Udos Weg zum Schamanischen Lehrer Teil 4

Udos Weg zum schamanischen Lehrer – Teil 4:

Archaische Bewegungsabläufe und alte Vorstellungen über Körper, Geist, Energie, und Magie – oder: Wie mir südostasiatische Kampfkunst half, meinen Schamanismus besser zu verstehen .

Zwei weitere wichtige Einflüsse auf meinem Weg des schamanischen Lehrers waren mein dreizehnjähriges intensives Studium südostasiatischer Kampfkunst und meine Reise nach Peru. Letztere unternahm ich, um aus eigener Erfahrung peruanischen Schamanismus, für den der Umgang mit visionsfördernden heiligen Pflanzen wie Ayahuasca bestimmend ist, mit meinem schamanischen Ansatz vergleichen zu können.

Ich begann erst relativ spät, im Alter von 35 Jahren Kampfkunst intensiv zu betreiben, wozu circa 10 Stunden pro Woche hartes Training in der Gruppe und einzeln mit dem Großmeister sowie fünf jeweils mehrwöchige Aufenthalte in Sumatra gehörten. Ich wurde bis zum dritten Meistergrad (Pendekar III) ausgebildet.

Dann, knapp vor dem vierten Meistergrad, brach ich mein Kampfkunsttraining schließlich ab.

Zu diesem Zeitpunkt war mir klar geworden, dass ich mich zwischen den Notwendigkeiten, die sich aus dem Aufbau meiner eigenen schamanischen Richtung ergaben, und den Anforderungen, welche nach Ansicht des Großmeisters die Kampfkunst stellte, wenn ich sie auf ein noch höheres Niveau bringen wollte, entscheiden musste.

Da sich im Silek Minang, der Kampfkunst der Minangkabaukultur aus Sumatra, der Ausübende in eine sehr stark persönlich geprägte Beziehung zu seinem Lehrer begibt, hängt das eigene Fortkommen in diesem Bereich ganz vom Wohlwollen und der Unterstützung des Lehrers ab.

Im Unterschied zu den in Sumatra Kampfkunst Lernenden stand mir auch die Möglichkeit, bei mehreren Lehrern zu studieren oder notfalls einen anderen Lehrer zu suchen, nicht offen.

Mit der Entscheidung, meiner eignen Tätigkeit den Vorrang zu geben, war das Verhältnis zu meinem Kampfkunstlehrer nicht mehr ungetrübt.

Eine andere Entscheidung wäre jedoch einer Art Selbstaufgabe gleich gekommen.

Das führte im Laufe eines weiteren Jahres zum allmählichen Rückzug aus meiner aktiven Kampfkunstkarriere.

Die intensive Beschäftigung mit Kampfkunst war unter anderem durch ein spezielles mentales Training der Entschlossenheit gekennzeichnet.

Dieses entspricht der Philosophie der Pendekar, wie die Träger des schwarzen Gürtels im Silek genannt werden.

Pendekar sind im Verständnis der Kampfkunsttreibenden aus Sumatra Menschen mit ganz besonderen energetischen, magischen und Überlebensfähigkeiten, ein Kreis von Experten mit einer eigenen hochstehenden ethischen Selbstverpflichtung, entsprechend einem Ritterorden.

Ähnlich wie das Bushido der Samurai, wenngleich auch von anderen Vorstellungen und Inhalten getragen, ist es ein bestimmtes energetisches und mentales Verständnis das den Pendekar ausmacht.

Silek Minang stammt ursprünglich aus dem Hochland Westsumatras, aus einem Gebiet, in dem das Leben mit den Gegebenheiten des Urwalds, alltäglich war.

Das Zusammenspiel der eigenen Fähigkeiten mit den Gegebenheiten wilder Natur gehört daher zur Ausbildung im Silek Minang.

Intensive Naturprüfungen, die durchaus auch das Leben des Ausübenden in Gefahr bringen können, sind Teil des Erwerbs seiner Pendekar- oder Meistergrade.

Für mich war es speziell auch sehr wertvoll, mich dabei in der Rolle des Schülers zu befinden und die Rahmenbedingungen meiner Erlebnisse nicht selbst festlegen zu können.

Es war meine Art, die übliche Rolle als Schamane und Lehrer, die ich in meiner Arbeit mit Menschen einnehme, von der anderen Seite der Medaille her zu betrachten.

Meine eigenen Schwierigkeiten, die sich durch die Erfahrung eines im Endeffekt für mich zu starren Systems der Lehrer-Schülerbeziehung in der Kampfkunst ergaben, halfen mir als spiritueller und schamanischer Lehrer.

Sie führten mir noch einmal deutlich die Verantwortung des Lehrers für die Entwicklungsmöglichkeiten seiner Schüler nachhaltig vor Augen.

Die zentrale Bedeutung, die der Wert Freiheit für eine stimmige Entwicklung der sich mir anvertrauenden Menschen hat, war mir im Lauf der Auseinandersetzung mit der Perspektive der Kampfkunst so klar wie nie zuvor geworden.

Natürlich führte die intensive Beschäftigung mit exotischer Kampfkunst auch zu vertieftem Verständnis von Bewegung und Energie.

Die archaischen Bewegungsabläufe und Vorstellungen über Körper, Geist, Energie, Magie und Persönlichkeit, die aus der über tausend Jahre alten Kultur der Minangkabau stammen brachten mir einen spannenden Zugang zu einer natürlichen und zugleich hoch entwickelten Bewegungskunst.

Ich erhielt Einsicht in altes animistisches und magisches Wissen.

Im Wissensschatz der Kampfkunstmeister leben die ursprünglichen mittelalterlichen Traditionen der Minangkabaukultur fort.

Silek, Kampfkunst, oder Galu, das Spiel der Tiger mit ihren Jungen, war und ist in Westsumatra kulturbestimmender Faktor der Gesellschaft.

Tanz und Musik, Volksdichtung und Theater sind in dieser Kultur eng mit der Ausübung von Silek verbunden.

Ein Pendekar war deshalb häufig zugleich auch spiritueller und sozialer Anführer seines Dorfes.

Ich aber zog mich inzwischen ganz in mein schamanisches Dorf zurück und widmete mich der Entwicklung des Nagual-Schamanismus. Lesen Sie in Teil 5 wie es mir in Peru mit der Liane des Todes erging.