit stattfände. Während dieses Festes aber sei wiederum jegliche Art der Jagd erlaubt, wenn diese nur auf katzenhaft-schleichende Weise geschähe. Wehe mir, das lässt nämlich nun wirklich gar nichts Gutes erahnen. Der Kater hat sich sozusagen selbst einen religiös begründeten Freibrief für hemmungsloses Ausleben seiner Unarten ausgestellt. Es wird wirklich Zeit, ihn allmählich loszuwerden. Glücklicherweise habe ich dazu gerade zu Weihnachten eine wunderbare und diesmal wohl auf alle Fälle auch erfolgversprechende Idee, welche ich Ihnen, während sich der Kater noch auf meinem Fernsehstuhl räkelt und mein Weihnachtsbier trinkt, schnell und heimlich mitteilen will.

Das Wintersonnenwendfest haben wir Schamanen hier in Haag mit einem kleinen aber sehr magischen heiligen Feuer, mit kraftvollem Rasseln und Singen in unserem Kreis gefeiert. Dabei war die Energie des Winters auf einmal ganz freudig spürbar. Zumindest in diesem Augenblick schien jegliche Überlegung, sich in den sonnigen Süden zurückzuziehen oder einfach trotzig auf den Beginn des Frühlings zu warten, ganz und gar unpassend zu sein. Der Winter zeigte seine Energie und seine Schönheit auf einmal und überraschend, und obwohl es aus von mir hier in der Zeitung immer wieder klar gelegten Gründen keinen Schnee gab, versetzte uns das Ritual mitten in das Gefühl eines feinen kalten und schneereichen Winters hinein, der uns seine reinigende und klärende Kraft schenkte.

Doch von dem weihnachtlichen Fest der Großen Katze habe ich noch nie zuvor etwas gehört. Natürlich verehre ich die Große Katze als göttlichen Kollektivspirit. Trotzdem glaube ich fest, dass sich der Kater dieses Fest zu ihren Ehren nur ausgedacht hat, um sein Spiel mit mir zu treiben.

Aber ich weiß jetzt, wie ich ihn besiegen kann. Ich habe nämlich allerlei alchymische und magische Nachforschungen betrieben, während sich der Kater auf seinem katzenhaften Kongress befand. Inzwischen glaube ich nach der Lektüre einiger mittelalterlicher und arabischer Handschriften, dass der Kater, magisch betrachtet, in etwa die Gestalt eines klassischen Dschinns aufweist.

Das wiederum lässt mich zu einem zwar ausgefallenen aber logisch folgerichtigem Heilmittel gegen das Montagsungetüm greifen. Angeblich ist dieses Heilmittel sogar zu Weihnachten besonders wirksam. Fragen Sie mich jetzt aber bitte nicht, warum. Ich habe es zwar gelesen, aber leider gleich darauf wieder vergessen. Wahrscheinlich ist die Begründung also ohnehin nebensächlich. Hauptsache es wirkt.

Heimlich habe ich mir inzwischen eine orientalisch aussehende Flasche besorgt, mich ganz genau schamanisch vergewissert, dass kein Dschinn in dieser Flasche haust, um jegliche Überbevölkerung in der Flasche zu vermeiden. Dann habe ich Baldrian auf den Grund der Flasche sinken lassen. Baldrian aber können Katzen nicht widerstehen. Außerdem wird die Wirkung des Baldrians noch durch einen besonderen Zauberspruch verstärkt, der den Kater in seine rauchige Dschingestalt verwandeln und ihn gleichzeitig mit der Kraft eines unwiderstehlichen Sogs in die Flasche ziehen soll. Ich muss danach das Gefäß nur noch mit einem magisch aufgeladenen Stöpsel verschließen und ins nächste fließende oder stehende Gewässer werfen. Und schon bin ich den aufdringlichen Kater los.

Okay, ich werde Ihnen das nächste Mal erzählen müssen, ob und wie es wirklich geklappt hat. Mehr als zwei Montagskater in einem will ich Ihnen ja selbst zu Weihnachten jetzt nicht zumuten.