Stormy Monday, der Montagskater 31

Oh dieser Mai!

 Kaum ist die schamanische Arbeit, welche diesmal im Hochleistungstempo stattfand, vorüber, musste sich der Schamane Ihres Vertrauens gleich einmal nach Italien absetzen. Vorzugsweise wollte er ans Meer fahren. Nicht um zu baden, dafür wären erstens die Wassertemperaturen ja noch lange nicht im grünen Bereich gelegen, sondern einfach nur um auf die scheinbar unendliche Wellenfläche des Meeres zu starren und zwischendurch in einem Cafe bei angenehmer maritimer Luft und freundlichem Sonnenschein eine Tasse Tee zu trinken.

Was erwartete ihn dort jedoch sogleich nach dem Eintreffen? Richtig, das Adriatief. Strömendes Wasser also nicht nur von der Meeresseite her, sondern vor allem auch von oben und ohne jegliche Rücksichtnahme auf schamanische Erholungsbedürfnisse.

Wetterzauber wäre jetzt möglich und angebracht, aber wir Schamanen zaubern eben nicht immer, sondern nur, wenn es das Große Ganze erforderlich macht, also beispielsweise in den Bergen, um bei den Feenwanderungen eine fast perfekte Übereinstimmung mit dem Wetter zu erreichen, welche uns dann hilft, heil und nicht allzu nass an unser jeweiliges Ziel zu gelangen.

Hier am Meer müsste ich mich also schon ganz gewaltig aufraffen um in die weihevolle Stimmung zu geraten, in welcher sich der Wetterzauber ereignen soll.

Tatsächlich verfalle ich derzeit aber eher in den Regenblues, starre aufs Wasser, das zwar vor mir viele hübsche Wellen zeigt, aber eben auch von oben auf mein Haupt herabfällt, trinke keinen Tee im Sonnenschein, nicht einmal unter meinem Regenschirm, weil auch die Italiener während des Adriatiefs nicht im Freien zu sitzen pflegen.

Tatsächlich überlege ich mir schon, ob nicht doch ein kleiner unauffälliger Wetterzauber genau jetzt durchaus angebracht wäre.

Der Montagskater hätte sich längst an mich angeschlichen, wäre ich nur zu Hause geblieben. Nicht dass mir der Kater etwa abginge, nein, das ist wohl kaum der Fall, wenn man bedenkt, welch Ungemach mir das Katzenungetüm so im Allgemeinen schon beschert hat, doch in den eigenen vier Wänden ist es bei Regenwetter irgendwie gemütlicher als in der Ferne, selbst wenn hier das Meer um meine Füße spült.

Inzwischen habe ich beschlossen, die Zeit zu nutzen, um über die ganze Angelegenheit mit dem Kater in aller Ruhe nachzudenken.

Auf alle Fälle sollte ich keinen weiteren Anti-Montagszauber mehr ausführen. Das wirkt einfach zu verwirrend. Zwei Dienstage so knapp hintereinander in einer Woche können selbst einen gestandenen Schamanen schon etwas aus dem Konzept bringen. Außerdem, und wie schon im letzten Montagskaterbeitrag erwähnt, würde sich der Kater vielleicht an die magisch induzierte Veränderung des Wochenablaufs schließlich anpassen und zum Dienstagskater mutieren. Das wäre aber schon deshalb keine wirkliche Verbesserung, weil es dann ja sogar zwei Tage pro Woche gäbe, an denen er mich aufsuchte, nämlich wohl an beiden Dienstagen, und somit auch ganz knapp hintereinander. Da bliebe mir aber praktisch keine Zeit mich von seinen üblen Einwirkungen zu erholen. Nein, ich werde den Montag wohl wieder in sein angestammtes Wochenbett einführen müssen. Dort mag er dann eine Zeitlang bleiben, knapp vor dem Dienstag erscheinend und ganz dicht auf den Sonntag folgend. Es ist wirklich der beste Platz für ihn, selbst wenn er bei mir nach wie vor katerverseucht stattfinden sollte.

Wenn mir nur wieder einfiele, was der Kater in seinem bisher einzigen Gespräch mit mir so alles gesagt haben dürfte! Dann könnte ich es umgehend veröffentlichen und ihn damit zu einer unmittelbaren Reaktion zwingen, welche mir wohl wiederum ein geeignetes Mittel enthüllen würde, ihn ein für alle Mal zu beseitigen oder zumindest vielleicht zu einer anderen Person seiner Wahl weiterzuschicken.

Doch momentan fällt mir der Inhalt des Gesprächs eben noch nicht ein, obwohl ich es schon mit gewissen ungemein wirksamen Erinnerungshilfen zu rekonstruieren versuche. Es kann sich also nur noch um Stunden oder Tage handeln, bis ich wieder alles weiß, was damals geschah.

Bis dahin verstecke ich mich vielleicht am besten irgendwo am Meer, bis zur Unsichtbarkeit verborgen in einem gewaltigen nebelgrauen Adriatief.