Udos Weg zum Schamanischen Lehrer Teil 5

Meine Erfahrungen mit peruanischem Schamanismus – oder: Warum die Spirits des Ayahuasca ein kleiner Weltuntergang nicht bekümmert. 

Um die Jahrtausendwende herum fuhr ich nach Peru, einerseits als persönliches Retreat für mich selbst, andererseits mit der Absicht, Erfahrungen mit peruanischem Schamanismus zu machen und im anderen Licht des Urwalds und seiner Schamanen die Kraft meines eigenen schamanischen Ansatzes klarer erkennen zu können.

Ich machte mich also auf zu Don Augustin Rivas, einem meisterhaften peruanischen Heiler und Schamanen, der in der Nähe von Iquitos im Urwald sein schamanisches Zentrum errichtet hatte.

Meine Erfahrung mit peruanischem Schamanismus war für mich insofern wichtig, weil sie mir gleichzeitig drei verschiedene Tore der Erkenntnis öffnete:

Zum einen war es faszinierend, wie ich im Erleben der Ayahuasca-Visionen von den Spirits empfangen wurde. Sie waren unglaublich liebevoll mit mir, gaben mir umfassende Informationen, während sie mir spielerisch Wissen vermittelten.

Zweitens war es für mich sehr befriedigend, meinen eigenen Zugang zum Schamanismus ganz ohne Drogen oder heilige Substanzen in einer ähnlichen Tiefe wahrzunehmen, wie die intensiven Erfahrungen, die sich mit Ayahuasca ergeben können.

Die Visionen, die das Ayahuasca mir gab, boten mir zudem auch klare Wege an, wie ich bestimmte Merkmale meines Schamanismus noch besser erklären und definieren konnte.

Vor allem mein Eingebettet-sein als Schamane in kosmische Vorgänge wurde mir sehr deutlich.

Ich gebe hier zwei miteinander verbundene Beispiele.

In meinem ersten Ayahuasca-Erleben löste sich, nach vielen visionären Einsichten, die Welt schließlich irgendwann in einen Chor von Klängen auf. Jedem Ereignis entsprach genau ein Stück Musik. Alles war ekstatisch, in eine ungeheure aber schlichte Symphonie des Kosmos verwoben. Die Synergie dieses ekstatischen Klanges ließ mich alle Ereignisse der Welt plötzlich aus einer Perspektive von Leichtigkeit wahrnehmen.

Meine übliche Schwere und mein ernsthaftes an der Welt Zweifeln stellten sich erst zwei Tage später wieder ein.

Und ich hatte da ja auch noch die eine sehr wichtige Frage, die ich mit Hilfe der heiligen Pflanze gern zu einer visionären Klärung gebracht hätte: Was meinten die Spirits des Ayahuasca denn zum oft sehr miserablen Zustand der Welt?

Bei meinem zweiten Besuch, den ich dem Ayahuasca zwei Tage später abstattete, wurde ich durch eine Art kosmischen Strudels durch das Fell des Jaguars hindurch in die archaische Welt uralter Pflanzengeister gezogen.

Diese erklärten mir, sie seien so mächtig, es läge in ihrer Kraft, alles zu verändern.

Als ich sie daraufhin fragte, warum sie dann nicht endlich in das Geschehen der Welt eingriffen, wo doch so vieles an Zerstörung gerade jetzt geschähe, antworteten sie: Wir greifen nie ein, wir sind nur Zeugen des Ganzen, nur Beobachter. Und als ich sie dann darauf aufmerksam machen wollte, dass ja die ganze Welt in Gefahr sei, unterzugehen, bekam ich die tröstende Antwort: Wenn diese Welt untergeht, ist das nur ein kleines Geschehen in einer ganz, ganz langen Kette von Ereignissen.

Da wurde mir klar, dass diese alten Pflanzengeister offenbar ein ganz anderes Zeit- und Geschichtsempfinden besaßen als ich.

Später, als ich wieder zurück in Österreich war und in Christian Rätschs Lexikon der psychoaktiven Substanzen das Kapitel Ayahuasca aufschlug, las ich darin von den charakteristischen Erfahrungen der mit Ayahuasca vertrauten Schamanen.

Genau dieselbe Art von Reise hatte ich offensichtlich in Peru gemacht, bis hin zu gewissen Einzelheiten der Erfahrung, ohne zuvor von den speziellen Bildern und Vorgängen, die für Schamanen, die mit Ayahuasca arbeiten, typisch sind, genauere Kenntnis gehabt zu haben.

Allerdings war bei mir im Gegensatz zu den mit Ayahuasca arbeitenden Curanderos (Heilern/Schamanen) von unbeweglichem Sitzen und ins Feuer starren während der Sitzungen keine Rede. Vielmehr fanden meine Sitzungen im Liegen statt. Ich hatte zudem die Beine an den Holzwänden der im Urwald gelegenen Hütte hochgelagert, um meinen Kreislauf zu unterstützen.

Zum wirklichen Ayahuascero fehlte mir also wohl doch noch ein wesentliches Stück an Fitness in Bezug auf die Kraft dieser Pflanze.

In jedem Fall kehrte ich voll Dankbarkeit für die Erkenntnisse und die intensive Kommunikation mit dem Ayahuasca nach Europa zurück, beschloss aber, bei meinem mir anvertrauten schamanischen Zugang zu bleiben.

Der Spirit trägt den Schamanen. Lesen Sie in Teil 6: Was macht einen authentischen Schamanen aus?