Stormy Monday, Montagskater 21

Meiner Schwester geht es gut, sie hat keine wie immer gearteten Kater gesichtet, und falls sie doch einen besitzt beziehungsweise einen solchen ertragen muss, liegt es höchstens an einem ausnahmsweise zu üppig ausgefallenen Alkoholkonsum bei einem ausgelassenen Treffen mit ihren vielen Freunden und Kollegen.  

Das Ende des vorigen Blogteils hat mich selbstverständlich zunächst einmal beruhigt.

Auch Sie, meine geschätzte Leserin, welche sich schon recht besorgt um das weitere, und in Zukunft möglicher Weise recht katerbehaftete, Schicksal meiner Schwester zu Wort hätten melden wollen, dürften anhand der Tatsache, dass es schließlich zu keiner geschwisterlichen Katerübertragung kommen wird, jetzt erleichtert aufatmen.

Und der Autor dieser Zeilen darf sich jedenfalls stolz in den kleinen und erlesenen Kreis jener der Wahrhaftigkeit verpflichteten schamanischen Autoren einreihen, welche selbst im Angesicht familiärer Gefahr noch die Wahrheit aussprechen. Auch wenn Sie als Außenstehende diese Tatsache jetzt vielleicht nicht sofort in aller Deutlichkeit zu deuten oder richtig einzuschätzen vermögen, bleibt ihr Wert für die Allgemeinheit unzweifelhaft bestehen.

Oh dieser Kater! Er verwirrt montags meine Sinne.

Jetzt habe ich ganz vergessen, weiter über seine magische Beschaffenheit nachzudenken.

Genau damit hatte ich ja schon im vorhergegangenen Teil dieses Blogs begonnen.

Kurz danach ließ ich mich von meiner Schwester ablenken.

Dies ist nun einmal um so erstaunlicher, als sie gar nicht vor Ort war und ich zum Zeitpunkt der Ablenkung eigentlich auch gar nicht auf irgendeine Weise mit ihr in Kontakt stand.

Genau genommen war es also nur eine schwesterlich angehauchte Fantasie, die mich dazu trieb, mein eigentliches Anliegen gleich wieder zu vergessen.
Erstaunlich aber auch, wie schnell wir uns vom Eigentlichen fortbewegen können, wenn wir in Fantasien schwelgen.

Vermeiden Sie das bitte, und nehmen Sie sich ruhig ein Beispiel an mir.
Natürlich nicht nur, was Fantasien und die durch dieselben verursachten Ablenkungen betrifft. Denn tatsächlich bin ich nur am Montag von dieser Gefahr der Ablenkung und Abschweifung in nur am Rande wichtiger Gedanken und Gefühle betroffen.
All die anderen Wochentage und auch am Wochenende zeige ich mich Ihnen hingegen beständig als wahres Sinnbild konzentrierter Aufmerksamkeit, wie es sich eben für einen Schamanen auf meiner Ebene der Erfahrung und des Wissen auch gehört.

Leider findet dieser Blog über den Montagskater jedoch immer wieder gerade an Montagen statt, was seinen Gehalt an konzentrierter schamanischer Aufmerksamkeit zeitweilig durchaus zu schmälern vermag.

Trotzdem gebe ich jetzt nicht auf, nein, ich halte vielmehr hartnäckig und eisern durch. Die Frage war:

Welche Art von Zauber übt der Kater denn jetzt eigentlich aus?

Zumindest über seine grundsätzliche nagualistische Ausrichtung bin ich mir wohl im Klaren.

Der Kater ist natürlich ein Pirscher.

Ich meine, Kater, Katzentier, Schleichkatze, Lauerjäger……nein, Lauerjäger gehört zum Krokodil, soweit ich weiß. Aber Schleichkatze passt. Und Katzen pirschen sich doch wohl an ihre Beute an, nicht wahr?

Allerdings…..wenn ich es mir jetzt so recht überlege, könnte der Kater auch Teil eines eher unliebsamen Katzentraumes sein.

Einmal bin ich übrigens der Großen Katze begegnet und war sehr ergriffen davon. Aber darüber kann ich Ihnen hier nicht mehr berichten, weil es doch sehr privat und eben auch sehr emotional für mich war.

Die Große Katze aber hilft mir jetzt auch nicht weiter. Ich muss einfach überlegen, wie sich der Kater magisch ausdrückt, also, ob er jetzt Pirscher ist oder Träumer.

