Stormy Monday, Montagskater 20

Endlich habe ich es begriffen.
Dem Montagskater-Ungetüm ist mit schlichten und normalen Mitteln des Alltags wie Fallen, Netzen oder Schlingen keinesfalls beizukommen.

Auch Spiegeln zum Zwecke des Erschreckens und Erstarren Lassens des Katzentieres helfen nichts.

Deshalb bin ich inzwischen zum Schluss gekommen, dass es sich bei dem Kater womöglich um ein ganz und gar magisches Wesen handeln dürfte.

Er besteht zwar zumindest zeitweise aus Fleisch und Blut und scharfen Krallen, aber das will in seinem Falle wahrscheinlich ja gar nichts besagen. Denn es könnte eben durchaus sein, dass sich der Kater dieses physische Outfit nur deshalb zulegt, damit er mich besser durch mein Wohnzimmer werfen kann. Als rein geistiges Wesen wäre ihm das womöglich gar nicht so leicht gefallen.

Nein, ich habe es endlich begriffen. Der Kater besteht aus Magie, oder, falls nicht, hat er zumindest genug von dieser in sich, um ganz ordentlich zaubern zu können.

Nur deshalb bin ich bisher mit meinen Anstrengungen, ihn aus meinem Dasein ein für alle Mal zu vertreiben, so kläglich gescheitert. Es liegt ja nicht daran, dass mir nicht selbst jede Menge magischen Potentials zur Verfügung stände. Doch offenbar habe ich bisher meinen Gegner in dieser Hinsicht gar sträflich unterschätzt.

Jetzt, da ich über ihn Bescheid weiß, muss ich auf jeden Fall als nächstes herausfinden, welche genaue Beschaffenheit seine Magie aufweist, damit ich sie mit der meinen unschädlich machen oder zumindest bis zu jenem Grade aufhalten kann, der es mir dann mühelos ermöglichen würde, den Kater mit Leichtigkeit auf die Schliche zu kommen, ja ihn ohne allzu viel des Federlesens aus meinem Universum magisch auszuschließen. Inzwischen überlege ich mir noch, wohin ich danach den so von mir weggewiesenen Montagskater schicken soll.

Wenn ich zum Beispiel vier ältere Brüder hätte könnten die sich in Zukunft gemeinsam um das Untier kümmern. Es bliebe dann ja sozusagen in der Familie, und ein auf meine vier Brüder aufgeteilter Montagskater träte schließlich so selten auf, dass er keinem von ihnen allzu viel Ärger bereiten könnte. Allerdings wäre es vielleicht trotzdem nicht nett von mir, meinen vier älteren Brüdern einen launischen Montagskater anzuhängen. Vier ältere Brüder hätten mich andererseits vielleicht schon beim gemeinsamen Heranwachsen mehr oder weniger ständig genervt. Ich wäre sicherlich eher erheitert bei dem Gedanken, wie sich die vier von jetzt an mit dem Kater herumschlagen müssten. Ich fürchte fast, ich würde es meinen Brüdern zumuten, ganz ahnungslos in die Katerfalle zu tappen.

Das behalten Sie aber bitte jetzt tunlichst für sich. Offiziell denke ich nicht einmal daran, solche schlimmen Scherze zu verüben. Tatsächlich aber macht mir der Gedanke, ich meine hier nur den reinen und ganz abstrakten Gedanken jenseits jeglicher Verwirklichung desselben, auch schon zu schaffen. Für diese brüderlich hässliche Regung in meinem Inneren empfinde ich, wie Sie sich sicherlich leicht vorstellen können, durchaus Scham. Glücklicher Weise habe ich aber gar keine älteren Brüder und meine jüngere Schwester bietet sich als Ziel für diverse Katerüberfälle auch nicht an.

Obwohl sie, seit wir beide unsere Fünfziger schon überschritten haben, auf mich gar nicht mehr ganz so viel jünger wirkt als früher, also beispielsweise in unserer gemeinsamen Kindheit. Irgendwie ist das schon seltsam, wie sich der Altersunterschied allmählich mit zunehmendem Alter verliert.

Für einen intensiv magisch und spirituell tätigen Menschen wie mich, welcher sich rein zufällig als leiblicher Bruder einer magieungläubigen Schwester inmitten eines von Magie gefüllten Universums wiederfindet, ist es einfach kleinlich und würdelos, seine immer noch jüngeren Schwester mit Hilfe eines magischen Katers hereinlegen zu wollen.

Glücklicher Weise wird dieser Blog aber ohnehin mit folgendem Satz enden:

Meiner Schwester geht es gut, sie hat keine wie immer gearteten Kater gesichtet, und falls sie doch einen besitzt beziehungsweise einen solchen für kurze Zeit ertragen muss, liegt es höchstens an den Auswirkungen zu üppigen Alkoholkonsums im Zuge ihrer nächsten Geburtstagsfeier.

Schließlich ist ein ausgewachsener Montagskater ja keine Angelegenheit, die man seiner kleinen Schwester scherzhaft zu einem unserer geschwisterlichen Treffen so mir nichts Dir nichts mitbringen würde.
Nein, ich stelle hier und für alle Zeit vielmehr eindeutig fest: Ein ausgewachsener Montagskater ist keinesfalls Gegenstand von Scherzen oder Witzen auf Kosten magisch viel zu ungläubiger Schwestern.


Der Kater ist nämlich gar nicht so harmlos, wie er Ihnen vielleicht jetzt erscheinen mag, wenn Sie zu lange in seine katzenhaft geweiteten Augen geblickt haben. Dabei wirkt er zwar ganz unschuldig, schnurrt ein bisschen und tut so, als wäre er ein vornehmer und willkommener Gast, oder vielleicht auch eine verlorene Seele, ein verirrter Geist, auf der Suche nach einer neuen und ihm wohlgesonnenen Heimat.

Es ist schwer, diesem Blick aus sanften Katzenaugen da noch zu widerstehen.

Aber das ist alles Täuschung und grober Unfug.

Er, der Montagskater treibt vielmehr sein Unwesen auf meinem Anwesen, welches zwar dem Namen nach ein solches ist, allerdings in der Regel aufgrund seiner doch nicht ganz so beeindruckenden Größe zumeist nicht für ein solches gehalten wird.

Meiner Schwester geht es gut, sie hat keine wie immer gearteten Kater gesichtet, und falls sie doch einen besitzt beziehungsweise einen solchen für kurze Zeit ertragen muss, liegt es höchstens an den Auswirkungen zu üppigen Alkoholkonsums im Zuge ihrer nächsten Geburtstagsfeier.

So endet dieser Teil des Blog jetzt auch wie oben angekündigt.
Doch Sie wissen ja: Fortsetzung folgt…..