Stormy Monday, der Montagskater 29

Neulich habe ich vom Kater geträumt. Er stand in ganzer Größe vor mir und unterhielt sich sogar mit meinem Traumdouble.

Sie wissen nicht, was ein Traumdouble sein soll?

Okay, ich will es Ihnen ganz kurz erzählen. Aber bitte wundern Sie sich nicht, wenn das jetzt doch ein paar Zeilen in Anspruch nehmen wird. Ganz kurz erzählen ist eben ein relativer Begriff im schamanischen Kontext.

Das Traumdouble eines Schamanen ist eine Art Abbildung seiner Person, welche aber im Traum existiert.

Das macht natürlich nur Sinn, falls der Schamane im Originalzustand Pirscher, also Gestaltwandler, ist.

Ein Träumer braucht naturgemäß kein Traumdouble, und beim Versuch ein solches zu bekommen, würde er nur einen Traumdämon erzeugen, welcher sich mit der ihm zur Verfügung gestellten Magie dann sogleich aus dem Staub machte. Das führt nun tatsächlich nicht zu irgendeinem magischen Vorteil auf Seiten des Träumer-Schamanen und wird deshalb normalerweise auch nicht so praktiziert.

Für den Pirscher hingegen hat es durchaus etwas Reizvolles, ein Traumdouble zu besitzen. Das Traumdouble ist sozusagen der pirschende Schamane in Traumform, also ein in seinen Fähigkeiten zum Träumen nahezu unbegrenzter Träumer. Der einzige kleine magische Wermutstropfen ist die normalerweise vorhandene Grimmigkeit des Traumdoubles. Es ist in gewisser Weise ebenfalls ein Traumdämon oder Traumdaimon, und weist den sympathischen Charakter eines allzeit hungrigen und zornigen Raubtieres auf. Deshalb empfiehlt sich die Anschaffung eines Traumdoubles nur dann, wenn der Schamane sich auf den Umgang mit diesem auch versteht und es bewusst und ohne dazwischen geratendes Ego einzusetzen weiß. Glücklicherweise ist die Verbindung mit einem Traumdouble nicht ganz einfach und bedarf einigen magischen Geschicks und Wissens.

Wenn Sie Castañeda lesen, werden Sie allerdings genau das Umgekehrte finden. Der Träumer erzeugt durch luzides Träumen etwas, das dort als Traumdouble bezeichnet wird. Es ist ein Abbild des Schamanen im Traum, welches dann auch physisch zu erscheinen vermag. Dieses Traumdouble hat zwar denselben Namen wie das weiter oben beschriebene, es handelt sich jedoch dabei um etwas ganz anderes. Dieses Traumdouble zweiter Art – zweiter Art bezieht sich hier nur auf die Reihenfolge des Erscheinens in diesem Blog – ist die bewegliche Traumgestalt des Schamanen, welche er zu beherrschen gelernt hat.

Meiner Ansicht nach ist die Beschäftigung mit dem luziden Träumen aber nicht für jeden angehenden Schamanen geeignet. Es bedarf einer ganz bestimmten inneren Haltung und Veranlagung, um sich dem luziden Träumen relativ gefahrlos hingeben zu können.

Wir im Nagual-Schamanismus setzen vor allem den Traum im Wachzustand als Mittel zum Träumen ein. Dieser kann dann manchmal zwischendurch in den Schlaftraum übergehen, die schamanische Traumkontrolle bleibt jedoch dabei erhalten.

Das Traumdouble erster Art, welches sich nur Pirscher zulegen können, ist kein Abbild des Pirschers im luziden Traum sondern ihm liegt eine magische Dimensionsverschiebung zugrunde. Es stellt den Pirscher in einer benachbarten magischen Dimension dar, in welcher er Träumer ist. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass unser Kraftkörper nur eines von beiden sein kann: Träumer oder Pirscher. Nur durch bestimmte magische Techniken lässt sich diese Zuordnung für kurze Zeit wechseln. Eine dieser Techniken ist eben die Verbindung mit dem Traumdouble.

