Stormy Monday, Montagskater 26, genau zum Jahreswechsel….

Aus irgendeinem Grund ist der Kater zu Weihnachten dann doch nicht erschienen.

Ich wartete also, die Sektflasche in einer Hand und die Flasche für den schon bald in ihr eingefangenen Kater-Dschinn in der anderen. Leider vergeblich.

Wie Sie ja schon im letzten Teil dieses Blogs lesen konnten, sieht mein genialer Plan zu diesem Zeitpunkt zur erfolgreichen Katervertreibung Folgendes vor:

Heimlich habe ich mir inzwischen eine orientalisch aussehende Flasche besorgt, mich ganz genau schamanisch vergewissert, dass kein Dschinn in dieser Flasche haust, um jegliche Überbevölkerung in der Flasche zu vermeiden. Dann habe ich Baldrian auf den Grund der Flasche sinken lassen. Baldrian aber können Katzen nicht widerstehen. Außerdem wird die Wirkung des Baldrians noch durch einen besonderen Zauberspruch verstärkt, der den Kater in seine rauchige Dschingestalt verwandeln und ihn gleichzeitig mit der Kraft eines unwiderstehlichen Sogs in die Flasche ziehen soll. Ich muss danach das Gefäß nur noch mit einem magisch aufgeladenen Stöpsel verschließen und ins nächste fließende oder stehende Gewässer werfen. Und schon bin ich den aufdringlichen Kater los. 

Daraus wurde jedoch zu Weihnachten nichts, weil der Kater vorsichtiger Weise einfach nicht erschien. Er ahnte vielleicht schon, dass es ihm jetzt an den Kragen ginge. Katzen besitzen ja einen untrüglichen Sinn für drohende Gefahr. Das macht meine Sache nun nicht gerade einfach.
Doch ich habe nicht aufgegeben. Eine derartige Haltung wäre eines Schamanen ja auch ganz unwürdig. Glücklicherweise fällt auch der Jahreswechsel diesmal auf einen Montag. Da wird der Kater wohl wieder erscheinen, selbst wenn ihn das aus seinem gewohnten Rhythmus bringt. Doch einen Überfall an Silvester wird er sich mit ziemlicher Sicherheit nicht entgehen lassen.

Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist der genaue richtige Zeitpunkt. Wahrscheinlich sollte ich mich darauf vorbereiten, dass ich bis ganz kurz vor Mitternacht warten muss, weil der Kater voraussichtlich nur in diesem Moment angreifen wird. Woher ich das weiß? Katzen schleichen sich lautlos und nahezu unsichtbar an ihre Beute heran und warten genau auf den Augenblick, in dem diese keinen Angriff erwartet oder durch andere Umstände in ihrer Wachsamkeit nachlässt. Der Zeitpunkt des Jahreswechsels wird hier auf dem Land normalerweise laut und deutlich in Szene gesetzt. Da kracht und heult und schießt es, dass einem ruhebedürftigen Schamanen wie mir schon immer wieder die Ohren wackeln. Aber der Kater lässt sich sicherlich durch solch äußeren Firlefanz nicht weiter beeindrucken. Nein, er sieht genau beim Ausbrechen mittelgroßer Feuerwerke direkt neben und leider bisweilen auch über meinem Garten seine große Stunde des gelungenen Überfalls auf den abgelenkten und schon leicht betrunkenen Schamanen gekommen.

Er plant sicherlich schon, sich bis auf wenige Millimeter von hinten an mich anzuschleichen, mich mit einem heiseren Pfauchen im letzten Moment auf seine Anwesenheit aufmerksam zu machen und dann begeistert zuzuschlagen.

Ich jedoch halte die Flasche seines Untergangs bereit, und trinke nur mäßig vom Sekt, um das Katzentier mit scharfen und wachen Sinnen in die raffiniert aufgebaute Falle zu locken.

Das einzige, was mich noch ein wenig beunruhigt, ist die seltsame Tatsache, dass dieses Jahr sowohl Weihnachten als auch Silvester auf einen Montag fallen.

