Stormy Monday, Montagskater 8

Aber halt!

Das ist doch gar kein Kater hier im Bild. Wahrscheinlich ist schon wieder einmal in der Redaktion Alles ganz durcheinander geraten. Das liegt wohl daran, dass mir nach wie vor hier kein personal assistant zugestanden wird. Der hätte das sicher im Griff.

Aber gut, hängen wir den Kater eben am Schluss dran.

Zurück also zur Geschichte:

Mein Pfeil wollte ungehindert mitten ins Herz der Alpen fliegen.
Dort, ganz hoch oben in den Bergen, im Reich der alpinen Feen, sollte mein neues Zentrum entstehen.

Ich sah mich also schon inmitten einer erhabenen hochaufragenden Bergwelt in einer kleinen einsamen Almhütte residieren und hier mein schamanisches Glück finden.

Allerdings ereignete sich während des Zustoßens mit dem Pfeil noch ein ganz kurzer wesentlicher Moment der Kraft, der sich in Form folgender Überlegungen ausdrücken wollte:

Nicht zu hoch oben, Anbindung an die nächste Großstadt ist wichtig, sonst bist Du in der Einöde und keiner kommt zu Dir, und Rosen sollten auch noch wachsen in Deinem Garten, also bitte keinesfalls dort oben hin….dieser letzte Gedanke zeigte klar und deutlich auf das nördliche Waldviertel.
Aber das wäre ohnehin nicht nötig gewesen. Das Waldviertel ist ja schön aber auch ganz schön rau.

Nein, meine Hand fuhr, beseelt von diesem Funken der Einsicht, wie von selbst nach vor und stach den Pfeil genau ins südliche Mostviertel hinein.

Und dort steckt er noch immer.

Aber nur um ein Haar, und alles wäre anders gekommen.

Ja, nur ein ganz klein Wenig hätte gefehlt, und ich wäre in der Südsee oder vielleicht auch in der Hitze des sonnendurchglühten südlichen Spaniens gelandet.

Allerdings kenne ich, das fällt mir jetzt gerade ein, Spanien im Winter gar nicht wirklich so genau.
Vielleicht ist es ja dann genau dort bitter kalt, oder gar regnerisch und trüb.
Genau wie hier also.

Egal. Ganz gleichgültig.
Der Pfeil hat entschieden und ich bin ihm schließlich willig gefolgt.
Mitten ins südliche Mostviertel.

Mitten hinein ins Reich des Montagskaters.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, wo denn hier eigentlich die Magie bleibt, wenn der Schamane den Pfeil schließlich mit der Hand umsteckt.

Nun, zum einen ist der Schamane natürlich selbst voll Magie.
Das Selbe gilt selbstverständlich auch für seine Hand.
Wem das aber zu einseitig oder abgehoben, zu sehr nach Guru oder Dünkel klingen mag, für den habe ich hier noch eine andere, viel einfachere Erklärung anzubieten:

Die Magie steckt schon in dem, was wir hier tun.

Da braucht es kein Orakel mehr, um den Platz dafür festzulegen.

Ja, jetzt habe ich es wohl auf den Punkt gebracht.

Der Montagskater schnurrt sogar ein wenig.

Ich glaube aber nicht, dass ich ihn schon los bin.

Allerdings ist dieser Platz, an dem wir uns hier befinden, schon von sich aus recht anfällig für Magie und Spirit.

Er liegt nicht ganz zufällig genau unter einem Hügel, von dem aus man wiederum genau den stärksten Feenplatz in Niederösterreich erblickt.

Darüber hinaus haben wir den Platz, wie es unter Schamanen und Magiern eben so üblich ist, mit Magie und Kraft aufgeladen.
Genauer gesagt, haben wir Magie, Kraft und Spirit eingeladen, sich hier an diesem Platz zu manifestieren.

Teilweise geschah und geschieht das über schamanische Rituale.

Dabei wird etwas frei, was die Sufis Baraka nennen. Freie Heilkraft, das positive spirituelle Resultat des Rituals, das für die Heilung und Stärkung der Anwesenden und des Platzes zur Verfügung steht.

Teilweise sind es aber auch die schamanischen Installationen, die wir hier zu Ehren des Spirits, des Mythos und der Geister errichtet haben.
Die vier Pranken des Jaguars bewachen als Kraftplätze im Kraftplatz unser Zentrum. Eine Spirale, ein Erdmutterplatz, eine Traumkiva und ein Weidendom verbinden es mit der Kraft der Erde.

Unsere Jurten ziehen Kraftlinien durch Himmel, Erde und die Mitte von Allem.

Schließlich sind es auch bestimmte Zeitmagieformen und andere schamanische Wirkfelder, wie die magische Identifikation des Hauses mit der Hütte der Großen Fee Baba Jaga, die dem Platz hier Kraft verleihen und seinen Spirit stärken.

Schon vor längerer Zeit ist mir aufgefallen, dass sich magische Wächter des Hauses um Haus und Garten zu manifestieren begannen.
Das zeigt, dass unsere Absicht wirkt.

Genau betrachtet, ist das Zentrum hier ein Verstärker von Heilkraft, Magie und Spirit.

Eigentlich kann der Montagskater also wohl gar nicht an diesem speziellen Platz ansetzen.

Das heißt, dass, wenn ich es recht bedenke, es wohl also gar nicht an dem Platz meines Wirkens liegt, dass dieser Kater montags zuweilen so beständig um mich herumschleicht.

Nein, im Gegenteil.
Jetzt wird es mir klar:

Der Platz bewahrt mich wahrscheinlich eher vor dem Schlimmsten, dem vollen Einsetzen des Katers, dem Abtriften in die Tiefe der Montagsschlucht.

Es muss also andere Gründe für den Kater geben, soviel ist gewiss.

Es liegt tatsächlich an etwas Anderem.

Aber woran nur?

Ich werde wohl tief in mich gehen müssen, um das herauszufinden.

Tief in mich. Das ist ziemlich tief bei einem Schamanen wie mir.

Folgen Sie mir aber ruhig dorthin. Es schmerzt gar nicht.

Zumindest nicht, wenn Sie etwas schwindelfrei sind.

Wir sehen uns also bald wieder, auf einer Expedition in die Tiefe des Schamanen.

Direkt unter der Pranke eines riesenhaften, ja eines gewaltigen, eines wirklich ungeheuren aber glücklicher Weise nur montags erscheinenden Katers.

Verzeihen Sie bitte das Fehlen des Katers im Beitragsbild ganz oben. Wir sind offenbar aus ganz unerfindlichen Gründen schon wieder auf den Hund geraten!