Wenn er vielleicht doch Teil eines Katzen- oder Katertraumes wäre, könnte ich ihm ja vielleicht träumerisch zu Leibe rücken.

Ist er hingegen ein Pirscher, dann sind wohl ganz andere magische Kampfmaßnahmen angebracht.

Zumindest eines ist klar: Der Kater ist entweder ein Pirscher oder ein Träumer. Beides kann er ja wohl nicht sein. Bei uns Menschen ist der Kraftkörper in dieser Beziehung normalerweise ganz eindeutig. Sie sind Träumer oder Pirscher, egal ob Sie es wissen oder nicht, und Sie verhalten sich auch im scheinbar nicht-magischen Alltag des Tonal, des Fassbaren, genau gemäß Ihrer Ihnen innewohnenden magischen Natur.

Ja, ich weiß. Ein paar Ausnahmen von dieser Regel habe ich im Laufe meiner schamanischen Laufbahn in diesem Leben schon gesehen.
Eine Schülerin wechselte in einem fort zwischen den beiden Ebenen des Träumens und Pirschens, was zugleich bedeutete, dass sie ununterbrochen zwischen zwei verschiedenen Universen pendelte.
Es gab also ein Universum, in dem sie Pirscherin war, und ein anderes, in dem sie als Träumerin auftrat. Allerdings hatte diese Schülerin dementsprechend ein magisches Vorleben und auch einige magische Verfolger aus eben diesem Leben vorzuweisen. Um diesen Verfolgern zu entkommen, hatte sie sich in ihrer früheren Existenz den Trick mit dem Wechseln zwischen zwei verschiedenen Kraftkörpern ausgedacht. Und auf irgendeine Weise nahm sie offensichtlich genau diese Fähigkeit in ihr jetziges Leben mit.

Normalerweise kommt das aber nicht vor. Es ist eben die Ausnahme, und funktioniert ohnehin nur mit einem bestimmten magischen Trick, den ich Ihnen hier an dieser Stelle und in aller Öffentlichkeit jetzt aber nicht verraten werde.

Außerdem lernte ich einmal eine andere Interessierte kennen, welche ihren Kraftkörper ganz und gar in eine Traumgestalt verwandelt hatte.
Das war ebenfalls offenbar in einem Vorleben geschehen, und sie stand zwar körperlich als normale Person vor mir, ihr Kraftkörper aber war sozusagen die Traumkopie eines ursprünglich pirschenden Kraftkörpers. Sehr seltsam und ebenfalls ganz und gar nicht das, was Sie, wenn Sie wie ich intensiv mit dem Kraftkörper arbeiten, normalerweise bei Menschen vorfinden.

Der Kater aber wird wohl eher dem normalen Typus angehören, also dem ohne Wechsel zwischen verschiedenen Universen oder einer Verwandlung seines Kraftkörpers in dessen Traumkopie…..

Zumindest hoffe ich das jetzt einmal.

Genaueres weiß man natürlich nicht. Katzen leben ja angeblich in mehreren Dimensionen und Welten gleichzeitig.

Insofern wäre ein beständiges Wechseln zwischen Träumen und Pirschen für so einen Kater vielleicht doch möglich, vor allem auch deshalb, weil er ja bekanntlich ein auf magisch-geistiger Ebene existierendes Geschöpf ist.

Außerdem haben Katzen, wie wir hören, ja mindestens sieben Leben. Sieben Leben. Die magische Zahl sieben. Sieben Generationen, siebenfache Auswirkungen auf das eigene Dasein, undsoweiter…..Vielleicht könnte das eine oder andere Leben da auch durchaus einem Katerkraftkörper gehören, welcher sich längst in seine eigene Traumkopie verwandelt hat….Umso länger ich also darüber nachsinne, umso grauenvoller beginnt dieses ganze Katzenkarussell sich um mich zu drehen, ach mir wird schon ganz schwindlig dabei, ich glaube, ich muss kurz innehalten und, bevor ich noch zu Boden stürze, einmal den Kater Kater sein lassen und mich ganz entschieden mit meiner Aufmerksamkeit anderen Themen zuwenden.
Sagen Sie mir nur bitte rasch, welchen, bevor das Katzenuntier etwa gleich wiederkommt……