Udos Weg zum Schamanischen Lehrer Teil 7

Die Vision des Nagual-Schamanismus – oder: Entschlossenheit, Hingabe und Glück formen den schamanischen Zauberweg

Mein eigener schamanischer Weg entstammt nicht indigenem Wissen.

In meiner schamanischen Arbeit und meinem schamanischen Lehren benütze ich nur eigene, mir selbst zugeflossene Mittel und Wege und das darin und dahinter liegende schamanische Wissen und Verständnis.

Die einzigen Ausnahmen beziehen sich auf Sachverhalte allgemeiner Art: Das Knowhow zum Bau einer Schwitzhütte beispielsweise, aber selbstverständlich ohne die Rituale irgendeiner indigenen Kultur damit zu verbinden.

Den Gebrauch von Runen, die ich als gemeinsames menschliches Erbe wahrnehme.

Auf jeden Fall aber braucht ein Schamane nach Ansicht der meisten Menschen vor allem einen physischen Lehrer, einen anderen älteren Schamanen, der ihn als Schamanen bestätigt hat.

Stimmt wenigstens diese Idee mit den ursprünglichen schamanischen Vorstellungen überein? Eigentlich nicht.

Sie kann ja auch schon ganz grundsätzlich nicht stimmen.

Sicherlich ist es sehr schwer und wohl auch ausgesprochen selten, dass jemand ohne Hilfe und ohne Bestätigung eines physisch vorhandenen Lehrers zum Schamanen wird.

Der Schamanismus, ursprünglich in der Begegnung mit der Kraft der Wildnis entstanden, war ein funktionierendes und pragmatisch ausgerichtetes System, die Kräfte der Natur in einen magischen Zusammenhang mit dem Schamanen zu bringen.

Mongolische Schamanen sagen noch heute, dass die eigentliche Initiation des Schamanen durch die Geister der Wildnis passiert.

Schließlich aber muss das ja auch genau die Art und Weise sein, die die ersten Schamanen, die Träger der ursprünglichen Saat des Schamanismus, hervorbrachte.

Es sei denn, man will Schamanismus als rein kulturelles Phänomen ohne Verankerung in der Magie und den Kräften der Natur sehen.

Manchmal hat es mich in Gesprächsrunden gereizt, auf die zumeist zuerst gestellten Fragen nach meinen schamanischen Lehrern zu antworten:

Ich habe mir das alles zwar nur ausgedacht, aber es funktioniert eben doch so vorzüglich.

Tatsächlich wäre dies aber ebenfalls nicht möglich.

Wir können als Individuen nicht in dieser Art in den Bereich des archaischen und archetypischen Wissens eingreifen und uns unseren eigenen schamanischen Mythos ausdenken.

Sehr wohl ist es möglich, dass vorhandenes, von den Spirits einem Schamanen übertragenes Wissen, von diesem neu interpretiert und zu einem eigenen kraftvollen Ansatz zusammengefügt wird.

In gewisser Weise ist das auch bei mir und dem Nagual-Schamanismus der Fall.

Er trägt mehrere Arten von Magie in sich, die sich alle schon im ersten Traum von der Kraftblume zeigen:

  • Die Kraftblume kommt aus der Vision, aus der nicht-dualen Magie der Trance und des Spirits.
  • Sie wächst am Feenplatz.
  • Sie wächst im Abgrund, einem Symbol für das Nagual.
  • Sie verbindet tantrisch Himmel und Erde, männliche und weibliche Archetypen.
  • Sie ist auf hier nicht weiter ausgeführte Weise mit den Hütern von Himmel und Erde, mit der Magie von Mutter Erde und der Magie der Himmelswesen verbunden.

Was sind dementsprechend die magischen Quellen meiner schamanischen Richtung?

  • Tantra
  • die spirituelle Kraft der Vision
  • Feenmagie
  • Nagualismus, also der Schamanismus der Aufmerksamkeiten. Das heißt der Veränderung von Wahrnehmung und Welt über das Unfassbare oder über den Traum
  • der spirituelle Bezug zu den kosmischen Kräften von Himmel und Erde

Sie alle bilden gemeinsam mit dem archaischen Mythos von Jaguar, Kraftblume und Adler die magische Grundlage des Nagual-Schamanismus.

Die Kraftblume steht dabei unter anderem für den unmittelbaren direkten Zugang zur Kraft. Wir arbeiten dementsprechend nicht mit der Vorstellung eines Übergangs in die sogenannte „andere Wirklichkeit der Schamanen“, sondern diese Wirklichkeit stellt gleichzeitig schon unsere alltägliche Wirklichkeit und die Wirklichkeit der Kraft dar.

Es bedarf nur einer kleinen Drehung, eines minimalen Wink mit dem Zaunpfahl, eines Zwinkerns der Kraft und alles ist mit einem Mal ganz anders und geöffnet für die Magie.

Die Kraftblume kann auch als das Treffen zweier Schlangen interpretiert werden: Die Schlange des Himmels und die Schlange der Erde treffen sich in dem einen Punkt der Kraft.

Mein Ansatz ist also auch ein Konglomerat aus verschiedenen schamanisch-spirituellen Ansätzen und entsteht durch das Zusammenwirken unterschiedlicher spiritueller und magischer Kräfte.

Diese entsprechen nicht zufällig meinen eigenen magischen Vorlieben und Vorleben.

Hätte ein anderer Mensch als ich eine andere Vision bekommen oder diese Vision anders interpretiert? Ich meine ja.

Aber zu guter Letzt ist es doch wie im fiktiven Beispiel der Aliens, welche die achte Stufe ihrer technischen und zivilisatorischen Kultur erreicht haben:

Das letzte Stück Weg ist nicht so leicht linear nachzuvollziehen obwohl es wesentlich für die Power ist, die dem Ganzen dann zum Schluss innewohnt.

Welchen Weg ein Schamane in Europa genommen hat, um sich hier als kraftvoller und authentischer Schamane zu etablieren, ist im Endeffekt gleichgültig.

Wichtig ist, dass seine Vision wahrhaftig ist, dass seine Andacht und Hingabe an die eigene kosmische Aufgabe vom immer wieder dazwischen einsetzenden kleinen Ich, den persönlichen Eitelkeiten und Verblendungen, nicht allzu sehr verzerrt und verwirrt werden.