Kann das ebenfalls das Werk des Montagskaters sein? Oder geht es dabei mit rechten Dingen zu? Ist es denn nicht sehr ungewöhnlich, dass so dicht hintereinander die Festlichkeiten eines Jahres auf Montage fallen? Ich weiß zwar nicht, ob in diesem scheinbar zufälligen Zusammentreffen von Montag und Festtag eine heimliche oder eben unheimliche Absicht des Kosmos liegt, der mich dem Kater in die schon gierig nach mir ausgestreckten Pranken treiben will. Aber dann beschließe ich, dass diese Vorstellung viel zu paranoid ist und wende mich lieber wieder meinem ursprünglichen Plan mit der Flasche zu.

Diesmal habe ich aber Champagner mitgebracht. Alles soll so aussehen, als hätte ich über dem festlichen Charakter dieses Abends den Montagskater ganz vergessen. Das wird ihn noch mehr in Sicherheit wiegen und zu unvorsichtigem Vorpreschen veranlassen. Wenn er dann merkt, dass es zu spät ist, um sich dem Sog der zweiten Flasche zu entziehen, wird er, zu Rauch und Nebel verwandelt, schon hilflos in der schnell zugestöpselten Flasche sitzen.

Auf alle Fälle kann ich aber nicht auf die Silvesterchläuse warten, weil diese hier im Mostviertel schon vor vielen Jahrzehnten gänzlich ausgestorben sind. Wie Sie ja bereits wissen:

Im Schweizer Kanton Appenzell Ausserrhoden halten am 31. Dezember und am 13. Januar (Alter Silvester) die Silvesterchläuse Einzug. Falls der 31. Dezember bzw. 13. Januar auf einen Sonntag fällt, findet das Silvesterchlausen am Samstag statt. Das Silvesterchlausen ist der wohl eindrücklichste Winterbrauch im Appenzellerland. Die Chläuse werden durch drei Arten unterschieden: die „Wüeschte“, die „Schöne“ und die „Schöwüeschte“ oder Naturchläuse. Sie treten fast ausschließlich in „Schuppel“ (Gruppen) auf. Schon in der ersten Morgendämmerung des Silvestertages sind viele der Chlausschuppel unterwegs in der nahen Umgebung der Gemeinden, um bei Freunden zu „chlausen“ und zu „zauren“. Ein einmaliges Schauspiel bietet sich den Zuschauern, wenn die Chlausengruppen in die Dörfer ziehen. Meist hört man sie mit ihren Schellen schon von Weitem. (Quelle Wikipedia).

Die Chläuse hätten den Kater natürlich von meinem Plan vortrefflich abgelenkt. Aber es muss auch so gehen.

Zwei Minuten vor Mitternacht beginne ich zu zählen. Der anschleichende Kater wird glauben, dass ich die Sekunden bis Neujahr zähle, doch in Wahrheit sind es die Augenblicke bis zu seinem letzten und für ihn verheerenden Angriff auf mich. Und da ist er auch schon. Ein heftiges Pfauchen direkt hinter mir, ich drehe mich um, lasse in der Aufregung die Champagnerflasche fallen und schwenke gleichzeitig die orientalische Flasche mit dem Baldrian direkt in Richtung des Katers. Er miaut kläglich. Jetzt wird er zu Nebel und Rauch. Nein, es ist nur der Schlag seiner mächtigen Tatze, der mich zu Boden streckt und meine Sicht umnebelt. Als nächstes höre ich ihn lachen. Dschinn, Dschinn, Dschinn,…..klingen deutlich einzelne Worte aus seinem Gelächter heraus. Ich liege inzwischen in einer Champagnerlacke und sehe den Kater mit verzücktem Antlitz tanzen, sehe ihn grinsend zum Takt des Donauwalzers das neue Jahr begrüßen.

Vielleicht, überlege ich mir, als ich mich langsam wieder erhebe, und der Kater sich längst getrollt hat, ja vielleicht ist der Kater seinem Wesen nach eher doch kein Dschinn.