Der Kater sprach also mit meinem Traumdouble. Sie waren sich nach kurzer Zeit offenbar völlig einig über irgendetwas, das ich aber im Traum nicht so recht verstehen konnte. Sie werden sich jetzt sicher fragen, warum mein Traumdouble erster Art ausgerechnet in meinem Schlaftraum auftreten sollte, wenn es doch, wie oben beschrieben, eigentlich im Wachtraum existiert und die Gestalt des Schamanen als Traumdaimon darstellt. Genau das fragte ich mich an dieser Stelle im Traum natürlich auch. Noch dazu hatte ich offenbar nicht mehr die volle Kontrolle über das Traumdouble, weil es sich eben im Schlaftraum befand und sich dort bis zu einem gewissen Grad offenbar selbständig gemacht hatte. Frechheit aber auch!

Jedenfalls endete sein Dialog mit dem Riesenkater in einem gemeinsamen Lachanfall beider.

Sofort nach dem Aufwachen beschloss ich, mein Traumdouble in Zukunft an eine kürzere Traumleine zu legen. Auftritte im Schlaftraum wären ihm hinkünftig streng untersagt.

Außerdem muss ich mich jetzt wirklich wieder bald einmal daran erinnern, was der Kater vor einiger Zeit an einem unwirtlichen Montagmorgen zu mir gesagt hatte, damals, als er sich ganz unerwartet zu einem sehr aufschlussreichen Gespräch mit mir bereit fand. Da war doch irgendetwas sehr Wichtiges dabei gewesen. Nur dass es mir inzwischen nicht mehr so recht einfallen will. Aber ich werde es mentalisieren, sobald mir die genaue Bedeutung von mentalisieren erst wieder eingefallen ist.

Das Kurzzeitgedächtnis lässt ja ab 50 im allgemeinen nach, und das vor allem dann, wenn der Betreffende, also in diesem Falle ich, weil es mich betrifft, unter Stress steht. Montags stehe ich natürlich immer ein wenig unter Stress, weil mich da zumeist der Kater besucht, zumindest immer dann, wenn ich gerade zu Hause, nicht krank oder sonst irgendwie durch Wirbelstürme, Erdbeben oder Feuersbrünste in meiner Aufmerksamkeit abgelenkt bin. Im Falle der oben angeführten Naturkatastrophen, welche sich in diesem Fall ja in oder um mein Haus herum ereignen sollten, stehe ich aber ebenfalls einigermaßen unter Stress. Deshalb funktioniert das Montagsgedächtnis bei mir aber nicht so gut wie das Gedächtnis an allen anderen Wochentagen. Heute ist natürlich nicht Montag, aber dieser Artikel wurde Montag geschrieben und aus Zeitgründen vor Beginn dieser Sendung, also meines hier vor Ihnen erscheinenden Blogs, aufgenommen. Deshalb haftet ihm noch die Montagsmagie an, welche eben unter anderem auch mit ganz schlechtem Gedächtnis verbunden ist.

Ich muss wirklich dringend etwas Magisches unternehmen, um den Montag zumindest für ein zwei Wochen aus meinem Kalender zu verbannen. Dann kann ich mich sicherlich wieder entsinnen, was der Kater damals zu mir gesagt hat. Sobald ich es wieder weiß, werde ich es an dieser Stelle veröffentlichen, um ihn zu einer Reaktion zu veranlassen. Das verspreche ich Ihnen gleich wieder einmal mit einem großen schamanischen Ehrenwort. Es kann aber vielleicht noch ein wenig dauern, weil ich am Montag häufig vergesse, wie dieser magische Spruch eigentlich lautete, welcher Montage aus dem Kalender streicht.

 

 

 

Samstag 11. Mai 2019
Tag der Begegnung und der offenen Tür.

Sie sind herzlich eingeladen mit uns, unserem Team und unseren AusbildungsteilnehmerInnen in entspannter und gemütlicher Atmosphäre in Kontakt zu kommen.